So., 13.01.2019

Bielefelds Oberbürgermeister Clausen: Für bezahlbaren Wohnraum in den Markt eingreifen Stadt will neues Bauland zunächst selbst erwerben

Die Stadt Bielefeld will in den Grundstücksmarkt eingreifen, künftiges Bauland zunächst kaufen und dann weitergeben.

Die Stadt Bielefeld will in den Grundstücksmarkt eingreifen, künftiges Bauland zunächst kaufen und dann weitergeben. Foto: dpa

Von Michael Schläger

Bielefeld (WB). Flächen, die zu Bauland entwickelt werden, will die Stadt Bielefeld künftig zunächst selbst erwerben.

»Wir sehen die Notwendigkeit, in den Markt einzugreifen, weil die Preise ein Niveau erreichen, das die Rentabilität von preiswerten Wohnangeboten ausschließt«, sagte Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) am Freitag beim Neujahrsempfang der Stadt im Alten Rathaus.

Das aktuell hohe Preisniveau für Grundstücke erschwere inzwischen auch die Ansiedlung von neuen Gewerbebetrieben.

Am Donnerstag habe die Verwaltung den Spitzen der Ratsfraktionen die neue Baulandstrategie in einer ersten Runde vorgestellt. Sie war von der Politik per Ratsbeschluss in Auftrag gegeben worden. »Das unmittelbare Ziel ist es, die Bezahlbarkeit von Grund und Boden zu sichern«, sagte Clausen.

Es fehlen mindestens 5000 (bezahlbare) Wohnungen

Der Erwerb der Flächen solle zu einem definierten Preis erfolgen, der es ermögliche, bei der Entwicklung und Vermarktung auch soziale, stadtentwicklungspolitische, ökonomische und ökologische Ziele zu verfolgen. Wenn in der Vergangenheit Bauland in der Regel zum höchsten Preis verkauft worden sei, solle in Zukunft ermöglicht werden, an denjenigen zu verkaufen, der den niedrigsten Mietpreis garantiere. Denn: In Bielefeld fehlen mindestens 5000 (bezahlbare) Wohnungen.

Mit der neuen Strategie könnten Quartiersentwicklungen gezielter gesteuert werden und könne eine »Ghettoisierung« vermieden werden.

»Das Beste an dieser neuen Baulandpolitik: Sie funktioniert«, sagte Clausen und verwies auf die Nachbarstadt Münster. Er habe mit seinem Münsteraner Amtskollegen Markus Lewe (CDU) über dessen Erfahrungen mit einer solchen Baulandstrategie gesprochen. »Er hat mich bestärkt, diesen Vorschlag in Bielefeld zu machen.« Dafür sei allerdings Geduld erforderlich, sie funktioniere nicht sofort.

Vor diesem Hintergrund warb der Oberbürgermeister auch um einen breiten politischen Konsens in der für die Stadtentwicklung notwendigen Frage. »Die Umsetzung wird nur in einem Miteinander gehen.«

Schon seit 2015 gilt in Bielefeld, dass bei allen Neubauprojekten ein Viertel der Wohneinheiten öffentlich gefördert seien sollten. Dies allein reiche aber nicht aus.

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