Sa., 12.01.2019

Schaden auf 16 Millionen Euro geschätzt – Staatsanwalt Bielefeld ermittelt Betrug bei Westfleisch?

Westfleisch-Betrieb in Lübbecke.

Westfleisch-Betrieb in Lübbecke. Foto: Kai Wessels

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld/Münster (WB). Die Bielefelder Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität ermittelt gegen einen ehemaligen Vorstand und früheren leitenden Angestellten des Münsteraner Westfleisch-Konzerns. Es besteht der Verdacht der Untreue. Den Anstoß gaben, wie Oberstaatsanwalt Gerald Rübsam auf Anfrage am Freitag bestätigte, anonyme Hinweise eines langjährigen Westfleisch-Beschäftigten.

Wenn sich die Vorwürfe erhärten, ist Westfleisch in den Jahren 2014 und 2015 ein Schaden von 16 Millionen Euro entstanden. Der Vorgang steht offenbar im Zusammenhang mit einem Versuch, das Russland-Embargo zu umgehen. Dafür kaufte der Konzern sowohl in Süd- als auch in Nordamerika Fleisch, um es von dort an bestehende Kunden in Russland auszuliefern.

Mit der Bezahlung klappte es dann offenbar nicht. Westfleisch besteht darauf, dass der Schaden in der Bilanz 2014 voll berücksichtigt worden sei. Die Mitglieder der Genossenschaft seien informiert worden. Der WDR, der zuerst über die Ermittlungen berichtete, sah das anders.

Drittgrößtes fleischverarbeitendes Unternehmen

Rübsam betont, dass es nicht um den Vorwurf gehe, dass jemand in die eigene Tasche gewirtschaftet habe. Westfleisch kooperiere mit den Ermittlern und habe die angeforderten Akten zur Verfügung gestellt.

Im September 2016 ist der damalige Vorstand Christian Leding nach nur neun Monaten aus der Unternehmensspitze Knall auf Fall ausgeschieden. Ob es einen Zusammenhang gibt und ob Leding möglicherweise dabei war, die Sache aufzudecken, kann allenfalls vermutet werden. Er ist heute Mitglied der Geschäftsführung der Firma Extrawust International in Schalksmühle.

Die genossenschaftlich organisierte Westfleisch SCE ist Deutschlands drittgrößtes fleischverarbeitendes Unternehmen. Firmensitz ist in Münster, große Schlachtbetriebe befinden sich unter anderem in Lübbecke. Das Werk in Paderborn ist im Jahr 2016 abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6313734?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F