Sa., 05.01.2019

Folgen des Verkehrsversuchs Jahnplatz und der Baustellen Anwohner beklagen »Umleitungseffekte«

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Die Anwohner des Dürkopp- und Ankerviertels sind wenig amüsiert: Sie stellen seit Beginn des Verkehrsversuches Jahnplatz eine massive Zunahme des Verkehrs in ihrem Viertel und den angrenzenden Nebenstraße fest. Deshalb fordert Dr. Heiko Nebelsieck eine Verkehrszählung.

In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Pit Clausen und Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz – unterschrieben von weiteren Anwohnern – legt er die Situation im Viertel zwischen August-Bebel-Straße und Niederwall dar und beklagt nicht nur den gestiegenen Verkehr rund um die Turnerstraße (Lkw- und Zulieferverkehr inklusive), sondern auch den damit verbundenen Lärm und die Emission von Abgasen: Folge eines »Umleitungseffektes ins Wohngebiet«.

»Unbegreiflich«

Verstärkt werde der Effekt durch die Gleisbauarbeiten in der August-Bebel-Straße zur Verlängerung der Stadtbahnlinie 4 zum Jugendgästehaus. Und ein Ende der zusätzlichen Belastungen sei nicht abzusehen: Schließlich sollen noch Hochbahnsteige an den Haltestellen Marktstraße und Klinikum angelegt werden. »Unbegreiflich« sei es, formuliert Nebelsieck in dem Brief, dass das Dürkopp-/Ankerviertel bei allen Planungen und Evaluationen anscheinend vergessen wurde. »Das wollen wir so keinesfalls mehr länger hinnehmen.« Daraus resultiert die Forderung nach Verkehrszählungen entlang der Turnerstraße – ausdrücklich per Display und nicht per Hand – sowie Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung.

Eine Verkehrszählung, sagt Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz, sei durchaus geplant. Aber er merkt auch an, dass die Umfahrung des Niederwalles wegen der Sperrung am Jahnplatz eben nur ein belastender Faktor für das Dürkopp- und Ankerviertel sei, die derzeitigen und künftigen Baustellen an August-Bebel- und Oelmühlenstraße eben auch eine Rolle spielten.

Ohne Frage, gesteht der Kommunalpolitiker zu, spiele der Umbau des Jahnplatz eine Rolle: »Dort ist der Verkehr um gut 30 Prozent reduziert worden. Das sind 6000 bis 7000 Fahrzeuge – und die suchen sich einen anderen Weg.« Ziel der Politik ist allerdings erklärtermaßen auch, die Menschen zum Umsteigen auf Bus, Bahn und Fahrrad zu bewegen.

Kritik eines Arztes

Unter den Folgen des Jahnplatz-Umbaus litten auch Arztpraxen und physiotherapeutische Praxen am Kesselbrink und in der Wilhelmstraße, kritisiert Dr. Christoph Ahlers, Internist und Sportmediziner im Haus Kesselbrink 3. Auch Ahlers hat dazu einen offenen Brief an Bezirksbürgermeister Franz verfasst, in dem er zudem beklagt, dass die Straße »Kesselbrink« vor der Volksbank für den Individualverkehr gesperrt bleibe; wer sie Richtung Friedrich-Ebert-Straße befährt, muss nach links in die Wilhelmstraße abbiegen.

Die umgeleiteten Verkehrsströme des Individualverkehrs, schreibt er, quälten sich seit dem Sommer zusätzlich und für jeden Anwohner spürbar durch die umliegenden kleineren Straßen wie Falk-, Körner- und Turnerstraße. Ortsunkundige und auswärtige Fahrer, so Ahlers, umrundeten den Kesselbrink oder die Wilhelmstraße mehrfach – »das widerspricht massiv dem Ziel einer ›Verkehrsberuhigung‹«.

Patienten wechseln Praxis

Viele seiner Patienten, fügt der Mediziner an, hätten bereits in andere Praxen gewechselt: der besseren Erreichbarkeit wegen. Ähnlich gehe es den Praxen im Hause und in der Wilhelmstraße. Die Baumaßnahmen rundum trügen zudem zu einer Verschärfung bei. »Für mich als Arzt mit vielen Hausbesuchen und Notfallbesuchen bedeutet es gegenüber früher eine deutlich längere Fahrzeit.« Ahlers’ Schlussfolgerung: »Alle würden von einer Wiederöffnung der Straße am Kesselbrink vor der Volksbank profitieren.«

Dazu sagt Franz, dass diese Freigabe mehrfach diskutiert worden sei. Allerdings habe die Verwaltung zum einen mitgeteilt, dass die Zahl der »Ziel- und Querverkehre« relativ gering sei. Zum anderen aber ist der Kesselbrink-Umbau auch mit Fördermitteln finanziert worden. »Davon müssten wir, wenn wir die Verkehrsführung wieder ändern, 250.000 Euro zurückzahlen.«

Sinnvoll findet Franz, dass neben den Bussen auch Taxifahrer die Straße Kesselbrink komplett befahren dürfen: »Sie sind Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs.« Wer dort zu einer Arztpraxis müsse, könne die große Tiefgarage nebenan nutzen. Und wer gebracht werden müsse, könne in der Wilhelmstraße abgesetzt werden, merkt Franz zudem an.

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