Do., 06.12.2018

Weibliches Tier mehrfach am Truppenübungsplatz Senne nachgewiesen Erster Wolf siedelt sich offenbar in OWL an

Von Matthias Band

Schloß Holte-Stukenbrock/Augustdorf/Bad Lippspringe (WB). Die Wölfin, die sich in der Nähe des Truppenübungsplatzes Senne herumtreibt, scheint hier heimisch geworden zu sein. Damit wäre sie der ­erste sogenannte territoriale Wolf in Ostwestfalen-Lippe.

Wie das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) am Mittwoch mitteilte, ergaben Unter­suchungen der Speichelproben von zwei Schafen, die am 26. September in Schloß Holte-Stukenbrock verletzt wurden, und von einem am 27. September in Bad Lippspringe tot aufgefundenem Schaf, dass die Tiere eindeutig von der Wölfin mit der Kennung GW1044f (Abkürzung für Englisch »German Wolf female, »Deutscher Wolf weiblich«) attackiert wurden.

Das Tier war erstmals am 27. ­Juli im Bereich des Truppenübungsplatzes nachgewiesen worden. »Die jetzt vorliegenden Nachweise sind ein erster Hinweis darauf, dass sich dieses Individuum dauerhaft in dem Gebiet aufhält und hier künftig ein eigenes Territorium beansprucht«, schreibt das Lanuv. Bei einem am 24. September in Schloß Holte-Stukenbrock ebenfalls von einem Wolf ge­töteten Muffelschaf konnte hingegen nicht nachgewiesen werden, ob es von dieser Wölfin attackiert wurde. Ein Wolf gilt als territorial oder heimisch, wenn er sich über sechs Monate in einem Gebiet aufhält. In OWL wird also wohl schon Ende Januar nach einem Areal im Kreis Wesel das zweite Wolfsgebiet in NRW ausgewiesen werden. Dort ist ebenfalls eine Fähe heimisch geworden.

Aktuell 73 Rudel in Deutschland

Bei vier weiteren Verdachtsfällen haben laut Lanuv nicht Wölfe, sondern Hunde die Tiere gerissen: Und zwar am 3. Oktober ein Reh in Altenbeken (Kreis Paderborn), am 9. Oktober ein Rickenkitz in Steinheim (Kreis Höxter), am 24. Oktober eine Ziege in Oerlinghausen (Kreis Lippe) und ein am 29. Oktober tot aufgefundenes Damwildweibchen in Erndtebrück (Kreis Siegen-Wittgenstein).

Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz leben aktuell 73 Rudel (bis zu zwölf Tiere) und damit 13 mehr als im Vorjahr in Deutschland. Die Zahl der Wolfspaare ist auf 30 gestiegen. Zudem gibt es bislang drei sesshafte Einzeltiere. Die steigende Zahl der Wölfe beunruhigt die Weidetierhalter. Ortrun Humpert, Vorsitzende des Schafzuchtverbandes NRW aus Marienmünster, fordert mehr Engagement der Politik bei der Prävention gegen Wölfe. Ein Abschuss dürfe bei Problemwölfen kein Tabu sein. Auch Wölfe, die Herdenzäune überwinden und Nutztiere reißen, sollten als Problemwölfe eingestuft und geschossen werden dürfen. Der Deutsche Jagdverband fordert ebenfalls konkrete Lösungen im Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen.

Das Lanuv warnt derweil vor Panikmache und verweist auf Entschädigungszahlungen nach Rissen. Beim Wolf handele es sich um eine geschützte Art. Der NRW-Wolfsmanagementplan sehe das Entfernen von Problemwölfen vor – aber nur, wenn er sich mehrfach Menschen nähert oder Hunde tötet.

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