So., 03.02.2019

Das russische Künstler-Kollektiv »Pussy Riot« lässt den Schrei nach Freiheit erklingen Stimmen der Revolution

Das Künstler-Kollektiv »Pussy Riot« rebelliert weiter gegen das russische System.

Das Künstler-Kollektiv »Pussy Riot« rebelliert weiter gegen das russische System. Foto: Kerstin Panhorst

Von Kerstin Panhorst

Bielefeld (WB). Die Rebellion ist in Russland noch lange nicht vorbei. Die Auflehnung gegen ein homophobes, frauenfeindliches Regime und die hinter ihm stehende russisch-orthodoxe Kirche geht weiter, daran lassen »Pussy Riot« keinen Zweifel.

Mitbegründerin Marija Wladimirowna Aljochina und drei männliche Mitglieder des oft fälschlich als rein weiblich wahrgenommenen russischen Künstler-Kollektivs gastierten nun mit ihrem Projekt »Riot Days« im Bielefelder Forum.

Anhand von Videoausschnitten und Texten aus Aljochinas Buch »Tage des Aufstands« brachten die vier in einer musikalischen Performance noch einmal die Geschichte um ihre wohl bekannteste Aktion auf die Bühne.

2012 inszenierten Mitglieder des Kollektivs in der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche ihr so genanntes »Punk-Gebet«, das bereits nach 41 Sekunden von kirchlichen Sicherheitsbeamten gestoppt wurde. Einzelne  Mitglieder wurden in Untersuchungshaft genommen und wegen »Rowdytums aus religiösem Hass« zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft verurteilt.

In der Performance erzählt Marija »Mascha« Aljochina von der Zeit in der Untersuchungshaft, dem Gerichtsprozess und ihrem ungebrochenen Widerstand im Lager, in dem sie in den Hungerstreik trat und so ihren Kampf auch hinter den Gefängnismauern weiterführte.

Und sie erzählt von ihrer Motivation, von Präsident Putin, der sich für sie immer mehr in einen Imperator verwandelt. »Uns standen die Lügen bis zum Hals, die immer gleiche Fernsehbilder eines endlosen Narrativs vom langen und glückliche Leben, hinter dem sich in Wirklichkeit gar nichts verbarg«, sagt Marija Aljochina.

Energiegeladen und elektrisierend

Die ungeweinten Tränen der politischen Gefangenen spritzen sie und ihre Begleiter in Wasserfontänen ins Publikum, tanzen ihre Frustration weg und schreien ihre Wut auf die Unterdrücker hinaus. Viel Wut, viel Hass auf das konservative System, das ihnen ein selbstbestimmmtes, freies Leben versagt, aber das zugleich das System ihrer Heimat ist, schwingt konstant mit. »Es ist unmöglich in Russland zu leben und unmöglich, es zu verlassen« heißt es im Text, der mal mantra-artig vorgebetet wird, mal in endlosen Wortkaskaden auf die Besucher niederfällt, mit Verzweiflung heraus geschrien oder im rhythmischen Sprechgesang skandiert wird.

Die Performance ist energiegeladen, elektrisierend, die Dringlichkeit der Aussagen spürbar, auch wenn man einmal nicht auf die im Hintergrund eingeblendeten deutschen Übersetzungen schaut. Die Mitglieder von »Pussy Riot« haben eine Botschaft, sie haben eine Mission, die noch lange nicht abgeschlossen ist: »Es kann nur Freiheit geben wenn man jeden Tag für sie kämpft.«

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