Mi., 13.02.2019

Folge 7 der Uni-Serie: Anna Grüner ist studentische Senatorin Keine Scheu vor klaren Worten

Anna Grüner (22) belässt es nicht beim Studium: Die angehende Soziologin ist auch im Senat und im Stupa aktiv.

Anna Grüner (22) belässt es nicht beim Studium: Die angehende Soziologin ist auch im Senat und im Stupa aktiv. Foto: Oliver Schwabe

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). »Wir sind als Studierende mit 25.000 Menschen die größte Statusgruppe in der Universität . Und wir sollten sagen, was wir wollen«, findet Anna Grüner. Die 22-Jährige ist Stimme der Studenten: Sie ist eine von drei Vorsitzenden des Stupa, des Studierendenparlamentes, und sie ist Senatsmitglied.

Anna Grüner stammt aus Minden und kam zum Studium an die Universität Bielefeld. Im Bachelorstudium hat sie Politik und Literaturwissenschaften studiert, nun ist sie im Fach Soziologie im dritten Mastersemester. »Die Politikwissenschaft ist in Bielefeld stark soziologisch geprägt und ich hatte auch entsprechende Module gewählt, insofern passte das«, erklärt sie.

Seit Oktober 2015 ist Grüner zudem im Senat der Universität. »Ich wollte einfach etwas Neues machen.« Der Senat ist ein wichtiges Organ der universitären Selbstverwaltung, in dem Hochschullehrer, akademische Mitarbeiter, Mitarbeiter aus Technik und Verwaltung sowie Studierende vertreten sind. Qua Amt, aber ohne Stimme gehören ihm zudem Rektorat, Dekane, Asta und Vertrauensleute an. Das Gremium berät in Angelegenheiten von Forschung, Lehre und Studium, die die gesamte Hochschule betreffen und von grundsätzlicher Bedeutung sind, kann Stellungnahmen geben zum Entwurf des Hochschulentwicklungsplans, zum Wirtschaftsplan oder zu den Grundsätzen der Verteilung der Stellen und Mittel.

»Es ist doch eine Masse an Entscheidungen, die getroffen werden müssen.«

Gefragt, wen – gemeint welche politische Gruppierung – sie im Senat vertritt, antwortet Anna Grüner prompt: »Die Studierenden.« Tatsächlich ist das ehemalige SPD-Mitglied auf der gemeinsamen Liste von Juso-Hochschulgruppe und Alternativlos in das Gremium eingezogen.

»Aber anders als im Stupa spielen im Senat die politischen Unterschiede zwischen den studentischen Senatoren keine große Rolle. Wir ziehen an einem Strang und treten auf als geschlossene Statusgruppe.« Und die dürfe, betont sie, auch einmal unbequem und widerständig sein. »Studenten dürfen sich anders verhalten, und müssen nicht komplett konform sein – natürlich innerhalb bestimmter Spielregeln.«

Hautnah erlebt sie im Senat, wie Hochschulpolitik gemacht und eine Hochschule geleitet wird. »Es ist doch eine Masse an Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Das war zu Anfang überfordernd: Man hat keine Ahnung von einem Wirtschaftsplan, soll aber eine Stellungnahme abgeben oder dem Vorschlag einer Kommission folgen.« Immerhin, sagt die 22-Jährige, könne man stets nachfragen und erhalte auch freundliche Antworten. »Das Rektorat gibt viele Informationen heraus. Es gab jüngst zwar einmal Kritik, dass zu wenig zu erfahren war zur Medizinischen Fakultät. Aber manchmal ist Zurückhaltung nachvollziehbar, vor allem, wenn es um stark politisch geprägte Entscheidungen geht.«

»Ich lasse mich nicht einschüchtern.«

Bei aller Bereitschaft, im Senat konstruktiv mitzuarbeiten, stellt Anna Grüner klar, dass die studentischen Senatoren selbstverständlich auch studentische Positionen im Blick haben: ob es etwa um die Anwesenheitspflicht in Vorlesungen und Seminaren geht, um Studiengebühren für internationale Studierende oder die Einführung von Orientierungs- und Einstufungstests.

Und wenn es denn kontrovers zugeht, scheut Anna Grüner nicht das klare Wort. »Ich lasse mich nicht einschüchtern oder in die Rolle der ›kleinen Studentin‹ drängen, ich habe genauso viel zu sagen wie ein habilitierter Professor.« Ohnehin, sagt die 22-Jährige, mache es ihr Spaß, ihren Standpunkt zu verteidigen, sich vorher Argumente und etwaige Gegenargumente zu überlegen. Auch die Statusgruppe der Studierenden, hat sie erfahren, hat durchaus Chancen, eigene Anträge durchzubringen: »Nicht alles stößt auf Kritik, das Rektorat nimmt Anregungen ernst.«

Politik als Beruf auszuüben, kann sich Anna Grüner allerdings nicht vorstellen: »Da gibt es zu viele Sachzwänge...«, winkt sie ab. Eine Option erscheint ihr viel eher, in der Wissenschaft zu bleiben. Natürlich, gesteht sie zu, sei man von politischen Einstellungen geprägt. »Aber man ist wenig anschlussfähig, wenn die eigene Meinung in Forschungsergebnisse einfließt.« Und nicht jedes Thema sei hochpolitisch: »Derzeit befasse ich mich zum Beispiel mit Leistungsvergleichen in kommunalen Krankenhäusern.« Obgleich: Da könnte man anschließend auch die Frage nach dem Gesundheitssystem und der Krankenhaus-Finanzierung stellen...

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