Mo., 21.01.2019

Großer Andrang bei der Eröffnung des Stenner-Kunstforums »Wunderbares Haus, einmalige Schätze«

Die Eröffnungsredner des Kunstforums: (von links) Prof. Dr. Hermann-Josef Bunte, Christiane Heuwinkel, Anna Maria Katz, Ortwin Goldbeck, Elmar Brok und (stehend) Dr. Werner Efing, der durch die Veranstaltung führte.

Die Eröffnungsredner des Kunstforums: (von links) Prof. Dr. Hermann-Josef Bunte, Christiane Heuwinkel, Anna Maria Katz, Ortwin Goldbeck, Elmar Brok und (stehend) Dr. Werner Efing, der durch die Veranstaltung führte. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Das Kunstforum Hermann Stenner öffnete am Sonntag bei freiem Eintritt. Mehrere hundert Menschen warteten vor dem früheren Sitz der Handwerkskammer an der Obernstraße auf Einlass. Zuvor hatte vor 150 geladenen Gästen die offizielle Einweihung stattgefunden.

Mäzen und Spiritus rector Ortwin Goldbeck, dessen Stiftung das Forum mit Museum und Erweiterungsbau erst möglich gemacht hat, sagte, eines seiner Anliegen sei es gewesen, die Villa Weber als Kleinod zu bewahren und den Menschen zugänglich zu machen. Er persönlich habe eine »Beziehung gefunden zum westfälischen Expressionismus«. Goldbeck: »Das Museum soll lebendiger Teil der Kulturlandschaft werden.«

Prof. Dr. Hermann-Josef Bunte, dessen Sammlung mit 1300 Werken Basis der Museumsarbeit ist, freute sich besonders darüber, dass seine Frau Renate bei der Eröffnung dabei sein konnte: Sie hatte in Zell am See einen schweren Sturz erlitten. Bunte sieht das Kunstforum Hermann Stenner als »Ergänzung zu den vorhandenen Museen«, wünscht sich ein »lebhaftes Haus« Er selbst sehe in vielen Stenner-Bildern neben dem genialen Ansatz deren Melancholie, »die Flüchtigkeit des Augenblicks«. Bunte: »Man kann sich in die Bilder versenken.«

»Große Begabung«

Festredner Prof. Dr. Uwe M. Schneede, ehemaliger Direktor der Kunsthalle Hamburg, sagte, Buntes »konsequentes Sammeln« sei bewundernswert. Stenner sei ein (bislang) wenig bekannter, aber bedeutender Künstler gewesen, eine »große Begabung«, dem nur fünf Schaffensjahre vergönnt gewesen seien. Die Zeiten der großen Blockbuster-Ausstellungen seien vorbei, inzwischen richte sich das Augenmerk auf Künstler, die bisher noch nicht so im Licht gestanden hätten. Schneede sprach von einer Revision der Moderne. Das Kunstforum biete eine Bereicherung des Bildes von der Klassischen Moderne, seine Eröffnung sei ein »kunstpolitisches Ereignis von hohem Rang« Schneede: »Ein wunderbares Haus, einmalige Schätze.«

Anna Maria Katz, Kuratorin der Eröffnungsausstellung »Hermann Stenner und seine Zeit«, lobte das »fulminante Gesamtwerk« des in Bielefeld geborenen Künstlers (1891-1914) mit rund 300 Gemälden und 1500 Arbeiten auf Papier. Stenner sei in den wenigen Jahren seines Schaffens stets auf der Suche gewesen nach einer Autonomen Bildsprache. 

Christiane Heuwinkel, die zum 1. April Geschäftsführerin des Kunstforums wird, gab einen Ausblick in die Zukunft des neuen Museums. Die zum Museum umgebaute Villa sei ein »Haus mit vielen Möglichkeiten«. Als zweite Ausstellung sei geplant, Skulpturen und Zeichnungen zu zeigen. Die Skulpturen könnten den »freien Raum« ausloten, die Zeichnungen in den Kabinetten genossen werden. Vorstellbar sei eine dokumentarisch angelegte Ausstellung mit Werken von Hermann Stenner, die seinen Werdegang erzählten. Stenners künstlerische Entwicklung, so Christiane Heuwinkel, ließe sich aber auch anhand seiner Selbstbildnisse erzählen – in Kombination mit der Selbstdarstellung von heute, dem Selfie.

Zweites wichtiges Standbein des Stenner-Kunstforums sei ein zielgruppenorientiertes Vermittlungsprogramm, so Christiane Heuwinkel, die viele Jahre in der Kunsthalle gearbeitet hat, zur Zeit noch für das Kunstmuseum Wolfsburg tätig ist. Sie betrachte, so Heuwinkel, das Kunstforum als einen Marktplatz der Ideen, als Forum in klassischem Sinne eben. Ihre Überzeugung: »Da geht was.«

Europa-Parlamentarier Elmar Brok forderte die Stadt auf, stolz zu sein auf die Mäzene des Hauses: »Menschen, die für ihre Stadt etwas tun und Bürgersinn beweisen.« Die Ortwin Goldbeck-Stiftung habe Handlungsfähigkeit bewiesen und schnell gehandelt, als das Gebäude, ehemaliger Sitz der Handwerkskammer, zum Verkauf gestanden habe. Brok: »Die öffentliche Hand hätte erst fünf Kommissionen eingesetzt und bis die zu einer Entscheidung gekommen wären, wäre die Chance zum Kauf vertan gewesen.« Mit Kunsthalle, Kunstverein und Kunstforum verfüge Bielefeld jetzt über eine »Kulturmeile mit nationalem Niveau«. Elmar Brok forderte die Politik dazu auf, »weniger zu nörgeln«: »Sie sollte häufiger Ermöglicher werden und nicht Verhinderer sein.«

Politik häufig Verhinderer

Ortwin Goldbeck habe unternehmerisch gehandelt, um die Folgekosten für das Museum in den Griff zu bekommen – die Miete aus dem Neubau, den die Founders Foundation bezogen hat, fließt in den Betrieb des Kunstforums. Brok: »Mäzenatentum zeigt der Politik, wie es geht.« Der Maler Hermann Stenner sei nicht so in seinem Bewusstsein gewesen, er sei aber überwältigt, was er geschaffen habe. Brok wies darauf hin, dass Hermann Stenner 1912 nach Paris gereist sei, begeistert gewesen sei von dem, was er dort erlebt habe: »Und nur zwei Jahre später hat er sich als Freiwilliger gemeldet, um gegen die Franzosen in den Krieg zu ziehen.« Der Politiker: »Das zeigt, wie verführerisch nationalistische Träume sein können.« Er forderte alle Zuhörer auf, am 26. Mai bei der Europa-Wahl ihre Stimme abzugeben, »um denen entgegen zu treten, die die Zeit zurück drehen wollen.«

Zu den Gästen gehörten fernen Intendant Michael Heicks, Kunsthallen-Direktor Dr. Friedrich Meschede, Götz Keitel, Großneffe Stenners, Christiane Pfitzner (Thekos) und Thomas Thiel (Kunstverein).

Kommentare

STENNER-Museum

Man kann es (ostwestfälisch) in 3 Worte fassen : "Wunderbar" und "herzlichen Dank"

1 Kommentare

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