Di., 22.01.2019

SPD im Landtag fordert Zukunftskonzept für Kleingärten Mehr als Gartenzwerg-Idylle

Kleingärten könnten laut SPD auch künftig ein wichtiger Faktor im urbanen Leben sein.

Kleingärten könnten laut SPD auch künftig ein wichtiger Faktor im urbanen Leben sein. Foto: dpa

Von Jan Gruhn

Bielefeld/Düsseldorf (WB). Mehr Geld, neue Nutzungsformen: Die SPD-Opposition fordert von der nordrhein-westfälischen Landesregierung ein Konzept, um Kleingärten für Veränderungen in der Gesellschaft zu wappnen.

Vom Spießer-Image der Gartenzwerg-Kolonien hätten sich die Schrebergärtner längst entfernt, sagt Alfred Manke. Er ist Vorsitzender des Bezirksverbandes Bielefeld und Kreis Gütersloh der Kleingärtner. Die Parzellen-Pächter würden immer jünger, »wir fördern es auch, dass junge Familien einen Garten beziehen können«, sagt Manke. Für viele spiele besonders der Zugang zu ökologisch angebautem Obst und Gemüse eine große Rolle. »Hier können die Kinder lernen, dass nicht alles einfach aus der Dose kommen muss.«

Die SPD-Fraktion betont in ihrem Antrag, welche hohe Bedeutung Kleingärten für das Stadtklima, die Ökologie und das soziale Gefüge in den Kommunen hätten. Um auf Phänomene wie den Klimawandel, den Zuzug in große Städte, soziale Spaltung oder die alternde Gesellschaft reagieren zu können, bedürfe es aber neuer Antworten. Die Sozialdemokraten fordern unter anderem, Kleingärten bei der Planung neuer Wohngebiete als »unverzichtbaren Bestandteil« zu berücksichtigen. Zudem will die SPD mehr Geld in die Förderung stecken.

Nach Angaben des NRW-Umweltministeriums fließen derzeit jährlich etwa 550.000 Euro. Zusätzlich seien im vergangenen Jahr 50.000 Euro für Projekte in »insektenfreundlichen Kleingärten« zur Verfügung gestellt worden. Änderungen in der Finanzierung oder Ausrichtung der Förderung seien nicht geplant. Am Donnerstag beschäftigt sich der Landtag mit dem Thema.

Naherholungsgebiet Kleingartenanlage

Geht es nach Werner Heidemann, muss das Land dringend nachlegen. Der Geschäftsführer des Landesverbandes Westfalen und Lippe der Kleingärtner spricht gar vom Mittelbedarf in »Millionenhöhe«. Denn: Die meisten Anlagen seien in die Jahre gekommen. Doch bei der Förderung ginge es nicht nur um Wasserleitungen und Gebäude. Die Kleingartenanlagen müssten auch als Naherholungsgebiete ins Auge gefasst werden. »Das heißt, sie sollten nicht nur Pächtern zugänglich sein«, so Heidemann. Sondern allen, die sich aus finanziellen Gründen eben nicht regelmäßig ins »Auto setzen können, um raus ins Grüne zu fahren«.

Dementsprechend fordert Heidemann übereinstimmend mit dem SPD-Antrag, dass mehr Schrebergartenanlagen anlegt werden sollten. Für die gegenläufige Diskussion – nämlich Kleingartenanlagen zugunsten von Bauland aufzugeben – hat er kein Verständnis. Beispielsweise in Berlin hatten solche Pläne zu hitzigen Diskussionen geführt. Aber auch in Bielefeld standen die Kleingärten am Stauteich III zugunsten von Wohnbebauung vor dem Aus, letztendlich wurde dort aber ein Kompromiss gefunden.

Helfried Böke ist stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes Herford der Kleingärtner: »Wir hatten lange Schwierigkeiten, Parzellen an junge Leute zu vermitteln.« Das sei jetzt einfacher, »jeder will gesund leben«. Was liege da näher, als Gemüse auf dem eigenen Feld anzubauen? Ja, jeder müsse seinen Pflichten in der Gemeinschaft nachkommen. Aber spießig? »Nein, das ist vorbei.« Statt mit der Giftspritze an einem akkuraten Erscheinungsbild des Gartens zu arbeiten, sei Vielfalt willkommen. »Jeder ist bemüht, möglichst viele Vogel- und Insektenarten auf seinem Grundstück zu haben«, sagt der 79-Jährige. »Jeder Kleingärtner ist auch ein Stückweit Umweltschützer.«

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