Fr., 15.03.2019

Ermordete Kinder: Verdächtiger setzte nach Suizidversuch Notruf zu seiner Rettung ab Mutter suchte vor Tat Hilfe bei Polizei

Tatort Ziegelstraße: In der Wohnung unten rechts wurden am Sonntag zwei Kinder ermordet.

Tatort Ziegelstraße: In der Wohnung unten rechts wurden am Sonntag zwei Kinder ermordet. Foto: Christian Müller

Von Jens Heinze

Bielefeld (WB). Fünf Tage nach der Ermordung der beiden Kleinkinder in einer Wohnung an der Ziegelstraße werden weitere Details des Verbrechens bekannt. Demnach setzte der tatverdächtige Vater (41) nach seinem Selbstmordversuch den Notruf zur Feuerwehr-Leitstelle ab, weil er gerettet werden wollte.

Das bestätigte die ermittelnde Staatsanwältin Claudia Bosse auf Anfrage. Sinngemäß soll der Mann gesagt haben, dass er dringend Hilfe brauche, weil er sonst sterben werde. Beim Notruf gestand der Vater zudem gegenüber der Feuerwehr, dass er sowohl den einjährigen Sohn als auch die zweijährige Tochter umgebracht und dann einen Suizidversuch unternommen hatte (diese Zeitung berichtete) .

Unterdessen machen in sozialen Netzwerken Gerüchte die Runde, dass der mutmaßliche Mörder psychisch krank gewesen sei und seine ehemalige Lebensgefährtin und Mutter (27) der zwei ermordeten Kinder seit geraumer Zeit bedroht haben soll. Von offizieller Seite wird das nach wie vor nicht bestätigt. »Der Polizei Bielefeld liegt im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt keine Strafanzeige wegen häuslicher Gewalt vor«, bekräftigte erneut Polizeisprecherin Sonja Rehmert. Von Staatsanwältin Claudia Bosse heißt es, dass der Vater vor der Bluttat weder als Gewalttäter bekannt noch wegen derartiger Delikte einschlägig vorbestraft gewesen sei.

Mutter ließ sich von Fachmann für häusliche Gewalt beraten

Dennoch suchte vor der Trennung des deutsch-türkischen Paares die Mutter Hilfe bei einer offiziellen Stelle. Im Januar habe sich die Bielefelderin bei der hiesigen Polizei von einem Fachmann für häusliche Gewalt beraten lassen, sagte die Polizeisprecherin. Die 27-Jährige habe wegen des bevorstehenden Beziehungsendes Aggressionen ihres türkischen Partners befürchtet, der zugleich der Vater der zwei getöteten Kinder ist.

Im persönlichen Gespräch bei der Polizei hätten sich weder Anhaltspunkte für zurückliegende Straftaten des damaligen Lebensgefährten gegen die Mutter oder die Kinder noch Anhaltspunkte für akute Gefahren ergeben, die Sofortmaßnahmen notwendig gemacht hätten. Die Mutter sei umfassend beraten und für eine zukünftige Kontaktaufnahme mit der Polizei sensibilisiert worden, sagte die Sprecherin.

Nur wenige Wochen später kam es zur Eskalation. Als die Mutter am vergangenen Sonntag Verwandte in Jöllenbeck besuchte und Sohn und Tochter in der Obhut des Vaters in der ehemals gemeinsamen Wohnung an der Ziegelstraße zurück ließ, schnitt der Mann den Kleinkindern die Kehlen durch und trennte sich an beiden Armen die Adern auf.

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