Sa., 17.11.2018

Ein Ernährungsrat soll zu gesunder und regionaler Kost animieren So isst Bielefeld

Josef Claas (von links) serviert frische Äpfel, Bettina Willner, Regina Thamm-Wind, Ruth Hamper, Doreen Zinser, Dagmar Heckmann, Michael Motyka, Karl-Ludwig Meyer zu Stieghorst, Karin Freese, Karin Upmeyer und Martin Wörmann kosten.

Josef Claas (von links) serviert frische Äpfel, Bettina Willner, Regina Thamm-Wind, Ruth Hamper, Doreen Zinser, Dagmar Heckmann, Michael Motyka, Karl-Ludwig Meyer zu Stieghorst, Karin Freese, Karin Upmeyer und Martin Wörmann kosten. Foto: Bernhard Pierel

Von Michael Schläger

Bielefeld (WB). Ein Zusammenschluss aus Vertretern von Umweltamt, Verbraucherzentrale, Vereinen und Organisationen will in Bielefeld einen Ernährungsrat ins Leben rufen. »Wir haben es selbst in der Hand, wie wir mit unseren Lebensmitteln umgehen«, sagt Martin Wörmann, Leiter des städtischen Umweltamtes.

Ernährungsrat? Was soll das denn? Ruth Hamper vom städtischen Umweltbetrieb hat dazu eine überraschende Zahl parat: »Jeder Bielefelder schmeißt im Jahr 80 Kilogramm Lebensmittel weg«, sagt sie. 340.000 Mal 80 Kilogramm. Ein unvorstellbarer Berg. Und ein augenfälliges Beispiel dafür, wie wir mit unserem Essen umgehen, Grund zum Nachdenken.

Ernährungsrat – das klingt auch ein bisschen nach dem Veggie Day der Grünen. Einen Tag in der Woche sollten alle auf Fleisch verzichten. Viele empfanden die im Bundestagswahlkampf 2013 propagierte Idee als Bevormundung. »Genau darum geht es uns nicht«, sagt Karin Freese vom Gesundheitsladen. »Uns geht es einfach um die Stärkung einer gesunden und regionalen Ernährung.«

Zusammenschluss unterschiedlicher Akteure

Hinter dem »uns« verbergen sich neben dem Umweltamt und dem Gesundheitsladen die Verbraucherzentrale, die Nachhaltigkeitsinitiative »Transition Town«, die Landfrauen, ein Erzeuger wie Karl-Ludwig Meyer zu Stieghorst, die Regionale Personalentwicklungsgesellschaft Rege, der Umweltbetrieb und die »Slow Food«-Bewegung, die sich für bewusstes und genussvolles Essen einsetzt.

Ganz unterschiedliche Akteure, Menschen, für die die Lebensmittelproduktion Broterwerb ist, und solche, die sich mehr Ernährungsbewusstsein wünschen, haben sich zusammengeschlossen und suchen jetzt nach Gleichgesinnten. Seit einem Jahr arbeitet der Kreis, der unter anderem auf eine politische Initiative von Alexander Rüsing (CDU) zurückgeht, zusammen. Er will nun im Ernährungsrat Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen an einen Tisch bringen.

Treffen im Großen Ratssaal

Deshalb sind am Montag, 26. November, 18 Uhr, im Großen Ratssaal des Neuen Rathauses Erzeuger, Händler, Gastronomen, Verbraucher, Kantinenwirte, Politiker, Bildungs- und Verwaltungsexperten eingeladen mitzumachen. Ziel ist mehr Aufklärung. Mit Infoständen zum Beispiel. Am Freitag stellten die Initiatoren ihr Projekt auf dem Siegfriedsmarkt vor. »An solch einem Ort wollen wir uns auch direkt an die Menschen wenden«, meint Bettina Willner von der Verbraucherzentrale NRW. Oder in Schulen und Kitas. »Die Rege bietet schon solche Programme an«, betont deren Vertreterin Doreen Zinser.

Solche Initiativen freuen Martin Wörmann, der betont: »13 bis 20 Prozent unseres CO2-Ausstoßes gehen auf das Konto der Ernährung.« Dazu gehöre der Transport von Joghurtbechern quer durchs Land genauso wie der Energieaufwand für eine Tiefkühlpizza.

»Lebensmittel müssen mehr Wertschätzung erfahren«

»Lebensmittel müssen mehr Wertschätzung erfahren«, findet Karin Upmeyer von den Bielefelder Landfrauen. Aber muss man sich diese Wertschätzung nicht auch leisten können? Wer kein Geld hat, kauft Obst und Gemüse beim Discounter und nicht vom Erzeuger auf dem Wochenmarkt. »Ein falscher Ansatz«, findet Dagmar Heckmann von der »Slow Food«- Bewegung. »Gerade auf dem Wochenmarkt gibt es Obst und Gemüse der Saison zu sehr günstigen Preisen.«

Und ein Steckrübenrezept müsse nicht schlecht schmecken, nur weil man nicht die besten Erinnerungen Omas Steckrüben-Eintopf habe. Beim Auftakt für den Ernährungsrat am 26. November wird auch eine »Bielefeld Charta für gutes und gesundes Essen« vorgestellt. Im dritten Punkt heißt es: »Lebensmittel sollen so produziert, verarbeitet, verteilt und verwertet werden, dass Verschwendung vermieden, regionale Kreisläufe geschlossen und Boden und Klima nachhaltig geschützt werden.«

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