Sa., 29.12.2018

Vorstand der Kaufmannschaft Altstadt mit neuen Zielen – »Wünschen uns mehr offene Sonntage« Bielefelder Kaufleute planen Umfrage zum Langen Donnerstag

Die Kaufmannschaft Altstadt hat 200 Mitglieder. Vorsitzender Henner Zimmat (rechts) und Schatzmeister Thomas Renken fordern von der Stadtverwaltung unter anderem mehr frühzeitige Informationen über Baustellen und Großprojekte.

Die Kaufmannschaft Altstadt hat 200 Mitglieder. Vorsitzender Henner Zimmat (rechts) und Schatzmeister Thomas Renken fordern von der Stadtverwaltung unter anderem mehr frühzeitige Informationen über Baustellen und Großprojekte. Foto: Mike-Dennis Müller

Bielefeld (WB). Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter der Kaufmannschaft Altstadt. Dazu gehörten die Diskussionen um Sonntagsöffnungen, Mitternachtsshopping und den Jahnplatzversuch. Und ein neuer Vorstand wurde gewählt. WESTFALEN-BLATT-Redakteur Stefan Biestmann sprach mit dem Vorsitzenden Henner Zimmat und Schatzmeister Thomas Renken über umstrittene Themen und neue Projekte.

Im Jahr 2019 gibt es nur noch zwei verkaufsoffene Sonntage in Bielefeld. Können Sie damit leben?

Thomas Renken: Die Gewerkschaft Verdi lässt uns ja keine andere Wahl. Aber für die Händler ist die Situation unbefriedigend. Natürlich wünschen wir uns drei bis vier verkaufsoffene Sonntage in der Innenstadt.

Henner Zimmat: Man muss auch bedenken, dass bei Amazon der Sonntag der umsatzstärkste Tag ist. Dass wir die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage reduzieren müssen, ist ein Tiefschlag für den Einzelhandel. Aber wir werden weiter für mehr verkaufsoffene Sonntage kämpfen – und wollen neue genehmigungsfähige Konzepte entwickeln.

»Aus der Not heraus geboren«

Nun soll ausgerechnet am Sonntag des Leinewebermarkts ein verkaufsoffener Sonntag stattfinden. Ist das eine Lösung im Sinne der Kaufmannschaft?

Renken: Diese Lösung ist eher aus der Not heraus geboren. Verdi hat uns klar gemacht, dass es gegen einen verkaufsoffenen Sonntag am Leinewebermarktsonntag keine Einwände gibt. Ob das Ganze ein Umsatzbringer wird, muss man abwarten. Aber es ist zumindest ein Versuch.

Zimmat: Und von diesem Versuch könnte dann auch der Leinewebermarkt profitieren. Wenn auch am fünften Tag der Veranstaltung noch etwas mehr Besucher nach Bielefeld kommen, ist das gut für die Stadt. Wir als Kaufleute profitieren jetzt zusätzlich auch von der Werbung für den Leinewebermarkt.

 

In den vergangenen Jahren gab es Kritik daran, dass sich die Kaufmannschaft Altstadt nicht mehr finanziell am Mitternachtsshopping beteiligt. . .

Zimmat: Das Thema ist auch bei uns in der Kaufmannschaft Altstadt kontrovers diskutiert worden. . .

Sie haben im Sommer als Alternative für ein Late-Night-Shopping geworben, bei dem die Läden nicht bis 24, sondern nur bis 22 Uhr geöffnet sind. 2019 ersetzt jetzt das Late-Night-Shopping das Mitternachtsshopping. Wie kam es zu der schnellen Einigung?

Zimmat: Die Interessen der Händler in der Stadt sind unterschiedlich. Wir haben viele gute Gespräche geführt und letztlich einen guten Kompromiss gefunden. Auch das Shoppingcenter Loom hat dabei gut mitgespielt.

 Renken: Man muss aber auch sagen, dass das kein Selbstläufer war. Wir haben viel und lange verhandelt. Die Zusammenarbeit mit der Werbegemeinschaft City funktioniert mittlerweile wieder gut. Wir ziehen alle an einem Strang.

Blick auf den Verkehrsversuch:

Ziehen Sie auch mit der Stadtverwaltung mit Blick auf den Verkehrsversuch an einem Strang?

Zimmat: Die Beeinträchtigungen des Verkehrsversuchs halten sich für die Händler in Grenzen. Ich hätte es mir schlimmer vorgestellt. Aber fest steht: Die Kaufleute sind im Vorfeld nicht ausreichend in die Planungen einbezogen worden. Und das darf sich bei so großen Projekten nicht wiederholen.

Renken: Die Stadtverwaltung hat es zum Beispiel versäumt, uns mitzuteilen, nach welchen Kriterien die Bewertung des Jahnplatzversuchs erfolgt. Der Informationsfluss von Seiten der Stadtverwaltung könnte insgesamt besser sein – auch bei allen Baustellen der Stadt. Denn Baustellen können immer zu Umsatzeinbrüchen bei Händlern führen.

Der Verkehrsversuch war auch eines der Themen bei der »Knackigen Stunde«. Das ist eine Informationsplattform, die Sie neu eingeführt haben. Wie war die Resonanz auf das neue Format?

Zimmat: Sehr gut. In der »Knackigen Stunde« geht es darum, die Sorgen, Nöte und Ideen der Kaufleute zu hören. Und wir erhalten von den Referenten und Experten Infos aus erster Hand – auch aus dem Rathaus. So waren zum Beispiel Oberbürgermeister Pit Clausen und SPD-Ratsfraktionschef Georg Fortmeier zu Gast. Die Politiker sind bei solchen Veranstaltungen greifbar. Die Teilnehmer können die Referenten direkt mit Fragen und Kritik konfrontieren.

Renken: Wir hatten den Eindruck, dass gerade das Thema Verkehrsentwicklung den Mitgliedern auf den Nägel brennt. Wir haben auch in der »Knackigen Stunde« den Wunsch geäußert, dass die Politiker und die Verwaltung uns besser informieren.

»Knackige Stunde« wird fortgesetzt

Welche Projekte stehen für das Jahr 2019 an?

Zimmat: Wir werden die »Knackige Stunde« fortsetzen. Nächster Gast ist die grüne Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann am 9. Januar (Beginn: 19.15 Uhr, Küchenstudio Pohl). Wir wollen auch stärker neue Berufsgruppen ansprechen. Eine Aktion soll sich um die Ärzte in der Altstadt drehen. Beim Late-Night-Shopping am 6. April organisieren wir zudem erneut die Aktion »Hut ab« – mit Straßenkünstlern in der City.

Herr Zimmat, Sie haben im Sommer vorgeschlagen, wieder einen Langen Donnerstag in Bielefeld einzuführen? Wie weit ist dieses Projekt?

Zimmat: Ich glaube, dass der Handel von einem Langen Donnerstag pro Monat mit verlängerten Öffnungszeiten profitieren kann. Das sieht man auch in anderen Städten. Das Thema will ich 2019 aufgreifen. Ich plane dazu im nächsten Jahr eine Umfrage unter den Kaufleuten in der Altstadt. Ich bin gespannt auf das Ergebnis.

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