Mi., 05.12.2018

Fünf große Verbundprojekte gestartet – erstmals auch IG Metall beteiligt Nächste Runde »It’s OWL«

Neue Technologien wie der »Digitale Zwilling« können Prozesse in Produktion und Betrieb einer Maschine verändern und, so hofft die Industrie, Einsparpotenziale erschließen.

Neue Technologien wie der »Digitale Zwilling« können Prozesse in Produktion und Betrieb einer Maschine verändern und, so hofft die Industrie, Einsparpotenziale erschließen. Foto: imago

Von Bernhard Hertlein

Paderborn (WB). Das Spitzencluster »It’s OWL« startet wieder durch. Den Auftrag machen fünf große Verbundprojekte zum Thema »Industrie 4.0«, an denen insgesamt 21 Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstitute aus der Region beteiligt sind. Den Auftakt bildete gestern eine Strategietagung in Paderborn.

240 führende Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft in OWL trafen sich dazu im Heinz-Nixdorf-Forum. Am Abend wollte Prof. Andreas Pinkwart symbolisch einen Scheck über neun Millionen Euro überreichen – was aber, da der NRW-Wirtschaftsminister im Stau stecken geblieben ist, vertagt wurde. Der Beitrag der Unternehmen beläuft sich auf mindestens die gleiche Summe, erklärte Wolfgang Marquardt, der Sprecher des Spitzenclusters.

Während sich die anderen vier Projekte wie ihre Vorläufer bevorzugt neuen technologischen Entwicklungen widmen, beleuchtet Nummer 5 diesmal den sozialen Aspekt. Dabei geht es um die Weiterbildung von Arbeitnehmern, um ihre Teilnahme an der Entwicklung neuer Technologien und um ihre Unterstützung am Arbeitsplatz, aber auch um neue Herausforderungen an Unternehmensführung und Personalentwicklung. Partner ist die Gewerkschaft IG Metall. Hinzu kommen die vier Hochschulen in OWL, die beiden Fraunhofer-Institute und die Unternehmen Miele (Gütersloh), Benteler (Paderborn), Hettich (Kirchlengern), Weidmüller (Detmold) und Lenze (Aerzen).

»Digitale Zwillinge« stehen im Mittelpunkt eines zweiten Großprojekts. Dabei geht es den industriellen Partnern Phoenix Contact (Blomberg), KEB (Barntrup), Weidmüller und Lenze darum, den Lebenszyklus von Anlagen und Maschinen parallel im Internet abzubilden. Von Erkenntnissen, die daraus gewonnen werden, erhofft sich das Spitzencluster enorme Einsparpotenziale.

Projekt Nummer 3 will Maschinen beibringen, selbstständig zu lernen und sich veränderten Bedingungen automatisch anzupassen. Mit von der Partie sind hier die Hanning Elektrowerke in Oerlinghausen, Hesse (Paderborn), Miele, Benteler, Weidmüller, KEB und Lenze.

Das Erfassen, die Aufbereitung und Nutzung von großen Datenmengen sind Schwerpunkte des Projekts »Industrial Automation Plattform für Big Data«. Ziel von Kannegiesser (Vlotho), KEB, Weidmüller und Lenze sind neue Serviceangebote wie etwa die vorausschauende Wartung von Maschinen und Anlagen.

Um neue Servicemodelle durch digitale Plattformen geht es in dem fünften Projekt »Digital Business«. Mit dabei sind auf Wirtschaftsseite Wago (Minden), Denios (Bad Oeynhausen), GEA (Olde) und Unity AG (Büren).

Mit dem Start der fünf Großprojekt beginnt Marquardt zufolge auch die Ausschreibung von Transferprojekten. Gesucht würden Projekte etwa zur intuitiven Bedienung von Maschinen, einem verbesserten Energiemanagement oder zu neuen Verfahren der Produktentwicklung. Kleine und mittelständische Unternehmen können dabei 60 bis 80 Prozent der Gesamtkosten des Projekts vom Staat erstattet bekommen.

»Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen produzierende Un­ternehmen die Intelligenz in ihren Produkten und Produktionsverfahren erhöhen und neue Kundenzugänge erschließen«, erklärte Prof. Jürgen Gausemeier, Vorsitzender Clusterboard »It´s OWL«, bei der Strategietagung. Pinkwart lobte vorab in einer Pressemitteilung: »Das Spitzencluster trägt maßgeblich dazu bei, die Möglichkeiten und Verfahren der Industrie 4.0 greifbar zu machen.«

Die Landesregierung fördert die Projekte von »It’s OWL« mit 50 Millionen und das Cluster-Management mit drei Millionen Euro. Insgesamt sollen im Spitzencluster bis 2023 Projekte im Umfang von 200 Millionen Euro inklusive Fördermittel von der EU und dem Bund umgesetzt werden.

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