Do., 25.10.2018

Acht Beispiele für das Vergleichen – Forscher der Uni Bielefeld stellen an acht Orten Projekte vor Gleich? Anders? Oder gesitteter?

Michael Falkenhagen, Rebecca Moltmann und Dr. Jürgen Büschenfeld (von links) in der Videoinstallation. Dort erläutert just Lena Gumpert ihr Projekt.

Michael Falkenhagen, Rebecca Moltmann und Dr. Jürgen Büschenfeld (von links) in der Videoinstallation. Dort erläutert just Lena Gumpert ihr Projekt. Foto: Thomas F. Starke

Bielefeld (WB). Rankings informieren über Hochschulen. Politiker stellen ihre Vorzüge gegenüber Mitbewerbern heraus. Ein Mensch wird als bienenfleißig beschrieben oder als jemand, der spachtelt wie die Gallier, mit der Wildschweinkeule in beiden Händen: Der Mensch vergleicht. Mit »Praktiken des Vergleichens« befasst sich ein Sonderforschungsbereich (SFB) der Universität.

Was sich dahinter verbirgt, zeigen acht Nachwuchswissenschaftler an acht Orten in der Stadt. »Es gibt viele Beispiele für Vergleiche, immer und überall, und jeder von uns vergleicht, bewusst oder unbewusst. Deshalb fallen uns Vergleiche kaum noch auf. Aber sie sind wirkmächtig«, erklärt der Historiker Dr. Jürgen Büschenfeld. Der SFB, an dem Historiker, Literaturwissenschaftler, Philosophen und Juristen arbeiten, geht davon aus, dass der Vergleich den historischen Wandel anschiebt und möchte dazu beitragen, neu über Geschichte und Gesellschaft nachzudenken.

Mit ihrer Forschung bleiben die Wissenschaftler aber nicht in der Universität. »Schließlich lautet eine Forderung an die Wissenschaft, sich zu erklären. Und das wollen wir tun«, sagt Büschenfeld. Sieben Projekte von acht jungen Forschern ziehen ab morgen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen: im Tierpark Olderdissen, im Museum Huelsmann, in der Stadtbi­bliothek oder in der Stadtbahn. »Ziel ist, für Irritationen zu sorgen«, sagt Michael Falkenstein vom Historischen Museum, der die Ausstellung mit Büschenfeld und Rebecca Moltmann vom SFB kuratiert hat.

Diese Irritationen sollen dazu führen, dass die Museumsbesucher oder zufälligen Betrachter einen zweiten Blick riskieren und dann mehr erfahren (wollen). Im Tierpark am Biberteich etwa geht es um die Frage, ob es Staatsformen in der Natur gibt. Bienen oder Ameisen fallen jedem sofort ein, Julian Gärtner aber zitiert dort denn französischen Aristokraten Chateaubriand, der 1791 nach Nordamerika reiste und Jahrzehnte später in seinem Reisebericht den Siedlungsbau der Biber mit dem indigener Völker oder europäischen Palästen verglich. »Dahinter verbarg sich eine zur damaligen Zeit ungewöhnliche Kritik am Kolonialismus«, erklärt Rebecca Moltmann.

Im Museum Huelsmann geht es dagegen um vergleichendes Sehen: Zwei Bildpaare, die Landschaften zeigen, sollen den Blick schärfen, Makrokameras erlauben dabei genaueres (vergleichendes) Hinschauen, das Erkennen von Unterschieden und Entsprechungen. Und wer etwa die »WissensWerkStadt« an der Wilhelmstraße besucht, erfährt etwas über den kulturellen Vergleich des Essens. Der weit gereiste griechische Philosoph Poseidonius etwa befand, dass die Gallier – wie oben erwähnt – nach Löwenart essen, und ein Engländer beschreibt die für ihn ungewöhnlichen Frühstücksgewohnheiten einer deutschen Studenten-WG.

Was sich hinter den einzelnen Forschungsprojekten verbirgt, erfahren Neugierige im Historischen Museum: Dort werden auf Videowänden Interviews der acht mitwirkenden Nachwuchswissenschaftler gezeigt, die ihre Präsentationen erläutern und einordnen.

Für Michael Falkenhagen als externen Gestalter war die Arbeit als Kurator herausfordernd: »Ich hatte mit Menschen zu tun, die nur denken. Dieses Denken zu visualisieren war aber ein Gewinn. Ich denke, die Ausstellung zeigt, wie lebendig und überhaupt nicht trocken das ist.«

Die Ausstellung »Vergleiche« wird morgen um 19 Uhr im Historischen Museum feierlich eröffnet. Sie ist bis zum 20. Januar an allen Orten zu sehen.

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