Mi., 13.02.2019

Wie Tischler Jannis Stadtmann (27) für eine bessere Welt kämpft – mit Video Hölzerne Glücksschweinchen

Von Jan Gruhn

Bielefeld (WB). Jannis Stadtmann ist gelernter Tischler. Doch seit zwei Jahren betätigt er sich auch als Weltverbesserer – mit Frühstücksbrettchen in Schweineform.

Jannis Stadtmann und sein Spendenschwein.

Die Idee sei ihm eines morgens bei seinem eigenen Frühstück gekommen. Freunde hatten ihn gefragt, ob er sie bei einem Hilfsprojekt in Asien unterstützen könne. »Doch mir fehlten Zeit und Geld«, erklärt der 27-Jährige. Da erinnerte er sich an seinen Großvater: Der habe als Tischlermeister bei einem Gütersloher Unternehmen als Übungsarbeit für die Auszubildenden eben jene Brettchen anfertigen lassen.

Stadtmann nahm sie sich als Vorbild, produziert und vertreibt sie heute unter dem Namen »Spendenschwein«. »Damals habe ich im Kleinen angefangen«, erinnert sich der Tischler, der zwar in Halle an der Saale aufgewachsen ist, dessen familiäre Wurzeln aber in Ostwestfalen liegen. »Ich hatte schon immer das Bedürfnis, etwas zurück geben zu wollen.«

Sieben Euro werden gespendet

Mittlerweile studiert Stadtmann Holztechnik an der Hochschule OWL in Lemgo. Eigenen Angaben zufolge hat er zusammen mit seinem Team bislang 200 Schweine verkauft – und so knapp 1000 Euro für vier wohltätige Projekte zusammengetragen. Damit wurden eine Schule in Thailand, ein Verein zur Förderung krebskranker Kinder in Halle an der Saale, die Nachsorge Klinik Tannheim und Projekte in Ghana unterstützt.

Für aktuell 25 Euro können Interessierte ihr Spendenschwein auf einer Crowdfunding-Plattform vorbestellen. Anfangs seien die Brettchen günstiger gewesen. Doch da habe die Kalkulation noch nicht gepasst, sagt Stadtmann. Das 20 mal 30 Zentimeter große Brettchen besteht aus robustem Buchenholz. , der Rest geht für die Herstellung und den Versand drauf. Mit einem kleinen Anteil werde die Herstellung weiterer Brettchen finanziert.

Der Vertrieb lief bislang über den Bekanntenkreis. »Ich musste eigentlich gar keine Werbung machen«, sagt Stadtmann. Die letzte Fuhre Brettchen hat er bei einer befreundeten Tischlerei im Kreis Gütersloh anfertigen lassen. Doch jetzt wolle er den nächsten Schritt gehen und das Projekt in eine feste Struktur gießen. Per Crowdfunding soll die Gründung einer Non-Profit-Organisation finanziert werden. Damit sollen die rechtlichen Grundlagen geschaffen werden, die Spendenschweine effektiver vertreiben zu können – und somit mehr Spendengelder zu generieren.

Leute sollen Vorschläge für Projekte machen

Auch die Herstellungskosten sollen durch die Produktion größerer Stückzahlen gesenkt werden. Langfristig würde Stadtmann gerne in integrativen Werkstätten produzieren lassen. Doch nach ersten Gesprächen hätte sich gezeigt, dass die Produktionsumfänge dafür noch zu klein seien.

Die Herstellung der Brettchen soll aber nicht nur aus sozialer, sondern auch aus ökologischer Sicht nachhaltig gestaltet werden, sagt Stadtmann. Bei der Verpackung habe man sich für Materialien mit guter CO 2 -Bilanz entschieden. Das innere des Versandkartons sei zum Beispiel mit Holzwolle ausgelegt. Jannis Stadtmann: »Die lässt sich wunderbar weiterverwenden – zum Beispiel im Garten auf dem Kompost oder als Kaminanzünder.«

Welche Projekte mit den Spendenschweinen als nächstes unterstützt werden sollen, ist laut Stadtmann noch nicht klar. »Ich würde mich freuen, wenn die Leute Vorschläge machen«, betont der Tischler.

Weitere Infos zum Projekt gibt es online.

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