Di., 12.02.2019

Ruhestätten der Bielefelder Soldaten sind keine Kriegsgräber – aber besondere Zeremonien - mit Video In Afghanistan getötet

Das Grab des Bielefelder Soldaten Martin Augustyniak auf dem Queller Friedhof ist zwar kein Kriegsgrab, aber ein Ehrengrab der Bundeswehr. Augustyniaks Mutter Ursula Wolf hatte dies erfolgreich beantragt.

Das Grab des Bielefelder Soldaten Martin Augustyniak auf dem Queller Friedhof ist zwar kein Kriegsgrab, aber ein Ehrengrab der Bundeswehr. Augustyniaks Mutter Ursula Wolf hatte dies erfolgreich beantragt. Foto: Bernhard Pierel/Archiv

Von Stefan Biestmann

Bielefeld (WB). Das Grab Nummer 332 fällt auf dem Queller Friedhof besonders auf. Denn auf einem Stein ist ein Porträtfoto von Martin Augustyniak zu sehen. Der Bielefelder Soldat wurde am Karfreitag des Jahres 2010 in Afghanistan getötet. Zuvor hatte der 28-jährige Hauptgefreite einem Kameraden das Leben gerettet.

Beerdigt wurde Augustyniak auf dem Queller Friedhof. Im Juni 2011 verlor dann mit Alexej Kobelew (23) ein zweiter Bielefelder Soldat sein Leben in Afghanistan. Der Oberstabsgefreite fand auf dem Heeper Friedhof die letzte Ruhe.

»Doch offiziell sind das keine Kriegsgräber«, berichtet Stefan Schmidt, stellvertretender Landesgeschäftsführer des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Doch in welchen Fällen gibt es überhaupt einen Anspruch auf ein Kriegsgrab? Stefan Schmidt verweist auf das Gräbergesetz.

Demnach gilt der Anspruch für Soldaten, Bombenopfer, KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter, Euthanasie-Opfer, politisch Verfolgte sowie Opfer von Flucht und Vertreibung. Der erste Todeszeitraum umfasse die Jahre 1914 bis 1922. »Also auch die Opfer, die später an den Folgen des Ersten Weltkriegs gestorben sind.« Der zweite Zeitraum erstrecke sich von 1933 bis 1952. »Das umfasst dann auch die Opfer der NS-Gewaltherrschaft und die Opfer der Spätfolgen des Zweiten Weltkriegs.«

Der Volksbund habe sich aber immer für eine besondere Würdigung der im Ausland getöteten Bundeswehrsoldaten stark gemacht. »Manche Familien zerbrechen daran, wenn der einzige Sohn stirbt«, sagt Stefan Schmidt.

Mittlerweile übernimmt der Bund die Bestattungs- und Pflegekosten für die Soldatengräber. »Auf Wunsch der Familien veranstaltet der Volksbund zudem an den Todestagen der Soldaten stille Gedenk-Zeremonien im privaten Rahmen«, sagt Schmidt. Solche Zeremonien gebe es an den Gräbern der beiden Bielefelder Soldaten.

Angehörige können beantragen, dass die Ruhestätten Ehrengräber der Bundeswehr werden. Martin Augustyniaks Mutter Ursula Wolf stellte diesen Antrag. Und das Bundesverteidigungsministerium ernannte im Jahr 2017 die Ruhestätte Augustyniaks zum Ehrengrab. Seitdem finden Besucher bereits am Eingang des Freihofs einen Hinweis auf das Grab.

Kontoverse Debatte um Umbenennung von Plätzen oder Straßen

In den vergangenen Monaten war der Tod der Soldaten wieder besonders präsent. Denn der Gütersloher Volker Lehmann stellte gemeinsam mit Ursula Wolf einen Antrag, einen Platz oder eine Straße in Bielefeld nach den beiden Soldaten zu benennen.

Die Bezirksvertretung Heepen plant nach einer ersten Diskussion, Alexej Kobelew am Kriegerdenkmal gegenüber der Peter-und-Pauls-Kirche zu würdigen. In Quelle soll nach kontroverser Debatte eine dreieckige Grünfläche zwischen Waldbreede, Langer Breede und Niederbreede nach Martin Augustyniak benannt werden.

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