Do., 14.03.2019

Warum sich Anmeldezahlen für weiterführende Schulen so unterscheiden Angebot und Nachfrage

Lernen an der Wunschschule – nicht für alle Kinder gilt das im kommenden Schuljahr.

Lernen an der Wunschschule – nicht für alle Kinder gilt das im kommenden Schuljahr. Foto: dpa

Von Michael Schläger

Bielefeld (WB). Erst Anfang April werden die Eltern Gewissheit haben, ob ihr Kind an der gewünschten weiterführenden Schule angenommen worden ist. Für manche wird es eine böse Überraschung geben. Es zeichnet sich ab, dass nicht jedes Kind an der gewählten Schule einen Platz bekommt.

Deshalb hat das städtische Amt für Schule eine Liste auf die Rathaus-Homepage gestellt, auf der der Stand des Anmeldeverfahrens abgelesen werden kann. Sie wird täglich aktualisiert. Offiziell endet der Anmeldezeitraum erst an diesem Wochenende.

Mehrklassen werden gebildet

»Eine mögliche Mehrklassenbildung wird zurzeit mit der Bezirksregierung Detmold abgestimmt«, erklärte Georgia Schönemann, Leiterin des städtischen Amtes für Schule, jetzt in der Arbeitsgruppe Schulentwicklungsplanung des Schulausschusses. Welche Schule am Ende wie viele Klassen aufnimmt, darüber entscheidet der Schulausschuss in seiner Sitzung am 26. März. Und erst dann können die Anmeldebestätigungen versandt werden. Wer eine Ablehnung bekommt, für den beginnt das Anmeldeverfahren dann von Neuem. Dann öffnet gewissermaßen die »Restplatzbörse«. Bis zu den Osterferien sollten alle versorgt sein.

Denn: »In jeder Schulform gibt es ein ausreichendes Angebot«, stellte Georgia Schönemann klar. Allerdings ist die Nachfrage ganz unterschiedlich verteilt.

An der Luisenschule haben sich – wie berichtet – 200 Kinder angemeldet. Das sind nach jetzigem stand 94 zu viel. Gleichzeitig gibt es in der neuen Realschule am Schlehenweg noch mehr als 40 freie Plätze. Auch die Bosseschule und die Brackweder Realschule sowie die Realschule Senne haben noch Kapazitäten.

154 Anmeldungen am »Ceci«

Bei den Gymnasien wechseln die Anmelde-Spitzenreiter häufig. In diesem Jahr liegt das Ceciliengymnasium mit 154 Anmeldungen deutlich vorn. Nach aktuellem Stand müssten 43 Kinder abgewiesen werden. Direktorin Dr. Julia Litz will sich aber bemühen, eine zusätzliche Klasse aufzunehmen, um nicht all zu viele Eltern zu enttäuschen.

Jörg Neumann, Chef des Gymnasiums Heepen und Sprecher der Bielefelder Gymnasialdirektoren, rät ebenfalls zu Mehrklassen. »Möglichst viele Schüler aufzunehmen, ist für Schulleitungen ein hohes Gut«, sagte er vor den Politikern in der Arbeitsgruppe. Denn nach dem Anmeldeverfahren ist vor dem Anmeldeverfahren. Für Schulen, die zu viele Kinder ablehnen müssen, kann sich das im Folgejahr »rächen«.

Er rät auch bei den Realschulen zu großzügigen Regelungen. »Gerade die Realschulen müssen über den Durst ausgestattet werden.« Denn wer das Gymnasium nicht schaffe, habe dann nach der Erprobungsstufe kaum eine Wechselmöglichkeit.

Freie Plätze an Gesamtschulen

In einer Beziehung läuft das Anmeldeverhalten der Bielefelder Eltern gegen den Trend. Gesamtschulen sind bei ihnen weit weniger gefragt als bei Eltern in anderen Städten und Gemeinden. Früher war in Bielefeld das Anmeldeverfahren für die Gesamtschulen sogar vorgezogen worden, weil der Andrang so groß war. Diesmal haben die Gesamtschule Stieghorst, die Gesamtschule Rosenhöhe und die Martin-Niemöller-Gesamtschule in Schildesche noch freie Kapazitäten, in Schildesche gibt es rechnerisch gar noch 104 Plätze. Lediglich die Gesamtschule Quelle wird schon traditionsgemäß »gut gebucht«. Die vier Anmeldeüberhänge dort dürften aber leicht aufzufangen sein.

Die beiden 2018 gegründeten Sekundarschulen haben sich dagegen scheint’s gut etabliert. In Gellershagen sind alle Plätze besetzt, an der Königsbrügge gibt es bisher 19 Anmeldungen zu viel.

Eine Mischung aus Mund-zu Mund-Propaganda, dem Einsatz der Schulleitungen und »allgemeinen Stimmungslagen« entscheidet am Ende, wohin das Kind nach der Grundschule gehen soll. Die Politiker der Arbeitsgruppe Schulentwicklungsplanung wollen das Phänomen jetzt genauer unter die Lupe nehmen, wollen den Anfang bei den »gut gebuchten« Realschulen machen, um die Verwerfungen bei künftigen Verfahren möglichst gering zu halten.

Hier finden Sie die freien Plätze in den weiterführenden Schulen:

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