Pflegebeauftragter: bis zu 15.000 Euro – geringere Summen in OWL
Anwerbeprämien für Pflegekräfte in der Kritik

Bielefeld (epd/WB/mba). Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus aus Rheda-Wiedenbrück, kritisiert »teils aberwitzige« Anwerbeprämien für Pflegekräfte. In NRW würden an Abwerber und Abgeworbene Prämien von bis zu 15.000 Euro gezahlt.

Dienstag, 11.12.2018, 04:00 Uhr aktualisiert: 11.12.2018, 06:44 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Das sagte Westerfellhaus (62) – selbst ausgebildeter Krankenpfleger – auf dem Pflegeforum der Krankenhaus­gesellschaft NRW in Neuss.

Christoph Menz vom Caritasverband des Erzbistums Paderborn kennt solche Anwerbe­methoden. »Solche Summen sind mir aber in unserer Region nicht bekannt«, sagt der Leiter des Bereichs Altenhilfe, Hospiz und Sozialstationen. Die Caritas selbst werbe zwar nicht ab, zahle aber Prämien, wenn ein Mitarbeiter potenzielle Kollegen empfehle. Menz spricht von Summen bis zu 500 Euro. Der Caritasverband beschäftigt im Erzbistum etwa 12.000 Pflegekräfte und betreibt in der Region 120 stationäre und 120 ambulante sowie 60 Tagespflege-Einrichtungen.

Umzugskosten werden übernommen

Das Evangelische Klinikum Bethel, eines der größten Krankenhäuser in NRW, zahlt nach eigenen Angaben keine Prämien. »Wir haben mehr Ausbildungsplätze eingerichtet«, sagt Bethel-Sprecher Jens-Ulrich Garlichs. Und von den Absolventen des Betheljahres blieben einige als Pflegekräfte hängen. Ebenso verhält es sich eigenen Angaben zufolge in den Mühlenkreiskliniken im Kreis Minden-Lübbecke. Axel Dittmar, Sprecher des Klinikums Bielefeld, betont ebenfalls, dass keine Anwerbeprämien gezahlt würden. »Wir suchen zwar Personal, versuchen das aber durch gutes Marketing zu bekommen«, sagt Dittmar.

Dem Vernehmen nach werden vor allem in Metropol­regionen wie Hannover, Frankfurt, Stuttgart und München hohe Anwerbeprämien gezahlt. Am Städtischen Klinikum München wird nach eigenen Angaben eine Prämie von 8000 Euro gezahlt, die je zur Hälfte die werbenden und die angeworbenen Mitarbeiter erhalten. Zudem werden Umzugskosten übernommen oder Wohnungen zur Verfügung gestellt.

Tarifsteigerungen von den Kassen finanziert

35.000 Stellen für Fachkräfte und Helfer in der Alten- und Krankenpflege sind derzeit in Deutschland unbesetzt. Im Kampf gegen die Personalnot haben Bund und Länder bereits ein Gesetz für mehr Stellen, attraktivere Arbeitsbedingungen und Hilfen bei der Betreuung zu Hause auf den Weg gebracht. Es soll zum 1. Januar 2019 in Kraft treten. Ermöglicht werden damit 13.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege. In Krankenhäusern sollen die Krankenkassen jede aufgestockte Stelle künftig komplett bezahlen. Tarifsteigerungen für Pflegekräfte bekommen die Kliniken schon jetzt ebenfalls voll von den Kassen finanziert.

Westerfellhaus mahnte darüber hinaus eine Umsetzung der Reformen bei der Pflegeausbildung an. »Dann kommen auch wieder junge Leute in dieses Berufsfeld«, sagte er.

Lesen Sie auch unseren Kommentar: »Bessere Bedingungen«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6250177?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Klos schießt Schalke in die 2. Liga
Fabian Klos (links) zieht ab und trifft. Es ist das 1:0 für Arminia gegen den FC Schalke.
Nachrichten-Ticker