So., 03.03.2019

Folge 9 der Uni-Serie: Jürgen Heinrich ist Geschäftsführer der Universitätsgesellschaft Trommeln für die Uni

Jürgen Heinrich in der großen Halle der Universität, wo er als Referent des Rektors angefangen hat.

Jürgen Heinrich in der großen Halle der Universität, wo er als Referent des Rektors angefangen hat. Foto: Bernhard Pierel

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Für die Universität zu trommeln, ihre Bedeutung herauszustellen, sie in Stadt und Region zu verankern und natürlich ihre Ressourcen zu heben – das ist das Ziel von Jürgen Heinrich. Dabei leistet er all’ dies ehrenamtlich: Er ist seit 2012 Geschäftsführer der Universitätsgesellschaft Bielefeld und bildet mit dem Vorsitzenden Herbert Vogel das Führungsduo.

Die Universität kennt Jürgen Heinrich – geboren in Plauen/Vogtland und aufgewachsen in Neuenburg, nördlicher Schwarzwald – seit ihren frühen Anfängen, schließlich ist er mit dem langjährigen Rektor Prof. Dr. Karl Peter Grotemeyer von Berlin nach Bielefeld gekommen. »Ich bin 1962 nach Berlin gegangen, um dort an der Freien Universität Mathematik und Versicherungsmathematik zu studieren«, erzählt er. 1968 hatte er das Diplom in der Tasche und wurde Assistent bei Grotemeyer.

Der hatte verschiedene Rufe an andere Hochschulen für Bleibeverhandlungen (mit dem damaligen Berliner Oberbürgermeister Willy Brandt) genutzt. Als er aber den Ruf nach Bielefeld, in seine ostwestfälische Heimat, erhielt, rief er alle Mitarbeiter in sein Zimmer. »Er frage, was wir jetzt machen sollten. Und wir jungen Leute waren dafür, eine neue Universität aufzubauen. Wir wollten Mathematik anders machen«, erzählt Heinrich.

Damals war die Studentenschaft im Aufbruch, die wissenschaftlichen Assistenten verfassten Schriften und Konzepte zur Hochschulreform, die Universitäten sollten in den Dienst der Menschen gestellt werden, das Motto lautete »Mehr Demokratie wagen«. Die Chance zu haben, am Aufbau einer Universität mitzuwirken, sagt Heinrich, sei ein Glück gewesen

»Strategische Planungen für die jeweilige Einrichtung waren das Ziel.«

Als Grotemeyer also wenige Monate nach der Uni-Gründung der zweite Rektor wurde (der erste, der Jurist Erich Mestmäcker, hatte einen Herzinfarkt erlitten), kam Jürgen Heinrich mit ihm an den Teutoburger Wald und wurde persönlicher Referent Grotemeyers. »Ich hatte mich schon in Berlin in der Hochschulpolitik engagiert und fand diese Arbeit interessant«, erzählt er. Allerdings erwies es sich als unmöglich, daneben in der Mathematik zu promovieren: »Das hatte ich ursprünglich geplant, davon musste ich mich aber verabschieden.«

Einige Jahr war Jürgen Heinrich Referent, dann kamen bundesweit erste Planungsdezernate auf: in Ministerien, Unternehmen und eben auch in Hochschulen. »Strategische Planungen für die jeweilige Einrichtung waren das Ziel.« Der Mathematiker Heinrich übernahm diese Aufgabe an der Uni Bielefeld und wurde Dezernent für Planung, Statistik und Datenverarbeitung. »Dabei fiel mir auch die Aufgabe zu, die EDV in der Personalverwaltung einzuführen«, erinnert er sich. Und er erlebte geharnischten Widerstand: »Studenten und Personalrat fürchteten eine Überwachung, ich musste das Ganze im Audimax verteidigen und wurde auch von denen, die eigentlich meine politischen Freunde waren, heftig attackiert.«

Bis 1985 leitete er das Dezernat, dann wechselte er zur Stadt Bielefeld und wurde vom Rat zum Beigeordneten für Organisation und Personal gewählt (bis 1989), wurde dann Beigeordneter für Ordnung (bis 1994) und schließlich für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr (bis 1996), von 1988 bis 1994 in der Position eines Stadtdirektors. 1997 trat Jürgen Heinrich in die Geschäftsleitung der Ost-Westfalen-Lippe Marketing GmbH ein, wurde Bevollmächtigter für die Expo 2000 und koordinierte die Programme »Modellregion für Bürokratieabbau« und »Innovation und Wissen«. 2007 ging er zwar in den Ruhestand – um sich anderweitig einzubringen, wie etwa in der Universitätsgesellschaft Bielefeld.

Verbindungen knüpfen

Die zählt aktuell 620 Mitglieder, »darunter sind mehr als 120 institutionelle Mitglieder, also Unternehmen, Städte und Kreise der Region«. Denn wenn der Förderverein auch Bielefeld im Namen trage, sei die Hochschule doch die Hochschule für die Region. »Das zeigen auch die Analysen, woher die Studenten kommen: nämlich zu 20 Prozent aus Bielefeld, zu 40 Prozent aus benachbarten Kreisen.«

Die Universitätsgesellschaft will Verbindungen knüpfen zwischen den Menschen der Region und der Hochschule, zwischen Forschern und Unternehmen. Dazu sollen zum einen die Wissenswerkstatt im Herzen der Stadt und zum anderen die Campusentwicklungsgesellschaft beitragen. Heinrich hat eine Vision, wie sich der Campus entwickelt: »In 20, 30 Jahren hat er sich Richtung Babenhausen ausgedehnt mit außeruniversitären Einrichtungen, Ausgründungen und Forschungseinrichtungen.« Und er ist sicher, dass sich gerade in Verbindung mit der Medizinfakultät viel bewegen werde: »Die Universität steht vor einem neuen Aufbruch.«

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