Fr., 01.03.2019

Biotechnologe Dr. Dominik Cholewa sucht neue Wege in der Lehre – Uni-Serie, Folge 8 Bierbrauen an der Uni als praktische Übung

Campusbrauerei Bielefeld: Dr. Dominik Cholewa (rechts) und Sebastian Perez Knoche brauen ein Jubiläumsbier.

Campusbrauerei Bielefeld: Dr. Dominik Cholewa (rechts) und Sebastian Perez Knoche brauen ein Jubiläumsbier. Foto: Oliver Schwabe

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Dr. Dominik Cholewa versteht etwas von Bier. Seit Jahren produziert er es gemeinsam mit Studenten der Biotechnologie selbst in der Universität. Dort, in Raum D5-205, ist die hochschuleigene Brauerei zuhause. Wer das Label an der Tür übersehen hat, wird das spätestens beim Betreten des Raumes, der wie ein kleines Labor anmutet, erschnuppern.

Cholewa, 39 Jahre alt und Vater von drei Söhnen und einer kleinen Tochter, ist ein Kind der Bielefelder Biotechnologie, wie er selbst sagt. Er hat an der Technischen Fakultät Molekulare Biotechnologie studiert und gehörte zu den letzten, die noch das Diplom erworben haben. Auch wenn er Vorlesungen hält und nach wie vor seinen eigenen kleinen Forschungsbereich hat, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, ist er heute vor allem als Studiengangs-Koordinator quasi die Schnittstelle zwischen Dekanat, Professoren und Studenten und für die Erneuerung der Lehre zuständig.

»Dazu gehört, dass ich Gelder für die Lehre einwerben kann. Denn sonst geht es ja zumeist um Drittmittel für die Forschung«, erklärt er. Zu den Neuerungen, die Cholewa dadurch einführen konnte, gehört ein »Masteranden-Kongress«. Wer von anderen Universitäten zum Masterstudium nach Bielefeld komme, erläutert er, kenne kaum jemanden; und verpflichtende Einführungsveranstaltungen gibt es auch nicht. »Bei dem Kongress aber stellen alle kurz ihre Bachelorarbeiten vor, lernen dabei die Präsentation, aber vor allem die Themen der anderen kennen. Am Ende des Tages gibt es dann ein geselliges Beisammensein. Und danach sind alle zusammen geschweißt.«

Klar, dass beim abendlichen Miteinander auch ein oder zwei Biere gereicht werden – und zwar aus eigener Produktion. »Das Bier war eine Schnapsidee von mir«, sagt Cholewa. 2010 hat er das erste Brauerei-Seminar veranstaltet, das Ergebnis war noch nicht so prickelnd. »Wir waren schließlich blutige Anfänger.« Mittlerweile aber weiß das Team der Arbeitsgruppe Fermentationstechnik, wie es geht: Zweimal hat das Bielefelder Campus-Bier beim »International Brewing Contest« in Hamburg bereits erste Preise eingeheimst.

»Bier ist eines der ältesten biotechnologischen Produkte«

Wer nun glaubt, das Brauen habe mit dem Studium nichts zu tun, irrt: »Bier ist eines der ältesten biotechnologischen Produkte«, erklärt Cholewa. »Schon die Germanen haben damit experimentiert und irgendwann festgestellt, dass es durch Hopfen haltbarer ist.« Wie man heute dank der Wissenschaft weiß, sind dafür die Humuline und Lupoline, zwei Bittersäuren im Hopfen, verantwortlich: Sie wirken antibakteriell.

Auch das erfahren die Studenten in Cholewas Brauerei-Seminar. Und vor allem können sie, was sie in der Vorlesung theoretisch über Enzyme, Reaktionstechnik oder Analysen gelernt haben, in der Praxis umsetzen und dabei nebenbei auch noch Methoden und Laborarbeit einüben. Das nötige Rüstzeug, eine kleine Brauerei-Anlage inklusive Abfüllanlage und Verkorkungsapparat, konnte Cholewa über »Qualitätsverbesserungsmittel« anschaffen, viel Unterstützung gab es zudem von der Rotingdorfer Brauerei bei Werther.

Fast überflüssig zu betonen, dass die Brauerei-Seminare sich größter Beliebtheit erfreuen und jedes Jahr angeboten werden. »Die Studenten sind auch sehr kreativ: Wir haben schon Minzbier, Whiskybier oder Schwarzer-Kaffee-Bier hergestellt«, schmunzelt Cholewa.

»Jubelbier«

Weil er zudem überzeugt ist, dass ein Uni-Bielefeld-Bier etwas Identitätsstiftendes hat, hat er mit seinem Team im vergangenen Jahr die Campusbrauerei gegründet. Die ist auch beim Uni-Jubiläum dabei und hat ein »Jubelbier« entwickelt: ausgefallen und massentauglich zugleich. Sebastian Perez Knoche, studentische Hilfskraft, beschreibt es: »Basis ist eine Art Oktoberfestbier. Wir haben mit Hopfen herumgespielt, jetzt schmeckt man dunkle Früchte und eine leicht holzige Note nach Pinien heraus.« Verkauft wird das Bier beim Fest »Jubelmeile« und im Uni-Shop.

Wie wichtig Dominik Cholewa ein gutes (und damit fruchtbares) Lehr- und Lernklima ist, erfährt der Besucher noch nebenbei. Denn in seinem Büro fällt eine Trommel auf. Sie hat nur eine Funktion: Pünktlich zur Mittagszeit trommelt Cholewa damit auf dem Flur »alle Mann« zusammen, und dann geht es im Pulk in die Mensa zu Tisch.

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