Mi., 20.03.2019

IHK: keine großen Erwartungen an 2019 – Dienstleistungen gefragt Schlechte Stimmung im Handel

Insbesondere der Bekleidungs- und Schuhhandel hat 2018 gelitten. Die Beschäftigtenzahl bewegt sich in Ostwestfalen seit vielen Jahren auf einem stabilen Niveau über 100.000.

Insbesondere der Bekleidungs- und Schuhhandel hat 2018 gelitten. Die Beschäftigtenzahl bewegt sich in Ostwestfalen seit vielen Jahren auf einem stabilen Niveau über 100.000. Foto: imago

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld (WB). Bei den Händlern in Ostwestfalen will derzeit keine Frühlingsstimmung aufkommen. Nach Angaben der IHK befinden sich die Erwartungen an das neue Geschäftsjahr auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren.

Während die aktuelle Lage bei der jüngsten Konjunkturumfrage im Durchschnitt noch als zufriedenstellend eingestuft wird, zeigt die Kurve bei den Erwartungen in der Branche deutlich nach unten. Das gelte, wie Rainer Döring, der Vorsitzende des IHK-Handelsausschusses erklärt, außer für die Bekleidungs- und Schuhgeschäfte auch für den Kfz-Handel. Hier schlügen sich der schleppende Gebrauchtwagenmarkt und drohende Fahrverbote negativ nieder.

Wie Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des OWL-Handelsverbandes, am Dienstag auf Anfrage sagte, wirkten sich im Textilhandel nicht nur die schlechten Verkaufszahl von 2018 aus. Auch die kritische Entwicklung bei einigen ostwestfälischen Herstellern wie Ahlers, Seidensticker und allen voran Gerry Weber sei nicht dazu angetan, die Stimmung aufzuhellen. Der Onlineanteil erreiche im Modehandel 25 bis 28 Prozent.

Fachkräftemangel als größter Risikofaktor

Von den 714.694 Beschäftigten in der ostwestfälischen Wirtschaft arbeitet heute noch jeder siebte im Handel. Insgesamt ist die Beschäftigtenzahl seit 2000 leicht gestiegen, während sie sich im Dienstleistungsbereich im gleichen Zeitraum um 46 Prozent erhöhte. In der Industrie ging sie in der ersten Zeit nach dem Jahr 2000 zurück, stieg aber zuletzt wieder um mehr als 5000 Stellen.

Im Dienstleistungsbereich schätzen die Firmen die aktuelle Lage und ihre Erwartungen zwar ebenfalls etwas schlechter ein als vor einem halben Jahr. Unterm Strich sei die Stimmung aber deutlich positiver als im Handel, stellt IHK-Vizepräsident Holger Piening fest. Dies gelte insbesondere für IT-Dienstleister und in der Arbeitnehmerüberlassung. Beide litten aber weiter unter Fachkräftemangel. Die Zeitarbeitsfirmen stellen insoweit eine Ausnahme dar, als hier gegenwärtig die Erwartungen besser seien als die Einschätzung der gegenwärtigen Lage.

Dass auch im Dienstleistungsbereich nicht überall die Sonne scheint, zeigt sich beim Blick auf die Banken. Die Mehrzahl der Geldinstitute gibt an, dass sie im diesem Jahr vermutlich Personal reduzieren muss. Auch in den Sektoren Werbung und Güterkraftverkehr zeigen die Konjunkturindikatoren aktuell nicht nach oben.

So sehr der Fachkräftemangel weiter als größtes Risiko für die Konjunktur eingestuft wird, so schieben sich auf der anderen Seite doch auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen nach vorne. Sowohl im Handel als auch im Dienstleistungsbereich belegen sie inzwischen Platz 2. Offenbar drücken der Brexit und die Einschränkungen im Welthandel stärker als in der Vergangenheit. Die wenigsten Sorgen machen sich ostwestfälische Unternehmen demnach um Finanzierungsfragen und Wechselkursrisiken.

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