Alexandra Reck gewinnt Silber bei Special Olympics Games
Ein glanzvolles Abenteuer

Bielefeld (WB). Alexandra Reck strahlt übers ganze Gesicht: Mit unvergesslichen Erlebnissen und einer Silbermedaille im Gepäck ist die Golferin und Schülerin der Mamre-Patmos-Schule in Bethel von den Special Olympics World Games in Abu Dhabi in die Heimat zurückgekehrt.

Dienstag, 26.03.2019, 12:15 Uhr aktualisiert: 26.03.2019, 12:50 Uhr
Für Deutschland erfolgreich: Voller Stolz präsentiert Alexandra Reck ihre Silbermedaille, die die Golferin bei den Special Olympics World Games in Abu Dhabi gewonnen hat. Foto: Bernhard Pierel
Für Deutschland erfolgreich: Voller Stolz präsentiert Alexandra Reck ihre Silbermedaille, die die Golferin bei den Special Olympics World Games in Abu Dhabi gewonnen hat. Foto: Bernhard Pierel

Das silberne Edelmetall baumelt glänzend um ihren Hals, als die 17-Jährige von ihrer großen Reise in die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate berichtet. »Alles war toll«, sagt Alexandra. Und das Beste kam zum Schluss. Nachdem sich die Mamre-Patmos-Schülerin in dem viertägigen Wettkampf von Tag zu Tag und Schlag zu Schlag gesteigert hatte, stand sie plötzlich auf dem Podium. Und das als zweitjüngste Teilnehmerin im Golf-Wettbewerb. Mit 231 Punkten holte Alexandra Reck die Silbermedaille für Deutschland – nur sechs Punkte fehlten zu Gold, das an eine Sportlerin aus Macau ging.

Abschlag macht am meisten Spaß

»Damit war wirklich nicht zu rechnen«, betont Trainer Bradley Kerr. Der »Pro« des Bielefelder Golfclubs betreute in Abu Dhabi das vierköpfige deutsche Golfteam als Head-Coach.

Alexandra Reck startete bei den Special Olympics World Games, den sportlichen Weltspielen für Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung, im Level I – einem Geschicklichkeits-Wettbewerb. Dabei mussten die etwa 120 Teilnehmer verschiedene Schläge bestmöglich absolvieren: Short-Putt, Long-Putt, Chipschlag, Pitchschlag, möglichst weite Schläge mit einem Eisen- und einem Holzschläger standen auf dem Programm. »Und Alexandra hat sich trotz der Aufregung kontinuierlich gesteigert«, berichtet Bradley Kerr.

Das sei umso bemerkenswerter, weil die Belastungen sehr hoch waren. »Das war ein echter Stresstest. Die Sportlerinnen standen bis zu dreieinhalb Stunden am Tag auf dem Platz. Hinzu kamen das warme Wetter, lange Pausen und der riesige Platz.« Alles Neuland für Alexandra Reck und ihre Mitstreiterinnen, aber ganz offenbar kein Problem für die Bielefelderin. »Am meisten Spaß macht der Abschlag«, erklärt das Golftalent der Mamre-Patmos-Schule.

»Ein tolles Miteinander«

Auch außerhalb des weltbekannten Turnierplatzes »Yas Links« sammelte die Sportlerin während ihres 14-tägigen Aufenthalts zig neue Erfahrungen. Allein die Eröffnungsfeier vor 40.000 Zuschauern im Stadion von Abu Dhabi sei »gigantisch« gewesen, wie Friederike Reck zu berichten weiß. Alexandras Mutter begleitete ihre Tochter während der Wettkampftage. »Wir waren mit Eltern anderer Nationen in Familienhotels untergebracht. Das war ein tolles Miteinander. Jeder freut sich für jeden.«

Bei einem »arabischen Abend« durfte Alexandra sogar einen Falken streicheln. »Ich bin ja mutig«, sagt sie voller Stolz. Eine Athleten-Disco, neue Golf-Schuhe mit der Aufschrift »Abu Dhabi 2019«, ein Empfang in der Deutschen Botschaft, ein Besuch der achtgrößten Moschee der Welt (Scheich-Zayid-Moschee) oder ein auf dem Unterarm aufgemaltes Tattoo werden Alexandra Reck ebenso in Erinnerung bleiben. So ganz nebenbei gab’s auch noch ein kurzes Treffen mit Bob Beamon, dem legendären Weitsprung-Olympiasieger von 1968. Insgesamt traten bei den Weltspielen in Abu Dhabi mehr als 7000 Sportlerinnen und Sportler aus 170 Nationen in 24 Disziplinen an. Die deutsche Delegation umfasste 229 Teilnehmer.

Internationale Begegnung

»Wir alle sind sehr stolz«, fügt Klaus-Hermann Bunte, stellvertretender Schulleiter der Mamre-Patmos-Schule, an. Es war bereits das sechste Mal, dass die Förderschule aus Bethel an den Weltspielen für Menschen mit geistiger Behinderung teilgenommen hat. Bunte: »Und es ist jedes Mal ein tolles Ereignis. Die Weltspiele sind eine internationale Begegnung, eine außergewöhnliche Veranstaltung, bei der es auch um Gesundheit und Familie geht.«

Vor vier Jahren hat Alexandra Reck, die mit Down-Syndrom geboren wurde, ihre Begeisterung für Golf entdeckt. »Sie hat sehr viel Talent«, versichert Bradley Kerr. Dank der Kooperation zwischen dem Bielefelder Golfclub und der Betheler Mamre-Patmos-Schule trainiert Alexandra ein bis zweimal in der Woche unter der Anleitung des erfahrenen Coaches aus Schottland. Finanziell unterstützt wird die Golf-AG, die seit 2001 angeboten wird, von der Steinhagener Firma Hörmann.

Und das nächste Ziel ist auch schon umrissen. In vier Jahren finden die Special Olympics World Games in Berlin statt, und dann soll Alexandra Reck (»Ich mache auf jeden Fall weiter mit Golf«) in einem höheren Level wieder dabei sein. Bis dahin wird die Familie Reck die Silbermedaille von Abu Dhabi im heimischem Wohnzimmer noch häufig in Händen halten – als Beleg für ein unvergessliches, glanzvolles Abenteuer...

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