Fr., 22.03.2019

Rudolf Louis Schweizer neuer Beiratschef – Kann er den Streit schlichten? August Oetkers Neffe übernimmt

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). Die Spitze des mächtigen Beirats als Kontroll-, Veto- und Beratungsgremium des Bielefelder Oetker-Konzerns bleibt in Familienhand: Auf August Oetker, der nach seinem 75. Geburtstag den Posten als Vorsitzender des Gremiums abgeben musste, folgt wie berichtet dessen Neffe Rudolf Louis Schweizer (51) . Ob seine Wahl zur Befriedung des Familienstreits führt, bleibt abzuwarten.

Der sieben Mitglieder umfassende Beirat – Vertreter der drei Familienstämme sowie vier Persönlichkeiten aus der Wirtschaft – wählte den Vorsitzenden gestern aus seiner Mitte. Neben Schweizer und August Oetker ist Alfred Oetker als Beiratsvize der dritte Familienvertreter. Dem Gremium gehören zudem Andreas Jacobs aus der Kaffeedynastie an, Otto-Aufsichtsrat Hans-Otto Schrader, Christoph von Grolman (Chef der Investmentgesellschaft TBG und Tengelmann-Aufsichtsratschef) und Anna Maria Braun vom Medizintechnikkonzern B. Braun.

Der Stammbaum der Familie Oetker und die wichtigsten Gremien des Bielefelder Konzerns. Jeder der acht Abkömmlinge des 2007 verstorbenen Patriarchen Rudolf-August Oetker erbte einst 12,5 Prozent der Anteile. Zum Teil sind diese schon in der Familie weitergegeben. Jeder der drei Stämme entsendet zudem einen Vertreter in den Beirat, dem auch vier externe Wirtschaftsgrößen angehören. Die Leitung des operativen Geschäfts der Oetker-Gruppe liegt derzeit in den Händen von drei familienfremden Managern. Foto: Thomas Lunk

Ob die Wahl einstimmig ausfiel, wurde nicht bekannt. Schweizer ist nach dem 2007 verstorbenen Firmenpatriarchen Rudolf-August Oetker, seiner Mutter Rosely Schweizer und August Oetker das vierte Familienmitglied in Folge an der Beiratsspitze.

Der 51-Jährige ist seit 2010 Gesellschafter des Oetker-Konzerns. Seit 2012 gehört er dem Beirat an, der strategischen Entscheidungen wie dem Verkauf der Reederei Hamburg Süd im Jahr 2017 zustimmen muss. Der Diplom-Kaufmann war von 1996 bis 2012 Geschäftsführer der väterlichen Unternehmensgruppe, einem in der Region Stuttgart ansässigen Autozulieferer. Danach war er bis zum Verkauf der Gruppe 2015 in deren Beirat tätig. Ende 2018 meldete die Schweizergroup Insolvenz an.

Atmosphärische Herausforderungen lösen

Neben unternehmerischen Aufgaben hat Schweizer atmosphärische Herausforderungen zu lösen. Innerhalb der Familie schwelt seit Jahren ein Streit: Die Kinder aus der dritten Ehe von Rudolf-August Oetker – Alfred, Carl Ferdinand und Julia – fühlen sich von ihren älteren Halbgeschwistern seit Jahren kleingehalten. Sowohl Alfred als auch Carl Ferdinand werden Ambitionen auf einen Posten in der Leitung der Gruppe nachgesagt. Der Weg an die Spitze blieb beiden aber bislang verwehrt. Stattdessen leitet in Albert Christmann seit 2017 erstmals ein externer Manager die Firmengruppe.

Alfred Oetker hatte im Juli 2017 im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT beklagt, dass kein Familienvertreter mehr an der Konzernspitze aktiv ist. Das sei gegen den Willen seines Vaters und auch weder mit dem Gesellschaftervertrag noch den Unternehmensstatuten vereinbar.

Offener Streit zum Jahreswechsel

Rund um den Jahreswechsel brach der Streit offen aus . Er entzündete sich neu an der Wahl von Anna Maria Braun in den Beirat . Die drei jüngeren Vertreter der vierten Generation stimmten in der Gesellschafterversammlung gegen Braun. August Oetker wertete als Versammlungsleiter das Stimmverhalten als »treuwidrig« und erklärte die Wahl für gültig. Daraufhin reichten Alfred, Carl Ferdinand und Julia Oetker im Januar Klage ein. Der Familienstreit droht erstmals vor einem Gericht ausgetragen zu werden. Das soll nach Kräften vermieden werden. Beide Seiten wollen nun außergerichtlich eine Lösung suchen.

Schweizer votierte bei der umstrittenen Wahl Brauns zusammen mit den Vertretern des zweitältesten Familienstammes. Vom Alter liegt das Mitglied der fünften Generation dabei den Geschwistern Alfred, Carl Ferdinand und Julia Oetker deutlich näher als August Oetker. Der muss sich zum Monatsende ganz aus dem Beirat zurückziehen. Seinen Platz könnte sein Sohn Philip Oetker (45) einnehmen. Der arbeitet als Manager bei Hamburg Süd. Den Verkauf der Reederei hatten vor allem die drei Jüngeren gefordert – gegen August Oetkers Willen.

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