Mo., 11.03.2019

Wer sind die Leute, die in Bielefeld »Fridays for Future« organisieren? Ein Protest macht Schule

Organisieren den Streiktag (von links): Lea Büllesbach, Simon Erichsen und Leonard Schuler.

Organisieren den Streiktag (von links): Lea Büllesbach, Simon Erichsen und Leonard Schuler. Foto: Oliver Schwabe

Von Michael Schläger

Bielefeld (WB). Der 15. März soll ein ganz besonderer Tag werden. Hunderttausende Schüler wollen dann weltweit auf die Straße gehen. In Bielefeld organisiert eine neunköpfige Gruppe den Klima-Protest.

Der erste Anstoß kam aus Jena. Lea Büllesbach (18) und Simon Erichsen (17) bekamen eine Whats-App-Nachricht von ihren Freunden aus der thüringischen Partnerschule. Wollt ihr nicht auch in Bielefeld mitmachen bei »Fridays for Future« ?

»Wir waren spontan dabei«, erzählt Simon, der wie Lea das Oberstufenkolleg an der Universität besucht. Protestieren für ein besseres Klima, so wie es die 16-jährige Greta Thunberg in Schweden seit mehr als einem halben Jahr jeden Freitag tut? Ja, das wurde Zeit, finden sie.

Greta ist das große Vorbild

Doch schnell merkten die beiden, dass Demonstrieren mehr ist, als einfach auf die Straße zu gehen. So eine Demo muss angemeldet sein, Leute müssen mobilisiert werden, eine Lautsprecheranlage muss her. Und wer soll eigentlich reden? »Auf einmal gab es ganz viel zu organisieren«, erzählt Lea. Ja, klar, auf Demos sei sie schon einmal mitgelaufen. Aber selbst Anmelderin sein?

Der 18. Januar 2019 wird dann ein großer Erfolg. Rund 600 Schüler und Studenten kommen auf den Rathausplatz. Der Wind pfeift kalt, die Stimmung ist gut. »Grünkohl statt Braunkohle«, steht auf einem der vielen Plakate. Die Band des Kollegs spielt. WDR 2 macht ein Live-Interview.

»Da wussten wir, es funktioniert«, sagt Lea. Zu diesem Zeitpunkt hat sich »Fridays for Future« längst zu einer bundesweiten Jugendbewegung entwickelt. Es sind die sozialen Netzwerke, die den Aufbau in Windeseile unterstützen.

Gut vernetzt

Jede Ortsgruppe sei über Whats-App mit den anderen vernetzt, erklärt Simon. Obwohl, Whats-App – ganz wohl ist den jungen Aktivisten damit nicht mehr. »Wir suchen nach einer sichereren Kommunikationsplattform.« Inzwischen gibt es auch wöchentliche Telefonkonferenzen, haben sich Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit Grundsatzforderungen beschäftigen oder mit der Öffentlichkeitsarbeit. In Bielefeld ist das Organisationsteam auf neun Leute angewachsen. Der Jüngste ist ein 14-jähriger Schüler des Ceciliengymnasiums. »Auch wir treffen uns jetzt einmal in der Woche«, berichtet Simon.

Und was ist dran an der Kritik, dass im Hintergrund längst mächtige Umweltorganisationen die Strippen ziehen? »Ja, es stimmt, dass wir unterstützt werden«, sagt Lea. Der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) gehört dazu. Sie selbst sei bei den Naturfreunden aktiv. Auch da habe es ein Vernetzungstreffen gegeben. »Aber wir lassen uns nicht vereinnahmen«, betont Simon. Von keiner Partei und von keiner Organisation. Dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel die Initiative inzwischen unisono loben, nimmt er gern zur Kenntnis. »Aber wir sind ja auch nicht mehr wegzudiskutieren«, sagt er durchaus selbstbewusst. Das Ziel ist klar definiert: die Klimaerwärmung begrenzen.

»Keine Fantasten«

Bleiben zwei Dinge, die zu klären sind: Wie ist das mit dem Schule Schwänzen? Und stimmt’s etwa nicht: Jetzt wird demonstriert und nach dem Abi geht’s erst mal mit dem Flugzeug nach Australien! Wenn in einer Firma gestreikt werde, geschehe dies auch nicht am freien Wochenende, entgegnen die jungen Leute. Sie wollen schon eine Wirkung erzielen. Dass einige die Gelegenheit nutzen, um ein paar Stunden blau zu machen, müssten sie in Kauf nehmen, sagt Lea. »Aber es gibt viele, die die Sache ernst nehmen und die auch die Sanktionen ihrer Schulen einkalkulierten.« In vielen Schulen gebe es aber auch Unterstützung, ergänzt Simon. »Uns wird doch auch immer gesagt, dass wir uns engagieren sollen.«

Lea erzählt, dass sie nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr in Peru absolvieren will. »Ja, dafür steige ich ins Flugzeug. Wir sind keine Fantasten.« Es gehe darum, dass mit der Umwelt pfleglicher umgegangen werde. Dass es weniger Plastikmüll gebe. Dass Kohlekraftwerke schneller abgeschaltet würden. Dass Dinge angemessener behandelt würden. »Warum gibt es keine Kerosinsteuer?«, fragt Lea. Fliegen müsse nicht so billig sein. Und sie erinnert an einen Spruch, der jetzt häufig bundesweit auf »Fridays for Future«-Plakaten auftaucht: »Macht Ihr Eure Hausaufgaben, dann machen wir unsere.«

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