Bielefelder Europapolitiker verzichtet auf Kampfkandidatur – mit Video
Brok tritt nicht an: »Ich freue mich auf das Wagnis eines Neuanfangs«

Bielefeld (WB/as). Der CDU-Europapolitiker Elmar Brok (72) wird nicht um sein Mandat im Europaparlament kämpfen. »Ich kandidiere nicht«, sagte Brok am Montagmorgen dem WESTFALEN-BLATT.

Montag, 21.01.2019, 15:03 Uhr aktualisiert: 21.01.2019, 15:06 Uhr
Elmar Brok verzichtet. Foto: dpa
Elmar Brok verzichtet. Foto: dpa

Der dienstälteste Europaabgeordnete wird also am kommenden Samstag bei der Landesvertreterversammlung der nordrhein-westfälischen CDU in Siegburg auf eine Kampfkandidatur um einen der ersten sechs Listenplätze für die Europawahl verzichten.

Der Landesvorstand der NRW-CDU hatte den Europapolitiker für die nächste Europawahl nicht wieder aufgestellt. Er war nicht mehr auf die Liste für die Europawahl gewählt worden.

Ich bleibe ja im politischen Geschäft.

Elmar Brok

Nach dem Verzicht Broks auf eine Kampfkandidatur für die Europawahl-Liste gibt sich die ostwestfälisch-lippische CDU noch nicht geschlagen. »Dass OWL in Europa nicht vertreten ist, ist für uns unvorstellbar«, sagte Christian Haase dem WESTFALEN-BLATT. Haase ist CDU-Bundestagsabgeordneter aus Beverungen (Kreis Höxter) und stellvertretender CDU-Bezirksvorsitzender.

»Wir werden am Samstag in Siegburg einen Kandidaten aus OWL für die vorderen Plätze aufstellen. Wir lassen uns da nicht unterbuttern«, erklärte Haase.

Beste Chancen hätte eine Frau

Auf der Europawahl-Liste der CDU befindet sich derzeit nur Bernd Schulze-Waltrup aus Paderborn. Sein Listenplatz elf reicht nicht für den Einzug ins Europaparlament, nur die Plätze eins bis sechs sind relativ sicher.

Dass die CDU Schulze-Waltrup von Platz elf vorzieht und mit ihm Platz sechs angreift, scheint nicht wahrscheinlich. Die besten Chancen, das wissen alle in der CDU, hätte eine Frau. Derzeit sprechen die CDU-Kreisvorsitzenden in OWL mit möglichen Kandidatinnen.

Brok sagte WESTFALEN-BLATT-Gespräch am Montag: »Ich bleibe ja im politischen Geschäft. Ich bin gerade erst in den CDU-Bundesvorstand und ebenso in den Vorstand der Europäischen Volkspartei gewählt worden.«

Danken möchte Brok den vielen Parteifreunden aus Deutschland und Europa, die ihn in den vergangenen Wochen »in einer für mich sehr bewegenden Art unterstützt und aufgefordert haben, erneut zu kandidieren«. Das habe ihm das Gefühl gegeben, die Kampfkandidatur gewinnen zu können. Am Wochenende war der Bielefelder noch in Halle zu Gast. Während des Neujahrsempfangs der Haller CDU hatte er einmal mehr ein Plädoyer für Europa gehalten.

Brok: »Danken möchte ich auch den Europafreunden aus anderen Parteien für deren Zuspruch und vor allem der CDU in Ostwestfalen-Lippe, die mich über Jahrzehnte getragen hat. Das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit.«

Diese Wochen haben mir Zeit zur Reflexion gegeben.

Elmar Brok

Nun wolle er mehr Zeit für Frau, Kinder und Enkelkinder haben. »Diese Wochen haben mir Zeit zur Reflexion gegeben. Meine Frau, mit der ich in diesem Jahr 48 Jahre verheiratet bin, und die Kinder haben das getragen und ertragen – sieben Tage in der Woche. Nun soll es gut sein«, so Brok.

Er werde einen neuen Arbeitsrhythmus finden und »weiter und fokussierter für Europa und die CDU kämpfen, auch in diesem Wahlkampf«.

Brok: »Ich freue mich auf das Wagnis eines Neuanfangs.«

Die Erklärung von Elmar Brok im Wortlaut:

»Ich werde am 26. Mai nicht erneut für das Europäische Parlament kandidieren.

Herzlich möchte ich den vielen Bürgern und Parteifreunden aus Deutschland und Europa danken, die mich in den letzten Wochen in einer mich bewegenden Art unterstützt und aufgefordert haben, erneut anzutreten. Das hat mir das Gefühl gegeben, gewinnen zu können. Danken möchte ich aber auch den Europafreunden aus anderen Parteien und aus ganz Europa für ihren Zuspruch.

Diese Wochen haben mir aber auch Zeit zur Reflektion gegeben. Seit dem Jahr 1973, in dem ich stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Union für Außenbeziehungen und Mitglied im CDU-Bundesfachausschuss Außen- und Europapolitik wurde, und insbesondere seit meinem Eintritt ins Europäische Parlament 1980, durfte ich für meinen Lebenstraum “Europa” im In- und Ausland arbeiten.

Meine Frau, mit der ich in diesem Jahr 48 Jahre verheiratet bin, und die Kinder haben das getragen und ertragen - 7 Tage in der Woche.

Nun soll es gut sein.

Ich werde einen neuen Arbeitsrhythmus finden und weiter fokussierter für Europa und die CDU kämpfen, auch in diesem Wahlkampf, so bin ich erst vor wenigen Wochen in den CDU Bundesvorstand und in den Vorstand der Europäischen Volkspartei gewählt worden und bin weiterhin stellvertretender Vorsitzender der Christlich Demokratischen Internationalen. Mein Einsatz wird sich aber nicht allein auf die CDU konzentrieren.

Herzlich danke ich insbesondere der CDU in OWL, die mich über Jahrzehnte getragen hat - wahrlich keine Selbstverständlichkeit - sowie dem Bezirksvorsitzenden Ralph Brinkhaus und Ministerpräsident Armin Laschet für Ihre Unterstützung bis heute.

Den Bürgern in OWL, bei denen ich mich so wohl fühle, verspreche ich, weiterhin zu helfen, wenn es gewünscht wird.

Ich freue mich auf das Wagnis eines Neuanfangs und meine neue Herrschaft über meinen Terminkalender.«

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