Fr., 18.01.2019

Wie Politik und Gesellschaft wieder näher zueinander finden – 50.000 Euro für Projekte Ein Jahr im Zeichen der Demokratie

Kulturdezernent Dr. Udo Witthaus (links) ist im Rathaus zuständig für das Jahr der Demokratie, VHS-Fachbereichsleiter Gerd Kurbjuhn kümmert sich unter anderem um die Inspirationswerkstatt am 1. Februar in der Ravensberger Spinnerei.

Kulturdezernent Dr. Udo Witthaus (links) ist im Rathaus zuständig für das Jahr der Demokratie, VHS-Fachbereichsleiter Gerd Kurbjuhn kümmert sich unter anderem um die Inspirationswerkstatt am 1. Februar in der Ravensberger Spinnerei. Foto: Bernhard Pierel

Von Hans-Heinrich Sellmann

Bielefeld (WB). Frauenwahlrecht, Europarat, Berliner Mauer – die Zahl runder Gedenktage in den kommenden Monaten ist groß. Aber nicht allein die Jubiläen sind Grund genug, 2019 zum Jahr der Demokratie auch in Bielefeld auszurufen.

»Wir wollen Politik und Zivilgesellschaft wieder näher zusammenführen«, sagt Gerd Kurbjuhn, der in der Volkshochschule den Fachbereich Politik und Gesellschaft leitet. Die Politik habe Legitimationsprobleme, was zum einen an Wahlbeteiligungen aber zum anderen auch an Ergebnissen von Bürgerentscheiden liege. »Diese direkte Demokratie liefert nicht immer die Lösungen, birgt auch Gefahren in sich.«

Was also kann in so einem »Motto-Jahr« getan werden, um die von Stadt und Rat gesetzten Ziele zu erreichen? Es gehe darum, den Wert der Demokratie fürs Gemeinwesen zu verdeutlichen, Demokratie erlebbar zu machen und für demokratische Institutionen zu werben. Wichtig ist es, wie der im Rathaus zuständige Dezernent Dr. Udo Witthaus sagt, die Gesellschaft zu aktivieren und in den Mittelpunkt zu stellen.

Inspirationswerkstatt am 1. Februar

50.000 Euro stehen bereit, damit sich Vereine, Schulen, Kitas, Stadtteilinitiativen und viele andere Einrichtungen an einem nachhaltigen Demokratieprozess beteiligen. Sie können sich mit eigenen Projekten einbringen und dafür Fördermittel zwischen 500 und 3000 Euro erhalten.

Los geht es am Freitag, 1. Februar, mit einer Inspirationswerkstatt im großen Saal der Ravensberger Spinnerei. Wer noch keine Idee hat, wie er das Thema Demokratie umsetzen kann, hat hier Gelegenheit, sich Anregungen abzuholen. 27 Projekte, die bereits umgesetzt sind, werden vorgestellt, damit sich Interessenten inspirieren lassen können.

Gerd Kurbjuhn erzählt von einer Fotografengruppe, die trotz anfänglicher Bedenken angesichts des abstrakten Demokratie-Begriffs zu einer bemerkenswerten Umsetzung gekommen sei. »Auf den Fotos sind Menschen zu sehen, die sich auf einem Marktplatz über die aktuellen Nachrichten unterhalten, oder Kinder, die im Kita-Parlament über die Spiele der nächsten Woche abstimmen. All das ist Demokratie.«

Anträge bis zum 31. März

Es gehe darum, ohne Schranken nachzudenken. »Populismus und die Gefahr von Rechts kann und wird eine Rolle spielen. Das ist aber nicht alles«, sagt Kurbjuhn. So könne sich ein Sportverein mit mehr als 1000 Mitgliedern durchaus Gedanken darüber machen, warum der Vorstand nur mit Männern besetzt ist.

Die Projektanträge müssen bis zum 31. März eingereicht sein. Dann entscheidet eine sechsköpfige Jury aus Politik und Gesellschaft, wer zu welchen Konditionen den Zuschlag erhält. Anschließend folgt die Projektarbeit vor Ort und am Jahresende werden die Ergebnisse in einer gemeinsamen Veranstaltung präsentiert. Kurbjuhn: »Wir hoffen auf langfristige Projekte, nichts einmaliges. Die Demokratie soll befeuert werden.«

Das Jahr der Demokratie steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Hauptausschusses am 7. Februar. Die gilt aber als Formsache. Zumal sich auch politische Gremien der Stadt beteiligen sollen und wollen. Die Ratsfraktionen haben einhellig für einen Tag der Offenen Tür in und an den Rathäusern gestimmt. So soll unter anderem eine Open-Air-Sitzung im Gespräch sein. Auch in Ausschüssen ist das Thema bereits auf der Tagesordnung. »Die Mitglieder machen sich Gedanken, wie sie sich öffnen können«, sagt Dr. Witthaus.

Nähere Informationen und später auch die Antragsformulare gibt es hier .

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