Fr., 12.04.2019

Preise für kleine Wohnung ziehen laut NRW-Bank an Wer alleine wohnen will, muss kräftig draufzahlen

Ein Kran steht neben einem Neubau in Köln.

Ein Kran steht neben einem Neubau in Köln. Foto: dpa

Von Jan Gruhn

Bielefeld/Paderborn(WB). Die Wohnungsnot in Nordrhein-Westfalen wächst: Besonders kleine Wohnungen sind Mangelware.

Was fehlenden Wohnraum angeht, war Ralf Brodda einiges gewohnt, bevor er 2014 nach Bielefeld kam. Der Geschäftsführer des Mieterbundes Ostwestfalen-Lippe arbeitete zuvor in Stuttgart, so etwas wie ein Mietbrennpunkt. »Ich dachte, hier in der Region geht das alles noch«, sagt Brodda heute. »Aber in den vergangenen fünf Jahren hat sich die Lage massiv verschärft.«

Die Preise steigen. Besonders für Menschen mit wenig Einkommen oder Singles gleicht die Suche nach einer Wohnung der Jagd nach dem Bernsteinzimmer. Das bestätigt auch der gestern veröffentlichte Wohnungsmarktbericht 2018 der NRW-Bank: Zwar werde fleißig im Land gebaut, 2017 wurden dem Bericht zufolge 48.300 Wohnungen fertiggestellt. Die etwa 55.500 erteilten Baugenehmigungen für 2018 ließen einen weiteren Anstieg erwarten. »Die Entwicklung geht in die richtige Richtung«, wurde Dietrich Suhlrie, Vorstandsmitglied der NRW-Bank, in einer Mitteilung zitiert. Das reiche demnach aber längst nicht aus, um den aktuellen Bedarf zu decken. Dafür müssten laut NRW-Bank jährlich 80.000 neue Wohnungen entstehen.

Nachteil für Singles

Das mache vor allen den Singles zu schaffen. In etwa 41 Prozent der NRW-Haushalte leben demnach Alleinstehende, sie bilden damit die größte Gruppe vor den Paaren ohne Kinder (30 Prozent) sowie Familien mit Kindern (29 Prozent). Ein-Zimmer-Apartments werden knapper – und damit teurer. Mit 9,14 Euro Miete pro Qua­dratmeter liegen sie dem Bericht zufolge fast 1,90 Euro über dem Marktdurchschnitt.

Besonders stark sei der Anstieg in den Universitätsstädten. Eine Folge davon könnte sein, dass jeder vierte Student (25,2) noch noch zu Hause lebt, wie ein Studie es Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im Januar offenlegte. Zum Vergleich: In Paderborn liegt der Mietpreis für kleine Wohnungen unter 35 Quadratemeter in mittlerer Lage zwischen 6,30 Euro und 8,60 pro Quadratmetern. In guten Lagen könnten bis zu 10 Euro fällig werden.

Anstieg der Mieten

Laut Bericht nehmen Neubaumieten inzwischen weniger stark zu. Dafür habe der Anstieg der Mieten beim Wechsel des Mieters seit 2016 nochmals an Fahrt gewonnen. Diese Mieten seien 2018 um 3,5 Prozent gestiegen und damit stärker als die durchschnittliche Kaufkraft der Haushalte.

Die Mieten öffentlich geförderter Wohnungen seien aufgrund der Preisbindung nahezu stabil geblieben (5,20 Euro pro Quadratmeter). Die Zahl dieser Wohnungen werde in den kommenden Jahren aber weiter deutlich abnehmen, weil wegen der niedrigen Zinsen Förderdarlehen außerplanmäßig zurückgezahlt worden seien. Spätestens bis 2027 würden deshalb knapp 131.000 Wohnungen aus der Sozialbindung fallen. Das sei fast ein Drittel des Bestands, schreibt die NRW-Bank.

Hinzu kämen weitere etwa 39.000 Wohnungen, deren Sozialbindung bis dahin planmäßig auslaufe. Allein um diese Verluste auszugleichen, müssten jährlich etwa 13.000 Wohnungen mit Fördermitteln neu gebaut oder modernisiert werden. Ende 2017 gab es in NRW noch rund 461.000 Sozialwohnungen.

Knappheit von Bauland

Dass weniger neue Wohnungen als benötigt entstehen, liegt nach Angaben der NRW-Bank daran, dass die Bauwirtschaft und die kommunalen Bauverwaltungen stark ausgelastet seien. Hinzu komme eine Knappheit beim Bauland.

Das sieht auch Ralf Brodda so: »Es fehlt an Bauflächen.« Der Geschäftsführer des Mieterbundes sieht die Politik in der Pflicht – aber auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die seinen Angaben zufolge in OWL noch über viele Flächen verfüge. Tatsächlich gibt es derzeit zum Beispiel in Bünde (Kreis Herford) zähe Verhandlungen über ehemalige Britenhäuser, es geht um den Preis. »Statt den Kommunen Steine in den Weg zu legen«, so formutliert Brodda, solle man den Städte und Gemeinden lieber entgegenkommen.

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