So., 17.03.2019

Der frühere Senner Ortsheimatpfleger (81) tritt kürzer, schreibt aber weiter Bücher Hans Schumacher gibt Museumsleitung ab

Das Museum Osthusschule in Senne – hier der historische Klassenraum – haben Hans und Heide Schumacher maßgeblich mit aufgebaut. Nun ziehen sich die beiden aus der aktiven Museumsarbeit weitestgehend zurück.

Das Museum Osthusschule in Senne – hier der historische Klassenraum – haben Hans und Heide Schumacher maßgeblich mit aufgebaut. Nun ziehen sich die beiden aus der aktiven Museumsarbeit weitestgehend zurück. Foto: Peter Bollig

Von Peter Bollig

Bielefeld (WB). Hans Schumacher wird sich in Zukunft verstärkt seinen Kakteen widmen und Kunst allenfalls fürs eigene Heim sammeln. Die Leitung des Museums Osthusschule hat er abgegeben – aber ganz verabschieden will er sich aus der Einrichtung, die er 1995 mit gegründet hat, dann doch nicht.

Das Schulmuseum an der Senner Straße gehört zu den Aushängeschildern Sennes. Besucher können dort einen Klassenraum sehen, wie er für die Zeit um 1900 typisch war, können erleben, wie ein Dorfschullehrer aus den Jahrzehnten davor gelebt hat. Rund 30 Schulklassen aus der Region waren allein im vergangenen Jahr vor Ort, um von Hans Schumacher und anderen Lehrern im Stil des frühen 20. Jahrhunderts unterrichtet zu werden.

Drei Jahre lang renoviert und eingerichtet

Gemeinsam mit Volker Menzel entwickelte Hans Schumacher (81) die Idee, in dem früheren Jugendheim, vormals Schulgebäude aus dem Jahr 1895, ein Schulmuseum und Heimatarchiv einzurichten – auf der Grundlage der schulmusealen Sammlung Menzels und des Archivs das Schumacher für die siebenjährige Arbeit an den beiden Senne-Büchern (mit Horst Wasgindt) zusammengetragen hatte. Ab 2001 wurde ein altes Fachwerkhaus aus Oldentrup auf dem Gelände aufgebaut als Teil des Museums.

In der Aufbauarbeit steckte viel handwerkliche Eigenleistung, wie Hans Schumacher klar macht. Und seine Frau Heide (77) war stets an seiner Seite: als beide mit Volker Menzel drei Jahre lang das spätere Schulmuseum renovierten und einrichteten, und als das Fachwerkhaus aufgebaut wurde, da allerdings schon von zehn Aktiven des 1998 eigens gegründeten Fördervereins des Schulmuseums.

Dass in Senne die Heimatgeschichte erfasst, dokumentiert und der Öffentlichkeit präsentiert wird, ist maßgeblich Hans Schumacher zu verdanken. Der 81-Jährige war Sennes Ortsheimatpfleger von 1982 bis 2011, gehörte zu den Gründern des Heimatvereins Senne I 1982, dessen Vorsitzender er zwischenzeitlich war. Schumacher war auch Vorsitzender des Fördervereins des Museums Osthusschule und zugleich Leiter des Museums, seit 2015 dann aber nur noch Museumsleiter.

Archiv mit 800 Aktenordnern

Und woher kommt die Leidenschaft für Heimatgeschichte? »Ich bin ein Mensch, der gerne arbeitet«, sagt Hans Schumacher. Sein Lehramtsstudium habe zudem sein Interesse an Geschichte geweckt. Und auch sein Fach Biologie habe eine Nähe zur Heimatkunde. Viel zu tun gab es rund um das Museum – inzwischen mit 100 Mitgliedern im Förderverein, darunter zwölf Aktive – in der Tat reichlich: Neben dem Klassenraum verfügt es im Ergebnis heute über eine Ausstellung »Historisches Handwerk«, eine Lehr- und Lernmittelsammlung, Exponate zu bäuerlichem Leben und ein heimatkundliches Archiv in 800 Aktenordnern.

Schumachers Anspruch ist groß: »Wir leisten hier wissenschaftliche Arbeit.« Nicht selten kommen Studenten, um sich zu informieren. Und auch Bilder und Skulpturen sammelt das Museum. »Kunst gehört zur Heimatgeschichte«, ist er überzeugt, denn die Werke stammen von heimischen Künstlern oder zeigen Heimatliches.

Heide Schumachers Metier war unterdessen die Außengestaltung des Museums mit einem beachtlichen Rosengarten, einem Kräuter- und einem Staudengarten. Auch Apfelbäume mit alten Sorten finden sich in der Anlage – und seit einiger Zeit auch viele Skulpturen.

24 Bücher über Senne geschrieben

In Zukunft wird es vor allem der heimische Garten sein, um den sich die 77-Jährige kümmert. Und ihr Ehemann will sich einer alten Leidenschaft wieder zuwenden, die im Zuge der Museumsarbeit zu kurz gekommen sei: der Kakteenhaltung. »Das beheizbare Gewächshaus steht schon«, sagt Hans Schumacher.

Dass sie sich aus der aktiven Arbeit im Museum zurückziehen, sei vor allem der Gesundheit geschuldet, sagen die beiden. Hans Schumacher: »Das fällt uns schwer, aber wir haben hier viel gelernt und viel erlebt.« Die Museumsleitung hat der 81-Jährige in der jüngsten Versammlung an Harald Grundmann übergeben. Aber so ganz zurückziehen will er sich denn doch nicht. 24 Bücher rund um Senne hat Schumacher verfasst. Die nächsten drei sind schon in Arbeit.

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