Do., 14.03.2019

IG BAU fordert verpflichtende Praktika zwischen der 7. und 11. Klasse Schüler ins Handwerk

Sehen, wie das Handwerk arbeitet: Die IG BAU will, dass alle Schüler wenigstens ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb besuchen. Damit soll die Chance steigen, dass hier mehr Jugendliche einen Ausbildungsvertrag abschließen.

Sehen, wie das Handwerk arbeitet: Die IG BAU will, dass alle Schüler wenigstens ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb besuchen. Damit soll die Chance steigen, dass hier mehr Jugendliche einen Ausbildungsvertrag abschließen. Foto: imago

Von Bernhard Hertlein

München/Bielefeld (WB). Jeder Jugendliche soll in seiner Schulzeit mindestens ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb absolvieren. Das hat am Mittwoch der stellvertretende IG BAU-Vorsitzende Dietmar Schäfers zum Auftakt der Internationalen Handwerksmesse in München gefordert.

Entsprechende Vorgaben müssten die Kultusministerien der Länder den weiterführenden Schulen machen. Was den Zeitpunkt betrifft, gibt sich Schäfers offen: »zwischen der 7. und 12. Klasse«.

Alternative zum Studium aufzeigen

Unterstützung erfährt die Forderung der IG BAU durch die OWL-Handwerkskammer. Hauptgeschäftsführer Jens Prager sagte auf Anfrage, ein Praktikum im Handwerk zeige Schülern eine Alternative zum Studium: »Aus eigenen, praktischen Erfahrungen heraus können sie besser einschätzen, welcher Weg für sie der richtige ist.« Daher wäre eine stärkere Einbindung des Handwerks in die Berufsfindung ein wichtiger Schritt zu einer vorurteilsfreien Wahl zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung.

Bundesweit wurde die Zahl der Ausbildungsplätze 2018 erstmals von der Zahl der Bewerber übertroffen. Darunter leidet das Handwerk besonders. Nicht besetzte Lehrstellen verstärken später das Defizit bei den Fachkräften. Nach Angaben des DIHK erklären 49 Prozent der Unternehmen, sie hätten 2018 Probleme gehabt, Jobs zu besetzen. Im Jahr davor waren es 47 Prozent. Besonders stark betroffen war nach Angaben der Wirtschaft die Baubranche.

Betriebsinhaber kritisieren neuerdings immer wieder, dass viele Lehrer den Jugendlichen von einer Ausbildung im Handwerk abraten und stattdessen ein Studium empfehlen. Auch die Industrie- und Handelskammer wünscht sich für die Schüler mehr Praktikumszeit in den Unternehmen. Allerdings hänge der Erfolg in starkem Maße von der Vor- und Nachbereitung durch die Lehrer ab, erklärte gestern IHK-Geschäftsführer Christoph von der Heyden.

»Kein Abschluss ohne Anschluss«

Nach Angaben von Andreas Moseke, Pressesprecher im Regierungspräsidium in Detmold, werden im aktuellen Schuljahr insgesamt 6500 Schüler von 285 weiterführenden Schulen in OWL praktische Erfahrungen in einem Betrieb sammeln. Die schulische Vorbereitung beginne in der Jahrgangsstufe 8 zunächst mit einer eintägigen Potenzialanalyse, während der die Lehrer mit den Schülern deren Talente und Interessen herausfinden und besprechen. Daran schließen sich drei Berufsfelderkundungen an. Hinzu komme mindestens ein zwei- bis dreiwöchiges Einzelpraktikum in einem Betrieb.

Unter Verweis auf »Kein Abschluss ohne Anschluss« lehnt das NRW-Bildungsministerium den Vorstoß der IG Bau ab. In einer Stellungnahme heißt es, die Praktika seien in einen Prozess der beruflichen Orientierung eingepasst und nicht losgelöst zu sehen.

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