Di., 16.04.2019

500 Besucher kommen zum »Frühstück bei Monsieur Henri« in die Brackweder Kulisse Läuterung eines Griesgrams

Constance (Ronja Geburzky) versucht mit allen Mitteln, Paul (Florian Battermann) zu verführen.

Constance (Ronja Geburzky) versucht mit allen Mitteln, Paul (Florian Battermann) zu verführen. Foto: Kerstin Panhorst

Von Kerstin Panhorst

Bielefeld (WB). Cineasten dürfte Ivan Calbéracs Theaterstück »Frühstück bei Monsieur Henri« durch die gleichnamige Verfilmung mit Claude Brasseur als kauzigem Rentner bekannt sein. Für die Inszenierung der Braunschweiger Komödie am Altstadtmarkt zieht der aus vielen Krimireihen bekannte Ulli Kinalzik sich momentan die Pantoffeln des Griesgrams an und stiftet Unruhe in seiner Bühnenfamilie.

Mehr als 500 Besucher verfolgten die französische Tragikomödie bei ihrem Gastspiel in der Brackweder Realschulaula .

Eigentlich hat Henri (Kinalzik) keine Lust auf eine Mitbewohnerin, doch irgendwie schafft es die junge Studentin Constance (Ronja Geburzky) dennoch, sein leer stehendes Zimmer zu mieten. Und bald sieht auch Henri den Vorteil einer solchen Wohngemeinschaft, und er schlägt Constance einen besonderen Handel vor: Sie darf sechs Monate mietfrei wohnen, wenn sie es schafft, Henris Sohn Paul (Theaterleiter Florian Battermann) zu verführen und zur Trennung zu bewegen. Denn Pauls religiöse Ehefrau Valerie (Sonja Wigger) findet zwar alles »fabelhaft« und hat das Herz auf dem richtigen Fleck, ist aber laut Henri »dumm wie Bohnenstroh«.

Um seine Schwiegertochter loszuwerden, hat Henri zuvor bereits viel versucht, »nur noch kein Rattengift im Crumble«, den diese stets zum Dessert mitbringt. Doch auch sein Sohn fühlt sich nicht wertgeschätzt, eher gedemütigt vom stoischen Senior. Auch Constanze bekommt zunächst die ablehnende Haltung und die eher schroffen Kommentare des Monsieur Henri zu spüren und zu hören. Ganz herzlos ist der alte Grantler aber nicht, er kann lediglich seine Gefühle nicht in die richtigen Worte fassen. Immer wenn Henri den Seinen ein »Zieh dir was an, sonst erkältest du dich noch« mit auf den Weg gibt, meint er eigentlich »Ich liebe dich«.

Thematisch ist das Stück fast ein wenig überfrachtet

Bevor Henri am Ende erkennt, was wirklich zählt im Leben, versucht er zunächst noch das Eheleben seines Sohnes zu ruinieren. Ausgestattet mit Pauls Lieblingsbuch, für seinen Fußballverein jubelnd und ihm seine Leibspeise Milchreis kochend, legt sich Constance ins Zeug. Als scheinbar ideal zu Paul passende Femme Fatale gibt sie ihm zum ersten Mal im Leben das Gefühl, begehrenswert zu sein. Und Paul fällt auf das Spielchen seines Vaters herein, denkt sogar an Scheidung. Doch dann kommt die Nachricht: Nach unzähligen Fehlersuchen ist Valerie endlich schwanger. Henri braucht zwar noch ein wenig länger, um sich in sein Schicksal zu fügen, hilft dabei aber noch Constance dabei, ihr eigenes in die Hand zu nehmen und ihren Traum von einem Studium an einem Musikcollege in London zu verwirklichen.

Thematisch ist das Stück fast ein wenig überfrachtet. Die Wertschätzung von Vätern, der Mut, die eigenen Träume zu verwirklichen und die Erkenntnis, dass es im Leben vor allem darum geht, zu lieben, werden in knapp zwei Stunden abgehandelt. Die Darsteller schaffen es aber, ihre Figuren durch diese inhaltliche Fülle zu manövrieren und gleichzeitig Sympathien beim Zuschauer zu erzeugen. Das verdient Respekt – auch wenn die Inszenierung ein wenig mehr Verve vertragen hätte.

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