Do., 04.04.2019

Täter erbeuten Geld – Polizei sucht Zeugen – Entschärfer bergen Gasflaschen. Mit Video Schon wieder: Geldautomat gesprengt

Der Vorraum der Bankfiliale ist total verwüstet, Kabel liegen zwischen Geldscheinen herum, die Decke hängt herunter. Im Hintergrund liegt eine der Gasflaschen der Täter.

Der Vorraum der Bankfiliale ist total verwüstet, Kabel liegen zwischen Geldscheinen herum, die Decke hängt herunter. Im Hintergrund liegt eine der Gasflaschen der Täter. Foto: Christian Müller

Bielefeld (WB/cm/hz). Erneut haben unbekannte Täter einen Geldautomaten der Commerzbank in Bielefeld gesprengt. Die Detonation ereignete sich in der Nacht zu Donnerstag in der Filiale an der Stapenhorststraße 58 unweit des Polizeipräsidiums. Die Täter sind mit Bargeld auf der Flucht. Die nächtliche Fahndung der Polizei unter anderem mit einem Hubschrauber blieb erfolglos.

Gegen 3.35 Uhr schlugen Zeugen über Notruf 110 im nur 800 Meter entfernten Polizeipräsidium Alarm: An der Stapenhorststraße war soeben ein Geldautomat gesprengt worden. Den zweiten Geldautomaten der Commerzbank-Filiale attackierten die Täter Polizeiangaben zufolge nicht. Die Kriminellen rasten auf einem Motorroller oder Motorrad davon. »Es wurde Geld erbeutet«, bestätigte Polizeisprecher Michael Kötter auf Anfrage. Zur Höhe der Beute sagte er aus ermittlungstaktischen Gründen nichts. Von der Commerzbank hieß es, dass man sich grundsätzlich nicht zu polizeilichen Ermittlungen äußere.

Die Täter hinterließen am frühen Donnerstag eine völlig verwüstete Bankfiliale. Im Vorraum mit dem gesprengten Geldautomaten lagen Zehn- und 20-Euro-Scheine zwischen Trümmern des Gerätes sowie sonstiger zerstörter Inneneinrichtung herum. Die Decke hing herunter. Auf dem Boden waren Kabelreste zu sehen. Die große, massive Scheibe zwischen Vorraum und Kundenbereich der Filiale wurde ebenso zerstört wie die dicke Sicherheitsverglasung an der Straße. Der Gehweg vor der Bank ist auf voller Breite von Glassplittern übersät. Die Tür zum Kreditinstitut hängt verbogen an den Resten ihrer Befestigung.

Zum offenbar mindestens fünfstelligen, wenn nicht gar sechsstelligen Sachschaden in der Bank-Zweigstelle gibt es ebenfalls keine Angaben. »Die Filiale an der Stapenhorststraße ist geschlossen. Bargeldabhebungen am Automaten und Kundenberatungen sind nicht möglich. Ich kann derzeit nicht sagen, wann wieder geöffnet wird«, erklärt Commerzbank-Sprecherin Sonja Habig. Die Sprecherin verweist die Kunden aus dem Bielefelder Westen auf die Commerzbank-Filiale am Jahnplatz.

Bei der Sprengung setzten die mit Sturmhauben maskierten Täter offenbar zwei Gasflaschen ein, die in der Bankfiliale zurück blieben. Weil die von den Flaschen weiterhin ausgehende Explosionsgefahr zunächst nicht eingeschätzt werden konnte, verzögerte sich die Spurensicherung am Tatort. Die Bielefelder Kripo musste zur Bergung der Behälter auf Entschärfer der Polizei warten. Am späten Vormittag war die Gefahr schließlich gebannt. Anschließend begannen Kripoexperten der Spurensicherung mit der Tatortaufnahme.

Zeugen sehen Männer auf Motorroller – ähnlich wie im August 2018

Aktuell liegen den Ermittlern der Kriminalpolizei Hinweise zu einem weißen Transporter vor, der zur Tatzeit am frühen Donnerstagmorgen in Höhe der Bankfiliale zwischen West- und Humboldtstraße gestoppt haben soll. Der Autofahrer gilt als wichtiger Zeuge, der die auf einem Motorroller oder Motorrad flüchtenden Täter gesehen haben könnte. Der Transporterfahrer wird gebeten, sich umgehend bei der Polizei, Kriminalkommissariat 12, unter Tel. 0521/5450 zu melden.

Weitere Zeugen der Automatensprengung hatten am Donnerstag gegen 3.35 Uhr zwei Männer beobachtet, die nach der Detonation mit einer großen Tasche auf einem Motorroller oder Motorrad von der Stapenhorststraße stadtauswärts rasten und nach links in die Humboldtstraße in Richtung Wertherstraße verschwanden. Die beiden Tatverdächtigen waren dunkel gekleidet und trugen Sturmhauben. Die auf einem motorisierten Zweirad flüchtenden Täter waren dunkel gekleidet und trugen Sturmhauben, sagte Polizeisprecher Michael Kötter. Die Polizei schließt nicht aus, dass die Kriminellen wenig später von ihrem Krad in ein Fluchtauto umgestiegen sind. Zeugen sollten sich umgehend melden.

Ein Fall mit ähnlicher Vorgehensweise hatte sich im August in Bielefeld-Heepen ereignet: Damals flüchtete ein Krimineller nach der Sprengung eines Geldautomaten in einer SB-Filiale der Deutschen Bank ebenfalls mit einem Motorroller. Die Tat gilt bis heute als nicht aufgeklärt.

Polizei hat den Bereich um die Bank gesperrt, die Straßen sind frei

Die Polizei sperrte nach der Sprengung am Donnerstag zur Tataufnahme den Gehweg vor der Bank ab, die Fahrbahnen der Stapenhorststraße blieben jedoch

frei.

Die Tat von der Stapenhorststraße war die mittlerweile zweite Sprengung eines Commerzbank-Geldautomaten in Bielefeld innerhalb von 13 Tagen. Erst am 22. März war im Bielefelder Stadtteil Sieker ein Geldautomat in die Luft gejagt worden. Die Täter flüchteten in einem Auto und wurden bislang nicht gefasst.

Die Sprengung von Commerzbank-Geldautomaten in Bielefeld hat inzwischen traurige Tradition. Der erste Fall datiert vom 30. Dezember 2015. Damals traf es die Filiale am Sennestadtring. Auch hier ist über die Identität der Täter nie etwas bekannt geworden.

Kommentare

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Irgendwann zerreists nochmal 'nen Unschuldigen. Da muss der Gesetzgeber ran. Die Banken haben mal wieder 'nen Igel in der Tasche. Es gibt technische Systeme die das lösen, ja ggf. müssen ALLE Geldautomaten ausgetauscht/nachgerüstet werden. Das will jedoch keine Bank zahlen, also muss Zwang her. Am Hungertuch nagen die Banken deswegen bestimmt nicht. Wenn alle Automaten nachgerüstet sind, spricht sich das schnell unter den "Clienten" rum. In den Niederlanden/Belgien hat man das wohl auch mit Nachrüstungen von Farbpatronen hinbekommen.

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