Projektgruppe tüftelt an Verbindung von Rheda-Wiedenbrück über Gütersloh und Bielefeld nach Herford
Eine Schnellstraße nur für Radler

Bielefeld (WB). Noch stehen die Planungen für den »Radschnellweg OWL 2.0« (fast) ganz am Anfang. Doch die dahinter stehende Arbeitsgemeinschaft ist sich sicher, dass eine Verbindung zwischen Rheda-Wiedenbrück und Herford viele Berufspendler zum Umsteigen bewegen könnte.

Freitag, 01.03.2019, 03:30 Uhr aktualisiert: 01.03.2019, 09:04 Uhr
In Göttingen ist das Fahrrad fester Bestandteil im Berufsverkehr. Hier ist der E-Radschnellradweg zu sehen. Foto: Christoph Mischke/ADFC
In Göttingen ist das Fahrrad fester Bestandteil im Berufsverkehr. Hier ist der E-Radschnellradweg zu sehen. Foto: Christoph Mischke/ADFC

Fritz Spratte wohnt im Gütersloher Ortsteil Isselhorst. Eigenen Angaben und dem Navi zufolge braucht er für seinen Arbeitsweg in die Bielefelder Innenstadt nur zwölf Minuten mit dem Auto. »Doch tatsächlich sind es meist 20 bis 25 Minuten«, sagt Spratte. »Wenn es schlecht läuft, können es sogar 45 Minuten werden.« Nämlich genau dann, wenn auf der A2 Stau herrscht und viele den Umweg über die B61 suchten.

Spratte ist Mitglied im Gütersloher Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Kein Wunder also, dass er, so oft es geht, aufs Fahrrad umsteigt. Auch dann sei er knapp 45 Minuten unterwegs. »Da fahre ich aber abseits der B61, hintenrum.« Zu viel Abgas, das der Autoverkehr ausstoße, sagt der Mann, der auch für die SPD im Gütersloher Kreistag sitzt.

Für Entwicklungsprogramm gemeldet

Der ADFCler hofft, dass er die Strecke zwischen Wohnort und Arbeitsstätte künftig deutlich schneller absolvieren kann. Er ist Teil einer Arbeitsgruppe, die das Projekt »Radschnellweg OWL 2.0« angestoßen hat. Er soll von Rheda-Wiedenbrück über Gütersloh und Bielefeld bis Herford führen und dort an den geplanten RS3 anschließen. Der soll, wenn er fertig ist, Herford, Löhne, Bad Oeynhausen, Porta Westfalica und Minden verbinden. Derzeit laufen beim RS3 die Planungen für den Bau eines ersten Abschnitts zwischen Bad Oeynhausen und Löhne, aber wann die Bagger rollen, ist noch ungewiss.

Der erste Schritt für die Planungen der Verbindung Rheda-Wiedenbrück-Herford ist gemacht. Das Projekt ist beim Entwicklungsprogramm Regionale 2022 angemeldet. Außer den Ehrenamtlichen vom ADFC sind die anliegenden Kommunen und Kreise an der Projektgruppe beteiligt. Die Federführung übernimmt die Stadt Bielefeld. Dort wurde zum Jahresbeginn eine neue Stelle eingerichtet, die jetzt Christiane Wende besetzt. »Man sollte sich bewusst machen, dass wir auf Dauer eine umweltschonende und nachhaltige Mobilität inklusive einer guten Infrastruktur brauchen«, sagt Wende.

Beste Wegeführung ermitteln

In den kommenden drei Jahren soll sie zusammen mit Barbara Choryan, Bielefelder Nahmobilitätsbeauftragte, dafür sorgen, dass die Idee der zweiten OWL-Schnellverbindung in feste Formen gegossen wird. »Wir sind dabei, eine Machbarkeitsstudie vorzubereiten«, sagt Wende. Die soll möglichst zeitnah in Auftrag gegeben werden. Laut Choryan könnte sie mindestens 100.000 Euro kosten, vermutlich mehr. Dazu werde aktuell ein Finanzierungsmodell entwickelt, weil dafür keine Mittel über die Regionale zur Verfügung stehen. In der Studie soll aus dem groben Korridor für den Radschnellweg die tatsächliche beste Wegeführung ermittelt werden.

Nach Ansicht der Projektgruppe stehen die Chancen gut, dass die Kosten-Nutzen-Abwägung positiv ausfällt. Besonders durch die zunehmende Verbreitung von E-Bike­s und Pedelecs sehen die Beteiligten das Potenzial, dass derzeitige Autofahrer künftig aufs Rad umsteigen.

Den Zusatz »2.0« haben sich die Projektpartner gegeben, weil sie bei der Ausgestaltung der Verbindung besonders innovativ sein wollen. Laut Choryan und Wende könnten zum Beispiel Photovoltaikanlagen installiert werden, um die Beleuchtung der Strecke zu gewährleisten. Außerdem wolle man möglichst auf dem aktuellen Stand der Anforderung durch das Land an einen Radschnellweg sein, erklären die Bielefelderinnen. »Wir wollen Pioniere sein«, so formuliert es Fritz Spratte.

Bis zu vier Meter breit

Wie sich die NRW-Landesregierung eine ordentliche Schnellverbindung vorstellt, soll bald klarer sein. »Die Nordbahntrasse in Wuppertal ist eine Blaupause für Radschnellverbindungen«, erklärt Peter London aus dem Landesverkehrsministerium. Was fällt in diese Kategorie? Wie müssen die Wege ausgestaltet sein? Wie müssen sie gepflegt werden? Das soll ein Leitfaden erläutern, der momentan erstellt werde. Derzeit sind in NRW außer dem RS3 sechs weitere Radschnellwege geplant oder bereits im Bau. Der längste wird der RS1 sein, der Radschnellweg Ruhr zwischen Hamm und Duisburg.

Laut NRW-Verkehrsministerium sollte ein Radschnellweg bei Verkehr in beiden Richtungen vier Meter breit sein, bei nur einer Fahrtrichtung drei Meter. Der Weg sollte eben und mit wenigen bis gar keinen Steigungen angelegt und durchgehend beleuchtet sein. Außerdem sollte er regelmäßig gewartet und im Winter geräumt werden. Idealerweise wird er abseits vom Auto- und Fußgängerverkehr geführt.

Ziel der Projektgruppe ist es, den Radschnellweg OWL 2.0 so weit voranzutreiben, dass das Vorhaben 2022 nicht mehr umkehrbar ist. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg – und Fritz Spratte wird seine übliche Radroute zur Arbeit nutzen müssen. Der Gütersloher warnt alle Radschnellweg-Laien davor, den oft zitierten Ausdruck der »Fahrradautobahn« zu wählen. »Dieser Begriff ist mittlerweile verpönt«, sagt Spratte. Zu negativ sei die Konnotation, zu sehr erinnere sie ans Auto. Letzteres könnte in ein paar Jahren, so hofft es zumindest Spratte, eine deutlich kleinere Rolle im Berufsverkehr zwischen Rheda-Wiedenbrück und Herford spielen.

Kommentare

Zeitungsleser  schrieb: 01.03.2019 09:41
Wir haben auch sonst nichts zu bedenken in diesem Land. Oh man...
Das ist wieder typisch für diese Links-Rot-Grün-Ideologen. Planen da so eine Fahrrad-Autobahn anstatt sich um die wirklich wichtigen Probleme in diesem Land zu kümmern. Es wird hohe Zeit, daß die allesamt abgelöst werden.
1 Kommentare
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