Fr., 11.01.2019

Umweltschützer ziehen durchwachsene Jahresbilanz So steht’s um die Natur in OWL

Oben links: Der Truppenübungsplatz in der Senne bleibt. Das Projekt Nationalpark ist vorerst auf Eis gelegt. Oben rechts: Der Dürre-Sommer und Sturmtief Friederike sorgte für drastische Veränderungen in den Wäldern der Region. Unten links: Die Feldlerchen-Bestände sind laut Karsten Otte dramatisch zurückgegangen, auch wegen intensiver Landwirtschaft. Unten rechts: Die Bezirkskonferenz Naturschutz OWL blickt zuversichtlich auf die Weser – hier am Kloster Corvey. Fotos: Jörn Hannemann, dpa, imago

Oben links: Der Truppenübungsplatz in der Senne bleibt. Das Projekt Nationalpark ist vorerst auf Eis gelegt. Oben rechts: Der Dürre-Sommer und Sturmtief Friederike sorgte für drastische Veränderungen in den Wäldern der Region. Unten links: Die Feldlerchen-Bestände sind laut Karsten Otte dramatisch zurückgegangen, auch wegen intensiver Landwirtschaft. Unten rechts: Die Bezirkskonferenz Naturschutz OWL blickt zuversichtlich auf die Weser – hier am Kloster Corvey. Fotos: Jörn Hannemann, dpa, imago

Von Jan Gruhn

Bielefeld/Hiddenhausen (WB). Licht und Schatten: Die Bezirkskonferenz Naturschutz OWL zieht eine durchwachsene Bilanz für 2018. Sprecher Karsten Otte fordert unter anderem schnelle Hilfe bei Schäden durch Wölfe .

Aus Ottes Sicht sei die rasche Ausweisung des Wolfsgebietes in der Senne durch das NRW-Umweltministerium erfreulich gewesen. Dies ermögliche es Weidetierhaltern, vorbeugende Maßnahmen gegen Wolfsangriffe zu treffen und Unterstützung vom Land zu erhalten. Sollte es doch zu Verlusten durch Risse kommen, erwartet Otte eine schnelle und unbürokratische Regulierung: »Da ist das Land gefragt.« Otte weiter: »Wenn plausibel ist, dass es ein Wolf war, muss das in vier bis sechs Wochen passieren.«

Nationalpark Senne

Die Bemühungen, einen Nationalpark Senne einzurichten, sind durch den Verbleib der britischen Armee vorerst auf Eis gelegt. »Wir sehen es als Übergangszeit an«, teilte Otte mit, bis sich die weltpolitische Lage wieder beruhigt habe. »Das Ziel Nationalpark bleibt bestehen.« Der Park sei ein Mittel, die dortigen Naturschätze zu bewahren. Gleichzeitig erklärte Otte, dass man von den Briten die Zusage bekommen hätte, die Bestandspflege in gewohnter Art und Weise aufrecht zu erhalten.

Gewässer

Was die ökologische Lage der Fließgewässer angeht, gibt sich die Bezirkskonferenz mehr als unzufrieden. Von der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sei OWL »meilenweit entfernt«. Bereits Ende 2015 hätten alle Gewässer in einen »guten ökologischen Zustand« gebracht werden sollen. Als Beispiel nannte er Herford, wo man sich nach langer Debatte im Stadtrat gegen eine von Naturschutzverbänden geforderte Absenkung der Werre ausgesprochen habe. Eine Entscheidung, die nicht auf Sachargumenten, sondern »auf Hysterie« gebaut sei.

Optimistisch schaut Otte dagegen auf die Weser, wo eine länderübergreifende Initiative Bundesmittel für Flussrenaturierung und Steigerung des Erholungswertes akquirieren wolle. Ein entsprechendes Projekt zur Regionale 2022 sei von den vier Anlieger-Kreisen auf NRW-Seite – Höxter, Lippe, Herford und Minden-Lübbecke – in Gang gesetzt worden.

Artenschwund

Große Sorgen bereite Naturschützern der bedrohliche Artenschwund in der Region. So seien beispielsweise die Bestände der Feldlerche ins Bodenlose gesunken. Die Grauammer gebe es bereits seit fünf Jahren nicht mehr in der Region. Auch die Zahl der Insektenarten ginge weiter zurück. Grund dafür sei einerseits der »fortgesetzte Flächenfraß in OWL« für beispielsweise die Straßenbauprojekte A30 oder A33 sowie »ausufernde Gewerbegebiete«. Andererseits sei auch die »zu äußerster Effizienz getriebene Landwirtschaft« Schuld. Doch die Landwirte selbst seien auch Opfer einer Marktsituation, in der sie kaum eine Chance hätten. »Im Augenblick verwirtschaften wir das ökologische Kapital von Jahrtausenden.« Ziel müsse eine Agrarwende hin zu mehr ökologisch orientiertem Landbau und auskömmlichen Agrarpreisen sein.

Wald

Durch das Sturmtief Friederike und den Dürre-Sommer habe sich auch die Situation in den Wäldern stark verändert. Vor allem flach wurzelnde Fichten seien geschwächt worden und hätten dann unter der wachsenden Borkenkäfer-Population gelitten. Das sei zwar eine forstwirtschaftliche Katastrophe, aber eben »keine Katastrophe des Waldes«. Dieser würde sich angepasst regenerieren – wenn man ihn denn lassen. »Wir sollten die Fehler nicht wiederholen«, erklärte Otte, und Monokulturen mit Exoten wie der Douglasie aufbauen. Es sei ungewiss, »ob wir in 20 bis 50 Jahren vor einem ähnlichen Scherbenhaufen stehen, den wir jetzt mit der Fichte haben.«

Die Bezirkskonferenz ist ein Zusammenschluss von Vertretern anerkannter Naturschutzverbände, biologischer Stationen, Naturpark-Zweckverbände und Stiftungen. Sie kann Beschlüsse und Resolutionen zu Naturthemen fassen, die für Behörden allerdings nicht bindend sind.

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