Sa., 06.04.2019

Pro und Contra zum Jahnplatz Diskussion um Verkehrsknoten

Der Bielefelder Jahnplatz.

Der Bielefelder Jahnplatz. Foto: Oliver Schwabe

Bielefeld (WB). Die Diskussion um die Zukunft des Jahnplatzes ebbt nicht ab. In der vergangenen Woche hat der Stadtentwicklungsausschuss mit knapper Mehrheit der Paprika-Koalition die nächsten Schritte auf den Weg gebracht. Die Opposition fordert ein Verkehrsgesamtkonzept. Pro- und Contra-Kommentare von Burgit Hörttrich und Michael Schläger.

Ausprobieren statt taktieren

Von Burgit Hörttrich

Er steht für die autogerechte Stadt. Eine Stadt, die Menschen unter die Erde schickt, um dem Auto freie Fahrt zu ermöglichen: Der Jahnplatz trennt, statt zu verbinden. Endlich soll das anders werden, wenn auch nicht konsequent bis zur Verbannung von Autos. Kann aber noch kommen. Denn so, wie die Abbindung des Niederwalls als nicht machbar galt und inzwischen allgemein geschätzt wird, so wird ein Jahnplatz mit wenig Verkehr und mehr Aufenthaltsflächen gewürdigt werden.

Menschen, die bummeln, die einkaufen wollen, wollen nicht stets und ständig auf Autos achten müssen. Und ja, es gibt zu Spitzenzeiten Staus auf den Ausweichstrecken. Die sind trotz der Großbaustellen (Unterführungen, Heeper Straße, demnächst August-Bebel-Straße) geringer als zu erwarten gewesen wäre. Ursache Nr. 1: immer mehr und immer größere Autos und der Anspruch, jederzeit überall bis an die Haustür fahren zu können. Nach einem Gesamtverkehrskonzept zu rufen, ist Hinhaltetaktik. Was soll ein solches Konzept bringen? Autofahrer unter Zwang zu leiten? Anreize wie Park & Ride oder günstige Fahrkarten bringen auf Dauer mehr. Zum Beispiel einen autofreien Jahnplatz.

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Von Michael Schläger

Dem Jahnplatz droht das gleiche Schicksal wie dem Kesselbrink. Auch dort mussten binnen kurzer Zeit Fördermillionen ausgegeben werden, damit sie nicht verfielen. Herausgekommen ist nichts Halbes und nichts Ganzes, weil man sich für die Planung nicht genug Zeit lassen konnte. Der Platz wurde erst bejubelt, dann zum Problemfall . Der Jahnplatz eines Tages autofrei – das wäre ein schöner Traum. Aber dann müsste ein schlüssiges Konzept vorliegen, wo der Verkehr künftig fließen soll und wie die Innenstadt erreichbar bleibt. Ein solches Konzept gibt es nicht.

Stattdessen ist die Antwort auf steigende Zulassungszahlen bei Kraftfahrzeugen die Verknappung von Verkehrsraum und mehr Probleme dort, wo sich der Verkehr dann zwangsläufig ballt. Kein Wunder, dass Bielefeld zunehmend Pro­bleme mit Stickstoffdioxid- und CO2-Belastung bekommt. Die Kreuzstraße ist die nächste, die die Grenzwerte reißen wird. Zwar wird der Jahnplatz nun um ein Dieselfahrverbot herumkommen, aber das ist nur die Folge einer Verdrängung von Verkehr. Die Anwohner der Turnerstraße können ein Lied davon singen, was es heißt, wenn eine schmale Innenstadtstraße zur Hauptstraße mutiert.

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