Fr., 23.11.2018

Katag stellt Ideen für Modehandel vor – Digitales Ladendesign soll Emotionen wecken Wie sieht der Shop der Zukunft aus?

Katag-Chef Dr. Daniel Terberger sieht in der Digitalisierung auch Chancen für den stationären Modehandel. Auf den Verkaufsflächen finden sich neben Kleidungsstücken (kleine Fotos, links) auch immer mehr süße Versuchungen wie Schoko-Pumps der Pralinenmanufaktur Große-Bölting oder auch Handtaschen.

Katag-Chef Dr. Daniel Terberger sieht in der Digitalisierung auch Chancen für den stationären Modehandel. Auf den Verkaufsflächen finden sich neben Kleidungsstücken (kleine Fotos, links) auch immer mehr süße Versuchungen wie Schoko-Pumps der Pralinenmanufaktur Große-Bölting oder auch Handtaschen. Foto: Oliver Schwabe

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). Ausgerechnet mehr Digitalisierung soll dem stationären Modehandel im Wettbewerb mit der Internetkonkurrenz helfen. Vor allem auch, um den Trumpf der emotionalen Ansprache und des direkten Kontaktes ausspielen zu können. Beim Markentag des Bielefelder Mode-Einkaufsverbands Katag AG wurde am Donnerstag der Blick auf den smarten Laden der Zukunft eröffnet.

Die Branche kämpft mit mehreren Herausforderungen. Weil Bekleidung gegenüber Smartphones, Reisen und Co. aus der Mode gekommen ist, hat sich auch im laufenden Jahr bislang ein Umsatzrückgang zum Vorjahr von zwei Prozent aufgebaut, sagt Katag-Chef Dr. Daniel Terberger. Zudem sehen sich die stationären Modefachgeschäfte mit der vor allem mit Preis und Verfügbarkeit punktenden Konkurrenz des Onlinehandels konfrontiert. »Die Veränderungen sind dramatisch, aber sie bedeuten auch eine Chance«, sagt Terberger. »Anders als in anderen Branchen löst sich unser Produkt, das Kleidungsstück, nicht durch die Digitalisierung auf. Im Gegenteil: es steht im Mittelpunkt.«

Balance zwischen Bewährtem und Neuem

Eine Standardlösung für das Modefachgeschäft der Zukunft gebe es nicht. »Individualität ist gefragt und die richtige Balance zwischen Bewährtem und Neuem«, sagt Terberger. Das gelte für Marken, Gastronomiekonzepte oder die Hinzunahme von Accessoires ebenso wie für digitale Lösungen. Der Mode-Dienstleister mit europaweit 350 Vertragspartnern, die 1600 Standorte betreiben, hat jüngst mit der Beteiligung am Online-Netzwerk »Modehaus.de« einen weiteren Schritt gemacht, um kurzfristig eine Marktplatz-Lösung für die Fachhändler zu forcieren. Zudem setzt Katag jetzt auch selbst eine App ein, um seine Partner auf dem Laufenden zu halten.

Kopfkino muss aktiviert werden

Die digitale und analoge Welt soll derweil im Laden der Zukunft verschmelzen. Wie der aussehen könnte, um die Menschen auch emotional zu erreichen, stellte Jens Fischer vom Dresdner Planungsbüro »Kultobjekt« vor. Große, zum Teil interaktive Bildschirme sind demnach ebenso Teil der Inneneinrichtung wie Lautsprechersysteme und Lichttechnik. »Es geht darum, mit Reizen für Auge, Ohr und manchmal auch Nase alle Sinne anzusprechen und das Kopfkino in Gang zu setzen«, sagt Ladendesigner Fischer.

Im Modehandel könnten das für das Herbst-Wintergeschäft etwa Bilder von Laub und Schnee sein, dazu Geräusche von Schritten im Schnee oder raschelndem Laub, ein knisterndes Kaminfeuer und dazu duftender Lebkuchen. »Wintermäntel verkaufen sich bei Kälte besser. Wir wollen auch mit digitalen Hilfsmitteln Anreize setzen«, sagt Fischer. Im Frühjahr öffnen sich Pflanzenknospen auf den Videowänden, im Sommer werden Bilder vom Strand gezeigt und durchströmt der Duft von Sonnencreme den Verkaufsraum.

Tipp für Ladenbesitzer: Mit einem ersten Bereich beginnen

»Wir erzeugen Stimmungen. Es ist ein bisschen wie im Theater«, erklärt der »Kultobjekt«-Chef. »Wir können unzählige Storys in der Cloud bereitstellen, die auf Knopfdruck aktiviert werden können oder auch automatisch durch eine Analyse der aktuellen Besucherstruktur nach Alter, Geschlecht oder Aufenthaltsdauer.« Für den Anfang empfiehlt der Experte Ladenbesitzern, die den Schritt in die Zukunft machen wollen, mit einem ersten Bereich anzufangen und Erfahrungen zu sammeln. Auf diese Weise könne auch ein »Pop-up-Store« im Laden entstehen, dessen Sortiment und Look etwa monatlich wechselt.

Fischer sieht gerade auch durch den boomenden Onlinehandel die stationären Geschäfte unter enormen Zugzwang und Zeitdruck: »In zwei Jahren müssen die Händler entschieden haben, ob sie weitermachen. In drei Jahren sollten sie wissen, wie sie weitermachen und spätestens in fünf Jahren das neue Konzept umgesetzt haben.«

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