Fr., 15.02.2019

Bielefelder Polizei legt Kriminalitätsbilanz vor – höchste Aufklärungsquote Deutlich weniger Straftaten

Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere (Mitte) stellt gemeinsam mit Bielefelds Kripochef Wolfgang Niewald (links) und Polizeisprecherin Sonja Rehmert die Bielefelder Kriminalitätsstatistik für das vergangene Jahr vor.

Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere (Mitte) stellt gemeinsam mit Bielefelds Kripochef Wolfgang Niewald (links) und Polizeisprecherin Sonja Rehmert die Bielefelder Kriminalitätsstatistik für das vergangene Jahr vor. Foto: Bernhard Pierel

Von Peter Bollig

Bielefeld (WB). Bürger und Besucher leben in Bielefeld immer sicherer: Die Zahl der Straftaten ist vergangenes Jahr weiter gesunken. Zudem war die Aufklärungsquote der Polizei so hoch wie noch nie.

Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere sprach von einer »außerordentlich guten Statistik«, als sie mit Kripochef Wolfgang Niewald die Bielefelder Kriminalitätsbilanz für 2018 vorlegte. Giere: »Die positive Entwicklung des Jahres 2017 hat sich fortgesetzt.«

Insgesamt zählten die Kripoermittler im vergangenen Jahr 23.242 Straftaten, 11,9 Prozent weniger als im Jahr zuvor. 14.114 Fälle konnten die Polizisten aufklären, damit steigt die Aufklärungsquote von 58,5 auf 60,7 Prozent. 10.240 Tatverdächtige wurden ermittelt, davon 7843 Männer und 2397 Frauen. 4194 Tatverdächtige waren Ausländer.

Den Rückgang der Straftaten erklärt die Polizei unter anderem mit sinkenden Fallzahlen bei den Diebstählen (8572 Fälle, 19,4 Prozent weniger als 2017). Dort mache sich der Repressionsdruck, die schnelle Verurteilung durch die Gerichte, bemerkbar. Aber auch in den meisten anderen Bereichen gingen die Zahlen zurück.

Mord und Totschlag

Sechs Kapitalverbrechen wurden im vergangenen Jahr in Bielefeld begangen, halb so viele wie im Jahr zuvor. In fünf Fällen blieb es beim versuchten Totschlag, eine fahrlässige Tötung fällt in die Statistik. Giere: »Alle Taten wurden aufgeklärt.« Im Landesvergleich liege man damit relativ weit vorne. 42 Mal bildeten Beamte der Kripo eine Mordkommission für Taten in Ostwestfalen-Lippe, neun weniger als im Jahr 2017.

Einbrüche

Seit Jahren im Fokus liegen die Wohnungseinbrüche, nachdem diese Zahlen dramatisch angestiegen waren. Die Polizei hat in dieser Sparte viel Präventionsarbeit geleistet, die zu fruchten scheint. »Viele Bürger haben Wohnungen und Häuser sichern lassen, und sie sind sensibler geworden«, sagt die Polizeipräsidentin. Dass die Zahlen um 20 Prozent auf 495 Einbrüche gesunken sind, liegt nach Einschätzung der Kriminalpolizei wohl auch an der veränderten Belegung einer Flüchtlingsunterkunft in Oerlinghausen. Wie berichtet, waren dort viele Georgier untergebracht, die, so Katharina Giere, mit dem Ziel nach Deutschland gekommen seien, hier auf Diebestour zu gehen. Die Georgier sind verlegt worden. Eine Rolle spiele auch die inzwischen eingeschränkte Möglichkeit für südeuropäische Tätergruppen, sich über die Grenzen zu bewegen.

Im Vergleich zum Höchststand der Einbrüche 2014 hat sich deren Zahl halbiert. Der Rückgang wirkt sich besonders positiv auf die Aufklärungsquote aus, weil, so Kripochef Niewald, die Aufklärungsquote bei diesen Taten geringer sei als bei vielen anderen.

Gewaltkriminalität

Die Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung sind laut Statistik von 53 auf 44 gesunken, die von gefährlicher und schwerer Körperverletzung von 622 auf 558. Gestiegen sind indes die Raubdelikte und Fälle räuberischer Erpressung von 199 auf 227. Insgesamt ist die Gewaltkriminalität um 6,4 Prozent zurückgegangen.

Straßenkriminalität

Sogar um 18,3 Prozent sanken die Fälle von Straßenkriminalität wie Körperverletzung auf Straßen (minus 24,6 Prozent), Fahrraddiebstahl (minus 37,8 Prozent) und Taschendiebstahl (minus 29,5 Prozent). Beim Straßenraub stieg die Zahl allerdings um 1,7 Prozent, die Fälle von sexueller Belästigung und Straftaten aus Gruppen um 20,4 Prozent.

Rauschgiftkriminalität

Kripochef Wolfgang Niewald sieht diesen Bereich mit Sorge, weil die Zahl der Drogentoten von fünf auf neun gestiegen ist. Bei den Delikten gingen die erfassten Fälle von Handel und Konsum allerdings zurück. Die Polizei registrierte zugleich eine Verlagerung des Drogenhandels von der so genannten »Tüte« am Hauptbahnhof zum Kesselbrink. Niewald: »Darauf reagieren wir – sichtbar und verdeckt.«

Kfz-Kriminalität

Der Diebstahl aus Autos ist um 301 auf 931 Fälle zurückgegangen, der Diebstahl von Motorrädern um 50 auf 142 Fälle. Die Polizei registrierte aber eine Zunahme beim Diebstahl kompletter Autos – und vermutet eine organisierte Vorgehensweise und den »Klau auf Bestellung«. Elektronische Defizite wie die schlüssellosen Systeme (Keyless-Go) machen es den Tätern Katharina Giere zufolge dabei leichter. 129 Autos wurden 2018 gestohlen, 30 mehr als 2017.

Hot Spots

Kriminalitätsbrennpunkte, sagt die Polizeichefin, habe man in Bielefeld nicht ausgemacht, sie spricht aber von »Hot Spots«, die man im Blick behalten wolle: die »Tüte« ebenso wie den Kesselbrink und den Jahnplatz. Den viel diskutierten Treppenplatz in Brackwede zähle man nicht dazu, schon aufgrund des geringeren Publikumsverkehrs. Man sei dort aber präsent und behalte die Situation im Auge. Man habe auch registriert, dass neben der Trinkerszene dort inzwischen auch Jugendliche eine Rolle spielten.

Jugendkriminalität

Mit Sorge sieht Kripochef Wolfgang Niewald den Bereich der Jugendkriminalität und darin eine Herausforderung für die nächsten Jahre. 2189 Tatverdächtige unter 21 Jahren zählten die Beamten 2018. Das sind zwar 2,8 Prozent weniger als 2017. Allerdings legte die Zahl der jüngeren Verdächtigen deutlich zu: bei den Kindern unter 14 Jahren um 9,7 Prozent auf 269 Tatverdächtige. Und die verübten immer öfter auch schwerere Straftaten und nicht nur Fälle von Vandalismus und kleinere Diebstähle. Ein Beispiel ist der 13-Jährige, der im vergangenen Jahr Stadtbahnen mit Gegenständen attackiert haben soll.

»Diesen Bereich behalten wir im Blick«, erklärt Wolfgang Niewald. Geplant sei, ihn bei der Polizeiarbeit künftig zu einem Schwerpunkt zu machen.

21 jugendliche Intensivtäter registrierte die Polizei 2018, zwei mehr als im Vorjahr. Diese Täter haben sehr viele oder sehr schwere Taten begangen.

 

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