Fr., 11.01.2019

Ausstellung »Wir sind viele« in Bethel mit 50 Fotos von Jim Rakete eröffnet Ungeschminkte Porträts voller Respekt

Fotograf Jim Rakete vor einem der 50 Schwarz-Weiß-Porträts, die er für die Ausstellung aufgenommen hat. Es zeigt August Sedler, geboren 1937 in Beckum.

Fotograf Jim Rakete vor einem der 50 Schwarz-Weiß-Porträts, die er für die Ausstellung aufgenommen hat. Es zeigt August Sedler, geboren 1937 in Beckum. Foto: Bernhard Pierel

Von Hendrik Uffmann

Bielefeld (WB). Offen, neugierig, ein wenig zerbrechlich und zugleich selbstbewusst, so schaut Chantal Schmidt-Lorenz in die Kamera. Hinter ihr zu sehen ist die Betheler Werkstatt, in der sie arbeitet. Das großformatige Schwarz-Weiß-Foto gehört zu der Ausstellung »Wir sind viele« mit Bildern des Fotografen Jim Rakete, die nun erstmals in Bielefeld zu sehen sind.

Am Donnerstag wurde die Ausstellung in den Räumen der Fachhochschule der Diakonie (FHdD) am Bethelweg eröffnet. Dort hängen die Porträts nicht einem gesonderten Raum, sondern dort, wo Studenten der Diakonie lernen und arbeiten – und die dabei nun in Form der Fotos einige der Menschen vor sich haben, für die sie ihren diakonischen Beruf ergreifen wollen, sagte Hilke Bertelsmann, Rektorin der Fachhochschule der Diakonie.

Entstanden ist die Ausstellung zum 150-jährigen Bestehen der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, die diese 2017 gefeiert haben. »50 Bilder von 50 Menschen an 50 Orten, das war die Idee zu dem Jubiläum«, erklärt Bethel-Sprecher Jens Garlichs. In den Mittelpunkt gestellt werden sollten dabei Menschen, die sonst um Aufmerksamkeit in der Gesellschaft kämpfen müssen.

Gewinnen konnten die Stiftungen für das Projekt den international bekannten Porträt-Fotografen Jim Rakete. 2016 hatte dieser sich über Monate hinweg immer wieder Zeit genommen, um nicht nur in der Ortschaft Bethel, sondern auch an vielen anderen Standorten der von Bodelschwingschen Stiftungen in Deutschland Menschen in ihrer Umgebung, an ihrer Arbeitsstätte oder in ihrer Freizeit zu fotografieren. »Die Bilder zeigen die Menschen in ihrem innersten Wesen. Respektvoll, aus ihrem Alltag heraus, ungeschminkt«, sagte Bethel-Vorstandsvorsitzender Pastor Ulrich Pohl.

Schon viele Prominente vor der Kamera

Schon viele Prominente, Musiker, Schauspieler und Politiker hat Jim Rakete (68) bislang vor der Kamera gehabt, darunter auch Nena, Nina Hagen und internationale Größen wie David Bowie und Mick Jagger, Natalie Portman und Sean Connery. Und bei den Aufnahmen für die Ausstellung »Wir sind viele« habe es dazu mehr Gemeinsamkeiten gegeben, als viele meinen. »Jeder hat seinen visuellen Schutzraum, wenn ein Bild von ihm entsteht«, erklärt Rakete. Für ihn sei es jedoch verblüffend und überwältigend gewesen, Bilder der Menschen in Bethel zu machen. »Sie machen kein Posing, das geht direkt von den Augen auf den Film«, beschreibt der Fotograf, was er bei den Aufnahmen empfunden hat.

Spaß gemacht haben diese jedoch auch den Porträtierten selbst. »Für mich war das ein tolles Ereignis, Jim Rakete persönlich zu treffen und ihm die Hand zu geben. Und er hat sich viel Zeit genommen«, erinnert sich Chantal Schmidt-Lorenz (34). Und auch dem Fotografen sind die Begegnungen im Gedächtnis geblieben. »Das war so intensiv, ich haben keinen von ihnen vergessen«, sagte Jim Rakete.

Großes Wiedersehen

So war die Ausstellungseröffnung, zu der auch ein Großteil der Porträtierten gekommen war, auch ein Wiedersehen. Ganz ohne Scheu sprachen die »Protagonisten für einen ganz besonderen Film«, wie Rakete sie nennt, den Fotografen an, erinnerten an die gemeinsamem Shootings. So spielte Barbara Schwenk (56) spontan mit Jim Rakete Luft-Schlagzeug, wie sie es während des Fotografierens getan hatte.

Erstmals gezeigt worden ist die Ausstellung »Wir sind viele« vor fast genau zwei Jahren als offizielle Ausstellung des Deutschen Bundestages im Paul-Löbe-Haus in Berlin. Seit dem hat sie auch Aufsehen erregt in Zeitungen und Zeitschriften. In Bielefeld sind die Bilder nun erstmals zu sehen – in einer der Keimzellen Bethels. Denn die Räume der FHdD sind im Haus Groß Bethel, dem ersten Neubau der damaligen Anstalten aus dem Jahr 1867, nach dem schließlich die gesamte Ortschaft benannt wurde.

Zu sehen sind die Bilder dauerhaft in den Fluren und Seminarräumen der FHdD werktags von 9 bis 17 Uhr. Gruppen können sich anmelden unter Telefon 0521/1 44 35 12. Erhältlich ist dort auch der Katalog zur Ausstellung, in dem die Porträtierten vorgestellt werden und der auch in leichter Sprache verfasst ist.

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