Sa., 30.03.2019

Kein Schild weist zum Provisorium – Fertigstellung mit Verspätung Bielefelder Radstation: »Öffnungszeiten sind empörend«

Übergangs-Radstation: Radfahr-Verbände kritisieren fehlende Hinweisschilder und »empörende« Öffnungszeiten.

Übergangs-Radstation: Radfahr-Verbände kritisieren fehlende Hinweisschilder und »empörende« Öffnungszeiten. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Es ist das Provisorium fürs Provisorium der Radstation. Und das, beklagen die Radfahr-Verbände, sei dazu noch praktisch unauffindbar.

Nach dem Abriss der alten Radstation unmittelbar im Hauptbahnhof Ende Januar wurden vorübergehend Räume in der früheren Post an der Nahariyastraße mit Platz für 60 Räder von der Stadt gemietet, denn die Räume mit 200 Stellplätzen im selben Gebäude sind, anders als angekündigt, nicht fertig.

»Nur Eingeweihte finden dorthin«, sagt Bernd Küffner als Sprecher des VCD (Verkehrsclub Deutschland). Deshalb, ergänzt VCD-Vorstand Martin Schmelz, habe man Hinweisschilder entwerfen lassen, »als Anregung für die zuständige Stadtverwaltung«.

Die Verkehrsbetriebe Mobiel, Betreiber der Radstation, bestätigen, dass die Übergangs-Radstation Mitte März fertiggestellt sein sollte. Jetzt dauere es noch einmal vier Wochen, weil der Umbau aufwändiger sei als geplant. So dauerten die Betonschneidearbeiten länger als kalkuliert. Es müsse ein Zugang in den Keller gebaut werden, wo die Räder abgestellt werden sollen. Michael Schem hofft, dass wie versprochen, tatsächlich eine Rampe gebaut werde und keine »Treppe mit Schieberinne«: »Dann könnten Radler, die mit Anhänger oder Liegendrad unterwegs sind, die Radstation gar nicht nutzen.«

»Ich lebe ohne Auto, brauche den Zugriff rund um die Uhr.«

Ärgernis aktuell: die Öffnungszeiten im Provisorium für das Provisorium in der ehemaligen Post-Schalterhalle. Diese Übergangs-Radstation ist nur von 6 bis 10 Uhr und von 14 bis 19 Uhr geöffnet, Kunden geben ihre Räder ab und erhalten eine Nummer, gegen deren Vorlage sie ihr Zweirad wieder abholen können.

Sigrid Domm, Nutzerin der Radstation seit rund 25 Jahren, meint: »Die Öffnungszeiten sind empörend. Ich lebe ohne Auto, brauche den Zugriff rund um die Uhr.« Almut Lenz sagt, dass sie ausschließlich mit dem Rad unterwegs sei, Dienstreisen aber mit der Bahn mache: »Wenn ich mittags oder nach 19 Uhr mein Rad abholen will, stehe ich vor verschlossenen Türen.« Mobiel verspricht, dass mit Fertigstellung der Zwischenlösung Kunden künftig ihre Räder wieder selbst zu jeder Tages- und Nachtzeit abstellen und -holen können, weil dann wieder die Radstationskarte nutzbar sei.

Gutachter beauftragt

Die alte Radstation hatte 340 Stellplätze, das Provisorium bekommt 200. Mobiel betont, dass diese Anzahl für die 190 Abo-Kunden ausreichen würde. Die Kapazität der alten Radstation werde erst Mitte des Jahres erreicht. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen an der Nahariyastraße auf dem Mittel-Parkstreifen eine gesicherte Abstellanlage (»Fahrradkäfig«, zwölf mal acht Meter groß) und auf der Westseite des Bahnhofs, rechts und links der Joseph-Massolle-Straße, zwei weitere dieser Anlagen errichtet werden. Die Gesamtzahl der Stellplätze beträgt 140.

Martin Schmelz bezweifelt, dass die »Fahrradkäfige« schon bestellt worden sind. Er wisse, dass die Beton-Fundamente erst dann gegossen werden, wenn das Lieferdatum der Abstellanlagen feststehe. Dass der Bedarf für mehr sichere Abstellplätze für Fahrräder da ist, sei jeden Tag vor und hinter dem Hauptbahnhof zu beobachten, sagt VCD-Vorstandsmitglied Bärbel Mörchen. »Es ist so gut wie unmöglich, einen Platz zu finden, an dem ein Fahrrad angeschlossen werden kann.«

Geplant ist der Bau eines neuen Fahrradparkhauses, vermutlich an alter Stelle, aber auf kleinerer Grundstücksfläche, weil die Deutsche Bahn Lagerplatz benötigt. Dafür soll in die Höhe gebaut werden. Die Stadt hatte einen Gutachter beauftragt, den Bedarf an sicheren und trockenen Zweiradstellplätzen am Hauptbahnhof zu benennen: Er soll als Minimum 1000 angegeben haben.

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