Sa., 19.01.2019

Mitglieder des jüngsten Oetker-Zweigs reichen Klage ein Familienstreit bei Oetker spitzt sich zu

Der Streit der Oetker-Familie spitzt sich zu.

Der Streit der Oetker-Familie spitzt sich zu. Foto: WB

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). Nach außen hin schien der jahrelange Streit innerhalb der Bielefelder Unternehmerfamilie Oetker befriedet. Doch der Eindruck war offensichtlich trügerisch. Zwischen den acht Gesellschaftern des Milliardenkonzerns ist der Konflikt neu entbrannt – und das offenbar heftiger denn je. Jetzt droht der Streit der vierten Generation sogar erstmals vor einem ordentlichen Gericht ausgetragen zu werden.

Im konkreten Fall geht es um die Wahl einer externen Managerin in den Konzernbeirat. Doch die wahren Motive für den Konflikt zwischen den Kindern aus der dritten Ehe des 2007 verstorbenen Patriarchen Rudolf-August Oetker – Alfred, Carl Ferdinand und Julia – mit den Abkömmlingen aus den ersten zwei Ehen sind ganz andere. Sie liegen tiefer. Die Jüngsten sehen sich ganz offensichtlich von den Älteren kleingehalten.

Alfred Oetker (51) hat im Juli 2017 im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT öffentlich beklagt, dass kein Familienvertreter mehr an der Konzernspitze aktiv ist. Das sei gegen den Willen seines Vaters und auch weder mit dem Gesellschaftervertrag noch mit den Unternehmensstatuten vereinbar. Alfred Oetker selbst werden seit Jahren Ambitionen auf den Chefsessel des für seine Pizzen und Puddings bekannten Unternehmens nachgesagt. Das gilt auch für seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Carl Ferdinand Oetker.

Familienstreit ist 2014 öffentlich geworden

Doch die älteren Halbgeschwister sollen das verhindert haben. Allen voran August Oetker (74), der den Konzern von 1981 bis 2009 führte und dem Beirat vorsteht, der auch über die Besetzung der Chefetage entscheidet. »Niemand hat qua Familienzugehörigkeit Anspruch auf Führungspositionen im Unternehmen. Da braucht es mehr«, sagte er einst.

Seit Anfang 2017 leitet in Albert Christmann erstmals ein familienfremder Manager den Konzern. Er löste Richard Oetker (68) ab, der 2010 zur Überraschung vieler an die Spitze gerückt war.

Anfang 2014 war der Familienstreit öffentlich geworden. Da tobte er schon Jahre. Sogar die Aufspaltung des Konzerns galt als möglich. Unter Vermittlung eines Schiedsgerichts wurde Alfred Oetker 2015 zum Vize-Vorsitzenden des Beirats berufen. Dies sollte den Konflikt befrieden. Gegen den Willen von August Oetker setzten die Jüngeren dann 2016 den seit Jahren umstrittenen Verkauf der Reederei Hamburg Süd durch.

Konflikt bei Beiratswahl wieder ausgebrochen

Jetzt ist der schwelende Konflikt bei der Beiratswahl wieder offen ausgebrochen. Das mit Vetorechten ausgestattete Beratungs- und Kontrollgremium besteht aus sieben Mitgliedern: August und Alfred Oetker sowie Rudolf Louis Schweizer als Vertreter der drei Familienstämme – und vier externen Managern. Die drei jüngeren Oetkers stimmten im Dezember in der Gesellschafterversammlung geschlossen gegen Anna Maria Braun (39) als Nachfolgerin des aus dem Gremium ausgeschiedenen Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr.

Die designierte Chefin des Medizintechnikherstellers B. Braun Melsungen sei zu jung und unerfahren. Ihre Wahl entspreche nicht den strengen Richtlinien des Gesellschaftsvertrags, will der »Spiegel« als Begründung erfahren haben. Braun stehe zudem der älteren Oetker-Generation nahe und andere Kandidaten seien nicht zugelassen worden.

Dritte Zivilkammer nimmt sich der Sache an

In der Abstimmung setzten sich die Vertreter der zwei älteren Familienstämme mit 5:3 durch. Damit wurde die eigentlich erforderliche Dreiviertelmehrheit zwar verfehlt. August Oetker erklärte die Wahl aber dennoch für gültig. Das Stimmverhalten seiner jüngeren Halbgeschwister beruhe auf »treuwidrigen« Gründen, berichtet der »Spiegel«. Die Nein-Stimmen seien deshalb als Ja-Stimmen zu werten. Gegen die Entscheidung haben Alfred, Carl Ferdinand und Julia Oetker diese Woche Feststellungsklage beim Landgericht Bielefeld eingereicht. Gerichtssprecher Guiskard Eisenberg bestätigte den Eingang der Klage. Die dritte Zivilkammer soll sich der Sache nun annehmen.

Angesichts der jüngsten Entwicklung scheint fraglich, ob August Oetker – wie angekündigt – den Beirat zu seinem 75. Geburtstag im März verlässt, um Platz für seinen Sohn Philip zu machen.

Der Oetker-Streit erinnert an den Zwist beim Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzern Tönnies. Dort hatten sich die beiden Gesellschafter Clemens und Robert Tönnies mehr als fünf Jahre vor Gericht um die Macht gestritten, ehe sie sich im April 2017 einigten – außergerichtlich.

Kommentare

Dr. Oetker

So kriegt man jeden familienbetrieb kaputt. es geht diesen leuten nur ums geld. was seid ihr du..........!! so kann man ein guten namen in den ruin treiben. das sind keine Bielefelder schon gar nicht Oetkeraner! einfach widerliche menschen.

1 Kommentare

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