So., 17.03.2019

Aber in Bielefeld gibt es Streit um den Weg, Mediziner zu gewinnen Hausärzte willkommen

Die Dienste der Hausärzte werden gebraucht, doch es fehlen Allgemeinmediziner.

Die Dienste der Hausärzte werden gebraucht, doch es fehlen Allgemeinmediziner. Foto: dpa

Von Michael Schläger

Bielefeld (WB). Der Rat hat ein Konzept zur Verbesserung der haus- und kinderärztlichen Versorgung in Bielefeld beschlossen. Der CDU geht es nicht weit genug.

»Da ist zu wenig Herzblut drin«, sagte Michael Weber, sozialpolitischer Sprecher der Union. Die CDU forderte einen »Kümmerer« bei der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Wege, der interessierten Medizinern bei der Ansiedlung in Bielefeld behilflich ist. Dessen Arbeit solle über die Unterstützung bei der Praxisansiedlung hinausgehen. Er solle den Medizinern auch helfen, eine Wohnung zu finden oder Kita-Betreuung, wenn Papa oder Mama als Ärzte Notdienst leisten müssten. »In anderen Städten wird längst so verfahren«, sagte Weber.

»Wir dürfen uns nicht auf einen Überbietungswettbewerb einlassen«, meinte dagegen Joachim Hood (Grüne), Vorsitzender des Sozialausschusses. Er warb für das von der Verwaltung vorbereitete und vom Paprika-Bündnis aus SPD, Grünen und Piraten/Bürgernähe ergänzte Konzept, das unter anderem Bürgschaften vorsieht, wenn Ärzte Medizinische Versorgungszentren oder Gemeinschaftspraxen gründen wollen. »Weitere Forderungen und Privilegien dürfen wir nicht erfüllen«, ergänzte auch Sylvia Gorsler (SPD).

»Die Vorschläge der Ratsmehrheit gehen nicht weit genug«, sagte dagegen Jasmin Wahl-Schwentker (FDP), und Dorothea Becker (Bielefelder Mitte) hob die Bedeutung weicher Standortfaktoren hervor, die für die Ansiedlung oft entscheidend seien könnten: »Wir müssen weg vom Graue-Maus-Image.«

Joachim Ridder-Wilkens (Linke) hielt den Paprika- und Verwaltungsvorschlag dagegen für ausreichend, den Ärztemangel zu bekämpfen. Denn noch gebe es keine ausgebildeten Ärzte der neuen Medizin-Fakultät an der Uni. Michael Gugat (Piraten/Bürgernähe) verwies auf das Beispiel Wolfsburg, wo die Stadt immer mehr Geld bieten musste, um Mediziner zu gewinnen. »Das geht nicht.«

Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist der Hausarzt-Bedarf in Bielefeld und den Nachbarkommunen zu 97 Prozent gedeckt. Von einer Unterversorgung wird erst bei einem Versorgungsgrad von 75 Prozent gesprochen. Lediglich Sennestadt und Senne hatte die KV in ein gesondertes Förderverzeichnis aufgenommen. Doch diesen Zahlen stehen andere gegenüber: Aktuell fehlen bereits 40 Hausärzte, weitere 100 stehen kurz vorm Rentenalter oder praktizieren über die Altersgrenze hinaus weiter.

Dr. Wolfgang Aubke, Vorsitzender des Seniorenrates und selbst Mediziner, warb denn auch dringend für einen »Vorratsbeschluss«: »Die Kommune muss eingreifen. Dabei geht es nicht darum, Besserverdienenden Geld in den Rachen zu werfen, sondern zusätzliche Handlungsoptionen für die Zukunft zu schaffen.«

Detlef Helling (CDU) wies auf einen Widerspruch hin: Als Geschäftsführerin der Wege habe Brigitte Meier die Einrichtung einer Kümmerer-Stelle abgelehnt. Doch Uwe Borchers vom Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft (ZIG) habe genau solch eine Position für Ostwestfalen-Lippe gefordert. Meier sei auch beim ZIG als Geschäftsführerin tätig.

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