Fr., 15.02.2019

1200 Teilnehmer bei der 2. »Hinterland of Things« – mit Videos OWL atmet Gründergeist

Frank Thelen, Vox-Fernsehstar mit Start-up-DNA, eröffnet die 2. Konferenz »Hinterland of Things« im Bielefelder Lokschuppen.

Frank Thelen, Vox-Fernsehstar mit Start-up-DNA, eröffnet die 2. Konferenz »Hinterland of Things« im Bielefelder Lokschuppen. Foto: Jan Gruhn

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld (WB). »Dieser Spirit!« »Dieser Gründergeist!« »Diese Offenheit für den Fortschritt!« Keine Frage: Auch die zweite Konferenz »Hinterland of Things« der Founders Foundation im Bielefelder Lokschuppen spiegelt Aufbruchstimmung in der OWL-Wirtschaft. »Hier ist von der German Angst nichts zu spüren«, erklärte Frank Thelen schon zur Eröffnung.

Thelen, bekannt durch die Vox-Sendung »Höhle der Löwen«, erfolgreicher Start-up-Unternehmer, Buchautor und Investor, forderte grundlegende politische Veränderungen, damit sich auch in Europa digitale Champions entwickeln können. Angesichts der gravierenden Veränderungen brauche es mehr Offenheit in der Gesellschaft für die großen Veränderungen, die 5G, Big Data, Künstliche Intelligenz, 3D-Druck und viele andere mit sich brächten.

Auch Dorothea Bär, CSU-Politikerin und Staatsministerin für Digitalisierung, fürchtet, dass das »in Deutschland verbreitete Bedenkenträgertum« den Abstand zu USA und China noch vergrößern könnte. In einer Diskussion mit Eduard Dörrenberg (Dr. Wolff-Gruppe, Bielefeld), Udo Schloemer (Factory Berlin) und Verena Pausder (Fox & Sheep, Berlin) betonten die Vertreter der Wirtschaft, dass es bei der Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Mittelstand nicht nur um Geld, sondern vor allem um den Austausch und die gemeinsame Entwicklung von Ideen gehe. »Aber es geht natürlich auch um Geld«, räumte Dörrenberg ein.

300 Absagen für Interessenten

Einiges war bei der zweiten »Hinterland of Things« anders als bei der Premiere 2018. Zwei Bühnen statt einer erweiterten die Möglichkeit zu Information und Diskussion. Äußerlich auffällig war, dass die Krawattenträger fast verschwunden sind. Selbst Ministerin Bär, die am Vortag bei Katag und Delius noch im roten Kleid erschienen war, entschied sich gestern für Jeans und blaue Bluse. Die Vertreter aus dem traditionellen Bankensektor und aus den Kammern waren entweder kaum da oder gingen undercover. Jedenfalls fielen sie diesmal unter den 1200 »echten« Unternehmern nicht auf. Sebastian Borek, Geschäftsführer der Founders Foundation, musste sogar 300 Interessenten, die sich zu spät um eine Eintrittskarte bewarben, absagen.

Ex-Bertelsmann-Chef und Start-up-Investor Hartmut Ostrowski berichtete von mehreren Anrufen Berliner Freunde, die seine Kontakte nutzen wollten, um doch zur Konferenz zugelassen zu werden. Ein Teilnehmer soll 2018 noch das Angebot, auf der »Hinterland of Things« zu sprechen, abgelehnt haben, weil er um seinen Ruf fürchtete. Diesmal kam er freiwillig in die »Bielefelder Provinz« – als zahlender Teilnehmer.

Einige Vertreter der Szene aus Indien und Israel hatten eine besonders weite Anreise. Der Stand von »Start-up Nation Central« (SNC), das unter anderem eine Website über fast alle Neugründungen in Israel betreibt, war besonders gefragt. General Manager Guy Hilton nannte auf Nachfrage vier Gründe, warum die digitale Start-up-Szene in Israel besonders erfolgreich ist: das Reservoir an guten Hochschulabsolventen, die Erfahrungen aus der Armee-Zeit, die grundsätzliche Offenheit der Gesellschaft gegenüber Leuten, die etwas versuchen wollten, und die überschaubare Größe des Landes, die zwangsläufig den Blick auch über die Grenzen lenke.

Kritik an Teilen der deutschen Wirtschaft

Zu den innovativsten Teilen der Konferenz gehörte ein Pitch der besonderen Art. Diesmal kämpften nicht Gründerteams um die Gunst von Investoren; es war genau anders herum: Manager von Investmentgesellschaften stellten sich einer Jury von Gründern. Der Versuch war offenbar mehr als ein Gag: Erfolgreichen Start-ups wie dem des Münchner Personio-Chefs Hanno Renner kann es tatsächlich passieren, dass sie »sehr viel Geld zu einem Zeitpunkt angeboten bekommen, als wir es noch gar nicht brauchten«.

Auch das kann dem Organisator einer Konferenz geschehen: Christian Miele, der eigentlich am Abend mit Kai Diekmann über den »Gemütlichkeits-Weltmeister Deutschland« diskutieren wollte, musste am Vormittag überraschend zur Geburt seines Kindes ins Krankenhaus. Diekmann, stattdessen moderiert von Amiaz Habtu, kritisierte große Teile der deutschen Wirtschaft, weil sie sich auf den Erfolgen der Vergangenheit gemütlich eingerichtet habe. »Es geht uns zu gut«, sagte der aus Bielefeld stammende frühere Bild-Chef und Investor mit Silicon-Valley-Erfahrung.

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