Di., 09.04.2019

Rinderzüchter in Bielefeld glaubt an ein durchziehendes Raubtier als Verursacher Kalb zerrissen – war es ein Wolf?

Auf dem Gelände der Rieselfelder – nahe der Biologischen Station in Senne – züchtet Andreas Krumme British-Longhorn-Rinder.

Auf dem Gelände der Rieselfelder – nahe der Biologischen Station in Senne – züchtet Andreas Krumme British-Longhorn-Rinder. Foto: Peter Bollig

Von Peter Bollig

Bielefeld (WB). Hat zum ersten Mal seit der Rückkehr des Wolfs eines der Raubtiere auch in Bielefeld ein Nutztier gerissen? An­dreas Krumme, Besitzer einer Rinderherde im Stadtteil Senne, ist alarmiert, nachdem ein neugeborenes Kalb zerrissen auf seiner Weide lag.

Er glaubt an einen durchziehenden Wolf als Verursacher. Michael Schulte, für Bielefeld zuständiger Luchs- und Wolfsberater des Landes, ist skeptisch, hat aber Spuren gesichert.

Wirbelsäule durchtrennt

Das 15 bis 20 Kilo schwere Kalb hat einer seiner Mitarbeiter am Samstagmorgen auf der Weide der Rieselfelder Windel gefunden, als er die seltene British-Longhorn-Herde füttern wollte. Das erst wenige Stunden zuvor geborene Kalb wurde in zwei Hälften zerrissen, die Wirbelsäule durchtrennt.

Die Eingeweide wurden gefressen. Andreas Krumme, der eine Jagdpacht in Mecklenburg-Vorpommern besitzt, hat, wie er sagt, dort schon Wölfe gesehen – und auch das, was sie anrichten können. Er ist sicher: Ein Wolf hat sein Kalb so zugerichtet. Den einen Meter hohen Zaun könne er überspringen, und ein Wolf sei auch in der Lage, eine Wirbelsäule durchzubeißen. Seine Tochter, die neben der Weide wohnt, habe dort schon 2018 einen Wolf gesehen.

War es eine Totgeburt?

Bislang, sagt Wolfsberater Michael Schulte, habe es zwar gelegentlich Hinweise auf Wölfe in Bielefeld gegeben, aber noch keine nachgewiesene Sichtung. Er hält es für möglich, dass das Kalb als Totgeburt zur Welt kam. Auch ein Fuchs oder ein Wildschwein seien in der Lage, sich in dieser Weise über das tote Tier herzumachen. Sollte das Kalb noch gelebt haben, und würde ein Wolf als Verursacher festgestellt, wäre es der erste Riss durch einen Wolf in Bielefeld.

Michael Schulte hat Proben am Kadaver des Kalbs gesichert, dazu Kot eines Tieres, der auf der Weide gefunden wurde. Die Proben werden dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zugeleitet, um sie auf DNA-Spuren untersuchen zu lassen. Nur sie können Aufschluss darüber geben, ob es ein Wolf war.

Ganz ausschließen will dies auch der Wolfsberater nicht. Der Truppenübungsplatz Senne, inzwischen offizielles Wolfsgebiet, ist nicht weit. Dort wurde zuletzt im September 2018 ein Wolf nachgewiesen. Grundsätzlich sei jetzt aber die Zeit, in der der Wolfsnachwuchs das Rudel verlasse und umherziehe, um sich ein eigenes Revier zu suchen. Ein junger Wolf könnte so auch durch Bielefeld ziehen.

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