Do., 10.01.2019

Uni-Serie: Martina Meise ist als Aufsicht überall gefragt und im Einsatz Kilometer durch die Mensa

15 Uhr: Die Mensa ist geschlossen, die Essensausgabe für den nächsten Tag vorbereitet. Martina Meise kann entspannen.

15 Uhr: Die Mensa ist geschlossen, die Essensausgabe für den nächsten Tag vorbereitet. Martina Meise kann entspannen. Foto: Bernhard Pierel

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Wenn in der Uni-Mensa Tagliatelle mit Shrimps und Kirschtomaten auf der Speisekarte stehen, könnte Martina Meise kaum widerstehen. Könnte. Denn wenn sie um 14.30 Uhr mit ihrer Arbeit fast fertig ist, ist das begehrte Pasta-Gericht längst ausverkauft.

Martina Meise ist »Mensaaufsicht« – eine Bezeichnung, die ihre Tätigkeiten nur unzureichend beschreibt. Ihr Tag beginnt gegen neun Uhr; von 11.30 bis 14.30, während der Mensa-Öffnungszeiten, ist an ein Hochschauen kaum zu denken, und auch danach, wenn Gitter die Essensausgabe bereits vom Gastraum trennen, ist noch einiges zu tun.

50 Jahre, 50 Köpfe

50 Jahre Universität Bielefeld – das wird in diesem Jahr gefeiert. 80.000 Absolventen zählt die Hochschule, Tausende wissenschaftlicher und nichtwissenschaftlicher Mitarbeiter waren und sind an der Universität beschäftigt. Wir porträtieren in einer Serie 50 »Köpfe«.

Bisher: Prof. Dr. Gertrude Lübbe-Wolff, Martina Meise.

Damit Studenten und Mitarbeiter von Uni und benachbarter Fachhochschule mit Burrito, Fisch, Schnitzel-Pommes oder Pasta bei Kräften bleiben, müssen etwa die Tablettwagen aufgefüllt und parat gestellt oder die durchaus gewichtigen Besteckkästen an den zwölf Kassen bestückt werden. Sind besondere Gästegruppen angekündigt, weil eine Fakultät etwa eine Tagung veranstaltet und die Wissenschaftler geschlossen zum Essen gehen, muss auch das organisiert werden.

Tritt an einer Kasse ein Problem auf, wird Martina Meise gerufen, gibt es Fragen zu einem Gericht, können sich die Gäste an sie wenden, und benötigt jemand Hilfe, weil ein Arm in Gips ist, er auf den Rollstuhl angewiesen oder gehbehindert ist, ist Martina Meise ebenfalls zur Stelle, bestückt das Tablett, geleitet zur Kasse und schließlich an den Platz.

Acht bis zehn Kilometer legt die 54-Jährige so täglich zurück. Zum Sitzen kommt sie eigentlich nur, wenn sie kurzfristig für eine Kollegin an einer Kasse einspringt. »Das mache ich eigentlich gerne, ich mag den Kontakt mit den Gästen.« Jeder Einzelne wird mit einem freundlichen Hallo begrüßt und mit einem Dank verabschiedet. »Das ist hier ein schöner Arbeitsplatz«, sagt Martina Meise.

Nach ihrer Ausbildung zur Hauswirtschafterin und dem Besuch der Fachschule für Ernährung und Hauswirtschaft hatte sie ein Jahr in Berlin und anschließend drei Jahre in einer Bielefelder Großküche gearbeitet, bevor die staatlich geprüfte Ökotrophologin am 1. April 1990 beim Studentenwerk Bielefeld anfing. Nach der Geburt von Tochter (25) und Sohn (21) pausierte sie länger und stieg 2007 wieder ein.

Gefahrenanalyse und Kontrolle

In der neuen Mensa im X-Gebäude der Universität – wo in Spitzenzeiten 7000 Gerichte am Tag ausgegeben werden – obliegt ihr nicht nur die Aufsicht: Sie ist auch die HACCP-Beauftragte. Das Kürzel steht für »Hazard Analysis Critical Control Points«, für die Gefahrenanalyse und Kontrolle kritischer Punkte.

»Das bezieht sich auf alle Stufen der Zubereitung, Verarbeitung, Herstellung, Verpackung, Lagerung oder Ausgabe von Lebensmitteln«, erklärt Martina Meise. Das beginnt bei der Händedesinfektion, geht über Reinigungspläne, die Kontrolle des Mindesthaltbarkeitsdatums von Packungen, bis hin zur Sichtung von Gebäudeschäden und die Kontrolle von Kühlsystemen. Ziel ist die Qualitätssicherung.

Wenn Martina Meise nach acht Stunden nach Hause kommt, ruht sie sich von der Lauferei aus – und geht dann womöglich noch ins Fitnessstudio. Wenn sie Zeit und Muße hat, kocht sie auch gerne. Sicher, gesteht sie zu, gebe es auch eine schnelle Küche. Aber »richtig« kochen beginnt bei ihr, wenn die Zubereitung mindestens eine Stunde dauert.

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