Fr., 07.12.2018

Kunden von BGW und Freier Scholle in Sennestadt können an zweijährigem Mobilitäts-Projekt teilnehmen Mieter fahren kostenlos mit dem Bus

Sie werben für das Sennestadtticket (von links): Dr. Godehard Franzen (Pro Nahverkehr), Projektleiter Thorsten Försterling, Bernhard Neugebauer (Sennestadt GmbH), Sabine Kubitza (BGW), Kai Schwartz (Freie Scholle) und Mobiel-Geschäftsführer Martin Uekmann.

Sie werben für das Sennestadtticket (von links): Dr. Godehard Franzen (Pro Nahverkehr), Projektleiter Thorsten Försterling, Bernhard Neugebauer (Sennestadt GmbH), Sabine Kubitza (BGW), Kai Schwartz (Freie Scholle) und Mobiel-Geschäftsführer Martin Uekmann. Foto: Bollig

Von Peter Bollig

Bielefeld (WB). Bis zu 1200 Sennestädter dürfen von Januar an zwei Jahre lang kostenlos mit dem Bus durch ihren Stadtbezirk und vergünstigt mit Bus und Bahn durch ganz Bielefeld fahren. Für die Beteiligten ist dieses Mobilitäts-Projekt ein Experiment – verknüpft mit der Frage, ob künftig Wohnungsmieter aus ganz Bielefeld profitieren sollen.

Das Angebot richtet sich ausschließlich an die Mieter der rund 720 Wohnungen der großen Wohnungsbaugesellschaften Freie Scholle und BGW in Sennestadt, die zudem mindestens 18 Jahre alt sein müssen. Denn Freie Scholle und BGW finanzieren in Kooperation mit dem Verkehrsunternehmen Mobiel die Tickets, die für die Busse innerhalb des Stadtbezirks gelten. Darüber hinaus haben die Inhaber dieses Sennestadttickets die Möglichkeit, zum halben Preis als Monatsticket das Bielefeld-Abo für 29,25 Euro oder das 9-Uhr-Ticket für 19,45 Euro von Mobiel zu bekommen und somit unbegrenzt in ganz Bielefeld Bus und Bahn zu fahren.

»Neue Strategien für Mobilität«

Das Projekt steht im Zusammenhang mit dem Ratsbeschluss, Sennestadt – vom Land NRW als Klimaquartier ausgezeichnet – zum Stadtlabor für innovative Technologien und Verfahren zum Klimaschutz auszubauen. »Es geht um neue Strategien für Mobilität«, erklärt Bernhard Neugebauer, Geschäftsführer der stadtischen Sennestadt GmbH, die das Projekt koordiniert. Die Idee ist angelehnt an das Semesterticket mit seiner solidarischen Finanzierung: Alle Studenten finanzieren durch ihren Semesterbeitrag die Möglichkeit, den ÖPNV vergünstigt und unbegrenzt zu nutzen. In diesem Fall zahlen Freie Scholle und BGW pro Monat und Wohnung fünf Euro an Mobiel – egal, wie viele Mieter am Ende das Angebot tatsächlich nutzen.

Für Mobiel-Geschäftsführer Martin Uekmann ist das ein wirtschaftlich tragfähiges Modell und eine Möglichkeit, zusätzliche Nutzer zu gewinnen. Uekmann: »Wir wollen zeigen, wie schnell und bequem Busse und Bahnen sind.« Für die Verkehrsbetriebe ist das Projekt denn auch eine Möglichkeit, mehr Menschen zum Umsteigen vom Individualverkehr in den ÖPNV zu bewegen – auch im Sinne der Zielsetzung, in Bielefeld bis 2030 den Anteil des motorisierten Individualverkehrs auf 25 Prozent zu senken.

Finanzierung ist deutschlandweit einzigartig

Dass die Finanzierung in diesem Fall von Wohnungsbaugesellschaften finanziert wird, ist den Akteuren zufolge deutschlandweit einzigartig, dementsprechend schaue die deutsche Wohnungswirtschaft gebannt auf die Ergebnisse dieses Experiments. Mobilität sei eine der wichtigsten Fragen der Wohnraumentwicklung, betont Kai Schwartz, Geschäftsführer der Freien Scholle.

»Wir möchten von der Planung wegkommen, dass zu jeder Wohnung ein Stellplatz, zu jedem Bewohner ein Auto kommt«, sagt Schwartz. Die Nähe zum Öffentlichen Personennahverkehr solle Attraktivitätsmerkmal einer Wohnung sein, Angebote wie das Sennestadtticket sollen Anreize bieten, den ÖPNV auch zu nutzen. Und das Ticket solle Bewohnern die Gelegenheit bieten, ihr Mobilitätsverhalten zu überdenken.

Bisher, so eine erste Umfrage, nutzen 80 Prozent aller erwachsenen Sennestädter das Auto, »allerdings stehen 90 Prozent der Autos nur rum«, sagt Projektleiter Thorsten Försterling. BGW-Geschäftsführerin Sabine Kubitza sieht in dem Ticket denn auch eine wichtige Alternative zur ständige Stellplatzdiskussion. Auch sie würde Fläche lieber anders bebauen als mit Parkplätzen.

Wissenschaftliche Begleitung

Den Umfang zeigt Dr. Godehard Franzen, Vorsitzender des Vereins Bielefeld Pro Nahverkehr, auf: Für die rund 170.000 privaten Pkw in Bielefeld gebe es drei bis vier Quadratkilometer private Stellfläche. Wissenschaftlich wird das Projekt von Dortmunder Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) und der FH Bielefeld begleitet, um das veränderte Mobilitätsverhalten aufzuzeigen. Das Vorhaben ist Teil des vom Bund geförderten Projektes Mobilista.

Die Mieter von Freier Scholle und BGW in Sennestadt werden in diesen Tagen Post von ihrem Vermieter erhalten, in dem das Ticket beworben wird. Vom 1. Januar gilt das Sennestadtticket jeweils für drei Monate und kann jeweils bis auf insgesamt zwei Jahre verlängert werden. Umsonst fahren können sie auf den Linien 30, 37, 39, 46, 47, 81, 132, 135, 237 und 238.

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