Di., 11.12.2018

Millionen Passagiere ausgebremst – neue Verhandlungsrunden – mit Video Warnstreiks legen die Bahn lahm

Schlange stehen am Informationsschalter der Bahn: Viele Reisende – hier am Bielefelder Hauptbahnhof – mussten lange Wartezeiten in Kauf nehmen, um Auskünfte zu erhalten, wie sie ans Ziel gelangen.

Schlange stehen am Informationsschalter der Bahn: Viele Reisende – hier am Bielefelder Hauptbahnhof – mussten lange Wartezeiten in Kauf nehmen, um Auskünfte zu erhalten, wie sie ans Ziel gelangen. Foto: Bernhard Pierel

Bielefeld/Paderborn (dpa/WB). Der Bielefelder CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok und die Paderborner Geschäftsfrau Briska Grothe sind nur zwei von Millionen Reisenden und Pendlern, die am Montag stundenlang auf einen Zug warteten. Betroffen waren auch Kunden der Eurobahn und Nordwestbahn.

Der vierstündige Ausstand war aus Sicht der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ein voller Erfolg. Weitere Warnstreiks sind vorerst nicht geplant. »Unser oberstes Ziel ist, am Verhandlungstisch ein Ergebnis zu erreichen«, sagte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba.

Tausende EVG-Mitglieder hatten am Morgen die Arbeit niedergelegt und den Zugverkehr vielerorts nahezu zum Erliegen gebracht. Mit dem Ausmaß der Aktion handelte sich die Gewerkschaft auch Kritik ein. Diese massive Form der Streiks halte er für überzogen, weil es keine rechtzeitige Ankündigung gegeben habe, sagte Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, der »Rheinischen Post«. FDP-Fraktionsvize Michael Theurer forderte im »Handelsblatt« für Warnstreiks eine Ankündigungspflicht von vier Tagen.

Der erste Bahnstreik seit dreieinhalb Jahren hatte um 5 Uhr begonnen. Die Bahn stellte den Fernverkehr bundesweit ein, weil zahlreiche Werkstätten und Stellwerke bestreikt wurden. Im Regionalverkehr kam es zu erheblichen Einschränkungen, besonders in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Auch nach Ende des Warnstreiks um 9 Uhr gab es noch über Stunden Zugausfälle und Verspätungen. Weil auch Informationssysteme auf der Bahn-Webseite und im DB-Navigator betroffen waren, konnten Kunden nicht ordentlich informiert werden. Auch die Reisezentren wurden bestreikt.

Mehr Urlaub oder kürzere Arbeitszeit

Ausfälle gab es auch bei Zügen der privaten Eurobahn und Nordwestbahn. In OWL standen die Linien RB 74 und RB 75 still. Die RB 84 verkehrte nicht zwischen Paderborn Hauptbahnhof und Ottbergen. Die RB 77 fuhr nur zwischen Löhne und Voldagsen.

Ausgebremst wurde durch den Streik auch der neue Rhein-Ruhr-Express (RRX). Erst um 9.36 setzte sich nach Angaben des privaten Bahnbetreibers Abellio der erste Zug im Düsseldorfer Hauptbahnhof in Bewegung. Die neuen Züge sind seit Sonntag im Einsatz.

Hintergrund des Warnstreiks sind Tarifverhandlungen für 160.000 Beschäftigte. Die EVG verlangt 7,5 Prozent mehr Geld. Außerdem will sie, dass Arbeitnehmer statt des Geldes mehr Urlaub oder eine kürzere Arbeitszeit wählen können.

Anspruch auf Entschädigung

Auch die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) verlangt 7,5 Prozent mehr Geld. Ihre Verhandlungen für 36.000 Beschäftigte des Zugpersonals mit der Bahn gehen heute in Eisenach weiter. Am Dienstagsnachmittag gehen auch die Gespräche mit der EVG in die nächste Runde. Die Bahn hatte ihr neben einer Einmalzahlung von 500 Euro eine Entgelt-Erhöhung in zwei Stufen von insgesamt 5,1 Prozent angeboten.

Für bestimmte Spartickets wurde die Zugbindung aufgehoben. Fernverkehrstickets können bis 16. Dezember genutzt werden. Bei Absagen wegen Warnstreiks werden Tickets und Reservierungen erstattet. Für die Entschädigung spielt der Grund der Verspätung keine Rolle. Auf höhere Gewalt kann sich die Bahn im Gegensatz zu Airlines nicht ­herausreden. Lokführerstreik, Sturmschäden, geflutete Strecken – kommt ein Zug deshalb zu spät oder fällt er aus, hat man trotzdem Anspruch auf Entschädigung oder Kostenerstattung.

Lesen sie auch unseren Kommentar: »Mitgliederwerbung«.

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