Di., 16.04.2019

Mehr als 250 Zuschauer beim Austrieb auf Gut Wilhelmsdorf – mit Video Kühe toben auf der Weide

Aus dem Winterstall auf die Sommerweide: Da lassen sich die Milchkühe des Gutes Wilhelmsdorf nicht lange bitten. Sie bescheren ihren Besitzern jährlich bis zu zwei Millionen Liter Milch, die überwiegend in der Region verkauft werden.

Aus dem Winterstall auf die Sommerweide: Da lassen sich die Milchkühe des Gutes Wilhelmsdorf nicht lange bitten. Sie bescheren ihren Besitzern jährlich bis zu zwei Millionen Liter Milch, die überwiegend in der Region verkauft werden. Foto: Markus Poch

Von Markus Poch

Bielefeld (WB). 700 Kilogramm Fleisch und Knochen durch die Luft zu wirbeln, ist gar nicht so einfach. Und bei massigen Milchkühen der Sorte Schwarzbunt kann das sehr eigenwillig aussehen. Doch genau so ausgelassen fühlen sich die Rindviecher eben zum ersten Weideaustrieb nach dem Winter: Mehr als 250 Männer, Frauen und Kinder wollten gestern in Eckardtsheim auf Gut Wilhelmsdorf dabei sein.

»La vache qui rit« – »Die Kuh, die lacht«, hat die französische Käserei Bel vor fast 100 Jahren ihren inzwischen weltweit populären Schmelzkäse genannt. Bestimmt ist der Erfinder dieses Namens einmal dabei gewesen, als Kühe auf die erste Frühlingswiese getrieben wurden. Dann zumindest benehmen sie sich so, als würden sie gerne lachen, wenn sie denn die Muskulatur dazu hätten.

Das beginnt bei vielen schon im Stall, wo das Kontingent an Gras- und Maissilage allmählich knapp wird. »Die Kühe riechen dann förmlich, wie draußen das Gras wächst«, sagt Ulrich Schumacher, Chef des Gutes Wilhelmsdorf. »Das Frühlingsgras ist das schmackhafteste des Jahres.«

Viele Betriebe scheuen den Aufwand

Der Weideaustrieb oder auch Almauftrieb, wie es in den Alpen heißt, gehörte früher laut Schumacher in fast allen Milch- und Viehzuchtbetrieben der Region zum Alltag. Heute dagegen scheuten sich die meisten Inhaber vor dem Aufwand. Auf Gut Wilhelmsdorf ist das anders: Dort stehen die 220 Milchkühe von April bis Oktober jeden Tag fünf bis sechs Stunden auf der Weide, immer zwischen den Melkvorgängen am Vor- und Nachmittag.

Erstmals hatte Gut Wilhelmsdorf jetzt öffentlich zum Saisonauftakt eingeladen. Viele Einzelpersonen und Pärchen, aber auch etliche Kindergartengruppen verfolgten den Einlauf der letzten 48 von 220 Milchkühen, die bis gestern noch nicht in den Genuss des Frühlingsgrases gekommen waren. Manchen Tieren war es beinahe anzusehen, dass sie an diesem Tage gerne ein paar Kilogramm leichter wären, um im Frühlingswahn höher und weiter springen zu können.

Die Idee, ihre tobenden Kühe zur Schau zu stellen, stammte von Betriebsleiterin Friederike Hegselmann (28) und Juniorchefin Maike Schumacher (24), die diesen Anlass mit Führungen durch den Molkereibetrieb verbanden. Zur Verpflegung der Besucher gab es Eis und Säfte mit Rohstoffen aus hauseigener Produktion.

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