So., 17.03.2019

Anzahl der Autofahrten in Bielefeld soll um die Hälfte reduziert werden Stillstand – so oder so

Die Anzahl der Autofahrten soll bis 2030 auf 25 Prozent aller Verkehrswege halbiert werden, beschloss die Ratsmehrheit.

Die Anzahl der Autofahrten soll bis 2030 auf 25 Prozent aller Verkehrswege halbiert werden, beschloss die Ratsmehrheit. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Bis 2030 soll der Anteil der Autofahrten auf ein Viertel des Gesamtverkehrsaufkommens sinken. Das beschloss die Ratsmehrheit und lehnte damit einen Antrag von CDU, FDP und »Bielefelder Mitte« zur Mobilitätsstrategie ab.

Obwohl die Pro- und Contra-Argumente mehrfach ausgetauscht worden waren, ließ sich keine Partei, keine Ratsgruppe ausbremsen im – vergeblichen – Versuch, die jeweils Andersdenkenden zu bekehren.

Hans-Jürgen Franz (SPD) sprach von einer unnötigen Dramatisierung, denn für ihn sei klar, dass es »für immer mehr Autos nicht auch immer mehr Straßen geben« könne. Die Folge wären »Stillstand und Verkehrskollaps«.

Stillstand und Verkehrskollaps, die redete auch Holger Nolte (CDU) herbei: weil Autoverkehr verdrängt, Fahrspuren zu Gunsten von 2,50 Meter breiten Radwegen eingezogen würden. Die Pendler seien der Paprika-Koalition, so Nolte, ohnehin egal. SPD, Grüne, Bürgernähe/Piraten wollten, so Nolte, »dazu zwingen, vom Auto auf ein anderes Verkehrsmittel umzusteigen«. Das aber lasse sich nicht durch Verbote, sondern nur durch eine Attraktivitätssteigerung des Umweltverbundes (Nahverkehr, Radfahren, zu Fuß gehen) erreichen.

Madrid als Beispiel

Hans-Jürgen Franz wiederum betonte, dass seine Partei keine Verbote im Sinn habe. Ziel müsse ein anderes Nutzungsverhalten der Verkehrsteilnehmer sein. Franz: »Wir können uns nicht weiter durchwursteln und hoffen, dass es gut geht.« Jens Julkowski-Keppler (Grüne) nannte als Hauptziele dafür, den Autoverkehr auf 25 Prozent zu halbieren, die Reduzierung der Schadstoffbelastung in der Luft und die Erhöhung der Attraktivität der Stadt: »Wir leisten es uns, die Fußgängerzone durch einen Verkehrsknoten, den Jahnplatz, zu teilen.« Nur eine Innenstadt ohne Autos, so Julkowski-Keppler, sei lebenswert.

Als Beispiel für seine These nannte er Madrid. Die spanische Hauptstadt habe in der Weihnachtszeit 2018 vom 1. Dezember bis zum 7. Januar den Innenstadtbereich für Autos gesperrt. Die Folgen seien ein Umsatzplus von 9,5 Prozent für den Einzelhandel und eine Schadstoffreduzierung um 71 Prozent gewesen. Der CDU warf er vor, mit ihrem Antrag der freien Wahl und der Gleichberechtigung der Verkehrsmittel »20 Jahre hinter der Zeit hinterher zu hinken«.

Barbara Pape (Bielefelder Mitte) dagegen forderte, die Einwohner Bielefelds sollten sich ohne Bevormundung für ein Verkehrsmittel entscheiden dürfen. Jan Maik Schlifter (FDP) sprach von einer »Superplanzahl«, die die Paprika-Koalition vorgebe mit 25 Prozent Autoverkehr und 75 Prozent Umweltverbund. Dabei gehe es der Koalition, so Schlifter, nur um Einschränkungen des motorisierten Individualverkehrs: »Hier wird mit Halbwahrheiten gearbeitet.«

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