Fr., 22.02.2019

Kampfmittelbeseitiger werden bei ihrer Suche nach Blindgängern fündig – mit Video Bombenreste vor der Luisenschule

Gerd Matthee (rechts) und Wolfgang Stief vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe zeigen die Reste der Stabbrandbomben, die sie in drei Metern Tiefe vor der Luisen-Realschule gefunden haben.

Gerd Matthee (rechts) und Wolfgang Stief vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe zeigen die Reste der Stabbrandbomben, die sie in drei Metern Tiefe vor der Luisen-Realschule gefunden haben. Foto: Oliver Schwabe

Von Peter Bollig

Bielefeld (WB). Eine »Anomalie« in den Magnetfeldmessungen hatte die Bombenexperten auf die Spur gebracht, die anschließende Grabung brachte die Gewissheit: Drei Meter unter der Fahrbahn der Walther-Rathenau-Straße fanden die Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes am Mittwoch die Reste mehrerer Stabbrandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg.

Damit bestätigte sich die Vermutung, dass neben der Luisenschule Altlasten aus dem Luftkrieg im Boden liegen könnten. Wie berichtet, hatte die Auswertung von mehr als 74 Jahre alten Luftbildern auf drei mögliche Blindgänger schließen lassen, die in dem rund 300 Meter langen Teilstück der Walther-Rathenau-Straße zwischen Herforder- und Eckendorfer Straße zu finden sein könnten. In einer der aufwändigsten Sondierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre in Bielefeld sucht eine Spezialfirma unter Begleitung der Kampfmittelexperten seit einer Woche nach den Sprengsätzen.

In einem Radius von sechs Metern um die Verdachtspunkte herum bohrt die Firma Tauber durch den Asphalt bis in sieben Meter Tiefe, wie Heiko Weber von der Abteilung Bevölkerungsschutz der Bielefelder Feuerwehr berichtet. In diesen Löchern wird mit einer Sonde das Magnetfeld gemessen, das Hinweise auf Blindgänger geben kann. Und gleich im zweiten Bohrloch an dieser Verdachtsstelle stellten die Experten eine Anomalie im Magnetfeld fest.

Bei der anschließenden Grabung wurde die Art der Weltkriegs-Hinterlassenschaft schnell klar: »Wir haben einen Abwurfbehälter mit den Resten einiger Stabbrandbomben gefunden«, sagt Gerd Matthee vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe. Die Gefahr, die von diesen Resten ausgeht, schätzt er als gering ein. Ans Tageslicht kamen einige verrostete Metallklumpen: Gewichte, die in den Bomben verbaut waren, sowie Reste einer Magnesiumlegierung – dem Brandmittel, das mit einer Hitze von bis zu 1000 Grad verbrennt und im Krieg zu verheerenden Bränden geführt hat.

Jeweils rund 200 dieser britischen Stabbrandbomben wurden Matthee zufolge aus den alliierten Flugzeugen in einem Behälter abgeworfen. In der Luft öffnete sich dieser Behälter, damit die Brandbomben sich über dem Abwurfgebiet verstreuten und in den Häusern, die durch die zuvor abgeworfenen Sprengbomben geöffnet wurden, einschlugen und Brände auslösten.

Die Bergung dieser Reste verlief Heiko Weber zufolge ohne Probleme, auch weil die Fundstelle direkt unter einem Gulli lag. Weder mussten Gebäude evakuiert, noch Straßen gesperrt werden. Gerd Matthee: »Eine Explosionsgefahr bestand nicht, allenfalls eine Entzündungsgefahr.« Die Bombenreste sollen jetzt zwischengelagert und später verbrannt werden.

Mit diesem Fund konnte zumindest eine von drei Verdachtsstellen abschließend geklärt werden. Für die beiden anderen Stellen steht dies noch aus. Matthee schätzt, dass die Arbeiten in der kommenden Woche abgeschlossen sein werden.

Anlass der Blindgänger-Sondierung ist der geplante Abriss und Neubau einer Sporthalle an der Luisen-Realschule.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6408950?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F