Sa., 16.02.2019

Eine Begegnung mit der Büchner-Preisträgerin Terézia Mora Kafka, das gottverdammte Genie

Terézia Mora weilte auf Einladung der Literarischen Gesellschaft in Bielefeld.

Terézia Mora weilte auf Einladung der Literarischen Gesellschaft in Bielefeld. Foto: dpa

Bielefeld (WB/uj). Die Liste ihrer Auszeichnungen ist lang, und pars pro toto sei hier nur an den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Deutschen Buchpreis und den Georg-Büchner-Preis erinnert, den Terézia Mora im vergangenen Jahr entgegen nehmen konnte. Die Aufmerksamkeit fordert aber auch ihren Tribut. Etwas erschöpft und genervt tritt die Autorin zur Lesung in Bielefeld an. Nein, fotografieren lassen möchte sie sich so nicht.

Die letzten Bahnfahrten, erzählt sie vor ihrer Lesung, waren von Zugstörungen begleitet, und erst vor drei Tagen habe sie den letzten Teil ihrer Darius-Kopp-Trilogie abgeschlossen. Danach ging’s sofort wieder auf Lesereise. Bahnfahren sei schlimmer geworden, lautet ihr Fazit.

Mit dem Bahnfahren kennt sich die 1971 in Sopron, Ungarn, geborene Schriftstellerin schließlich bestens aus. Bereits als Schülerin pendelte sie von ihrem Dorf täglich mit dem Zug in die Kleinstadt. Die Familie gehörte zur deutschen Minderheit in Ungarn. Terézia Mora wuchs zweisprachig auf.

»Die Liebe unter Aliens«

1990 kam sie nach Berlin und studierte Hungarologie und Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität. Jetzt gehört sie zu den renommiertesten Übersetzerinnen aus dem Ungarischen, und 1999 sorgte sie mit ihrem literarischen Debüt, dem Erzählungsband »Seltsame Materie«, sogleich für Furore.

In der Stadtbibliothek folgt sie einer Einladung der Literarischen Gesellschaft, im Gepäck hat sie ihren 2016 erschienen Erzählband »Die Liebe unter Aliens«. Es sind Geschichten, geschrieben in einem leichten Tonfall, der den Alltag ganz normaler Leute zur Literatur erhebt. Die Literaturkritik hat in den Protagonisten dieser Geschichten Menschen ausgemacht, die in Identitätskrisen stecken, die gegen Verlorenheit und Entwurzelung kämpfen, die mit Verlust und Trennung umzugehen haben.

»Ich kann das alles nicht mehr hören«

Doch von all diesem Pessimismus distanziert sich Terézia Mora entschieden. »Ich kann das alles nicht mehr hören«, sagt sie. »Es sind Menschen, die Herausforderungen im Leben zu meistern haben und dies in Würde tun«, stellt die Autorin klar.

Gefragt nach ihren literarischen Vorbildern, fällt der Name Franz Kafka zuerst. »Er war ein gottverdammtes Genie«, sagt Mora. Inspiration lieferten ihr auch James Joyce’ Roman Ulysses oder John Updikes Rabbit-Romane.

Ihre eigenen Romanhelden waren bislang Männer. Doch damit soll nun Schluss sein. »Bis zu meinem 50. Geburtstag werde ich einen Roman mit einer weiblichen Hauptfigur geschrieben haben. Die Idee kam mir in der Badewanne. Es handelt sich um eine blonde Schönheit, eine talentierte, nette Frau. Doch all das nützt ihr nichts«, verrät Terézia Mora mit einem maliziösen Lächeln.

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