Fr., 22.02.2019

Ratskoalition will Wand errichten – »Bielefeld hat eine große Sprayer-Szene« »Hall of Fame« für Graffiti-Kunst

Die Wand soll vor dem Bahndamm entstehen – das ist der Vorschlag von Björn Klaus (SPD/von links), Bernd Ackehurst (Grüne) und Michael Gugat (Piraten/Bürgernähe).

Die Wand soll vor dem Bahndamm entstehen – das ist der Vorschlag von Björn Klaus (SPD/von links), Bernd Ackehurst (Grüne) und Michael Gugat (Piraten/Bürgernähe). Foto: Oliver Schwabe

Von Stefan Biestmann

Bielefeld (WB). Fast 15 Jahre ist es her, dass es in Bielefeld zuletzt eine Wand für legale Graffiti gab – auf dem Tönsplatz. Jetzt soll vor dem Bahndamm an der Mindener Straße eine »Hall of Fame« entstehen, auf der Sprayer urbane Kunstwerke schaffen können.

Einen entsprechenden Antrag stellt die aus SPD, Grünen sowie Piraten/Bürgernähe bestehende »Paprika«-Ratskoalition für die Sitzungen des Kulturausschusses und des Jugendhilfeausschusses am 6. März. Die Verwaltung soll aufgefordert werden, den Standort auf der städtischen Fläche an der Mindener Straße zu prüfen. Ziel sei es auch, dass die Zahl der illegalen Graffiti zurückgehe.

Die Polizei verzeichnete allein im Jahr 2018 insgesamt 483 Fälle von »Sachbeschädigung durch Graffiti auf Straßen«. Im Vorjahr lag die Zahl sogar noch bei 583. »Wir haben in Bielefeld eine große Sprayer-Szene«, sagt Bernd Ackehurst (Grüne). Die »Hall of Fame« könnte dazu beitragen, dass auch Sprayer aus anderen Städten nach Bielefeld kommen.

Die Dimension der Wand

An einer »Hall of Fame« werden Graffiti-Werke aufgesprüht, die ständig erneuert werden. »Das ist flüchtige Kunst«, sagt Michael Gugat (Ratsgruppe Piraten/Bürgernähe). Aber in vielen anderen Städten werde diese urbane Kunst schon »opulent« präsentiert. Das weiß auch Denis Kelle vom Verein »Hoch zwei«, der sich die Förderung urbaner Kunst im öffentlichen Raum als Ziel setzt. »Bielefeld ist die einzige größere Stadt in der Region, die so etwas noch nicht hat«, kritisiert er. Schon seit Jahren werbe der Verein für eine Wand für legale Graffiti. Und der Verein betrieb im vergangenen Jahr viel Eigenwerbung – bei dem Graffiti-Festival »Ein Kezzle Buntes« auf dem Kesselbrink.

Die Paprika-Koalition fordert, dass der Verein »Hoch zwei« bei der Planung der Wand miteinbezogen wird, »um sicher zu stellen dass alle Bedürfnisse der Graffiti-Szene berücksichtigt werden«.

Denis Kelle hat schon konkrete Vorstellungen zur Dimension der Wand. Er hält eine Höhe von drei Metern für sinnvoll und eine Länge von »mindestens 50, aber eigentlich eher 100 Metern«. »Schließlich sollte da auch Platz für mehrere Bilder sein.« Der Platz an der Mindener Straße ist aus seiner Sicht prädestiniert für die »Hall of Fame«.

»Das ist hier ein Ort der Subkultur«

Das sieht auch Björn Klaus (SPD) so: »Das ist hier ein Ort der Subkultur«, meint er und verweist unter anderem auf die Szene-Lokale »Nummer zu Platz« und »Cutie« in der Nähe sowie die Aktion »Plakartive« unter dem Ostwestfalendamm. Bernd Ackehurst ergänzt: »Hier werden die Graffiti auch gesehen. Es gibt also Publikum für die Künstler.«

Bei der Errichtung der »Hall of Fame« sollen nach Wunsch der Paprika-Koalition möglichst auch Auszubildende aus dem Handwerksbildungszentrum Brackwede und der Verein BAJ mitwirken.

Es soll geprüft werden, ob auch Geld aus Förderprogrammen für Jugendkultur bereitstehe. »Im Optimalfall soll die Wand hier schon im Sommer oder Herbst stehen«, sagt Björn Klaus. »Das soll aber nur der Anfang sein. Es sollen sich daraus weitere Graffiti-Projekte entwickeln.«

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