Do., 24.01.2019

Max-Planck-Schüler aus Bielefeld schicken im Mint-Projekt einen Wetterballon in die Stratosphäre – mit Video Kurzer Besuch am Rande des Weltalls

Indem sie Helium hineinfüllen, machen (vorne von links) Marvin Rissiek und Marcel Dierig (Stratoflights) und Schüler Louis Priesmeier den Ballon auf dem Schulhof startklar.

Indem sie Helium hineinfüllen, machen (vorne von links) Marvin Rissiek und Marcel Dierig (Stratoflights) und Schüler Louis Priesmeier den Ballon auf dem Schulhof startklar. Foto: Bernhard Pierel

Von Peter Bollig

Bielefeld (WB). Sechs Kilometer Höhe hat der weiße Wetterballon nach rund 20 Minuten Flugzeit geschafft und von der Stapenhorststraße aus den Luftraum über Werther erreicht. Die Reise soll indes viel weiter gehen: bis in fast 40 Kilometer Höhe.

Denn die Stratosphäre ist am Mittwoch das Ziel des mit Helium gefüllten Ballons, den 18 Schüler des Max-Planck-Gymnasiums im Rahmen dieses naturwissenschaftlichen Experimentes um 9.30 Uhr auf die Reise schicken. Mit an Bord hat das Luftfahrzeug moderne Messtechnik: An einem Seil zieht der Ballon als Sonde eine Box mit Messvorrichtungen in die höheren Regionen der Erdatmosphäre.

Schüler verfolgen den Flug

Bevor sie das Startzeichen gibt, erklärt Charlotte Horstbrink von der Projektgruppe ihren Mitschülern, die den Ballonstart auf dem Schulhof verfolgen, Details des Experiments: Reagenzgläser mit einer Salzlösung, Wasser und Spiritus geben durch die Höhe, in der sie gefrieren, Aufschluss über Temperaturen. Der Luftdruck wird gemessen, Kameras dokumentieren den Flug und die Experimente. Außerdem ist ein Logo der Schule so an der Sonde angebracht, dass es am Rande des Weltalls über der Erdkugel fotografiert wird. Schulleiterin An­drea Kleist hofft auf spektakuläre Bilder.

Drei GPS-Geräte geben die Position durch und helfen, die Sonde am Ende wiederzufinden. Denn »nach dem Aufstieg platzt der Ballon«, wie Physiklehrer Thomas Sladek erläutert. Aus fast 40.000 Metern Höhe soll die Box mit den Messvorrichtungen zur Erde zurückschweben. Die Sonde soll dann geortet und geborgen werden, damit die Schüler die Daten am folgenden Tag auswerten können.

Kurz nach dem Start sind sie zumindest über die Position schon informiert: Per Computer können sie auf einer Karte die zurückgelegte Strecke und die jeweilige Flughöhe sehen. Marcel Dierig vom Unternehmen Stratoflights, das die Technik für dieses Experiment zur Verfügung stellt und der mit seinen Mitarbeitern Moritz Riegler und Nils Reiche die Schüler seit Montag auf den Flug vorbereitet hat, hat die Flugbahn berechnet: Bis in 37 Kilometer Höhe werde der Ballon wohl aufsteigen, bevor die Latex-Hülle platzt und die Sonde »wohl in Versmold« wieder landet. Um den Flugverkehr nicht zu gefährden, wurden »Luftfahrtbehörde und Flugsicherung informiert«, betont Dierig. Termin und Zeitfenster des Flugs waren somit festgelegt und genehmigt.

In 36 Kilometern Höhe geplatzt

Das Projekt soll die Schüler vor allem »neugierig machen« auf das Experimentieren im Rahmen des Fächerbereichs Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (Mint), sagt Thomas Sladek. Und in der Stratosphäre seien Messungen durchführbar, die auf der Erde so nicht möglich seien.

Am Ende sind es 36 Höhenkilometer, die der Wetterballon schafft. »Weil er schneller gestiegen ist als berechnet, ist er aber nicht so weit geflogen«, sagt Marcel Dierig. In Halle sammelt Dierig die gelandete Sonde gegen 13 Uhr wieder ein – »ohne Probleme auf einem Feld«. Die Box aus Styropor ist fast unbeschädigt, und ein erster Blick in die Aufnahmen der Kameras zeigt: »Es gibt tolle Bilder vom Teutoburger Wald.«

Die Fachschaft Physik des Max-Planck-Gymnasiums, die das Projekt mit Schülern des zehnten Jahrgangs durchführt, wird dabei von der Firma Stratoflights und dem Verein Experimint unterstützt. Experimint ist Träger der ZDI-Zentren Bielefeld und Herford. »Zukunft durch Innovation NRW«, kurz ZDI, ist eine Gemeinschaftsoffensive zur Förderung des naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchses in Nordrhein-Westfalen. In diesem Rahmen wird das Projekt am Max-Planck-Gymnasium finanziell durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit unterstützt. Das Projekt ist auch an anderen Schulen geplant, zudem wird es als Sommercamp für Schüler ab Klasse acht angeboten. Kontakt: anfrage@experimint.de .

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